„Erwartungshaltung spürbar“

Gibt die Richtung vor - Damen-Nationaltrainer Simon Brechbühler. /Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Nur noch eine Woche, dann startet die Damen WM in St. Gallen. In Gruppe B trifft Deutschland dabei auf Finnland, Lettland und Australien. Im Gespräch mit dem Floorballmagazin analysiert Cheftrainer Simon Brechbühler die Gruppengegner. Gegen Lettland und Finnland sieht der Coach sein Team als klaren Außenseiter, mit Australien habe man eine Rechnung offen.

Floorballmagazin: Nun sind es nur noch wenige Tage, bis du mit deinen Mädels ins erste WM-Spiel startest. Dort wartet Lettland, sie waren 2009 Sechste. Wie schätzt du diesen Gegner im Vorfeld ein, wird es euch gelingen, die Baltinnen zu besiegen?

Simon Brechbühler: Wir kennen Lettland überhaupt nicht. Ich persönlich habe sie vor einigen Jahren zum letzten Mal gesehen. Lettland ist aber sicherlich deutlich stärker einzuschätzen als wir. Wir versuchen uns auf das Spiel vorzubereiten, konzentrieren uns dabei aber auf unsere Möglichkeiten und auf unsere Leistung. Wir reisen bereits am Donnerstag an und werden in einigen Trainings und einem Testspiel unsere Vorbereitung abschliessen. In letzter Zeit spürt man in den Reihen deutscher Anhänger eine gewisse Erwartungshaltung, dass wir die Letten schlagen können. Ich möchte dies hier einfach noch in aller Deutlichkeit klar stellen. Wir sind die Nummer 13 der Welt, Lettland die Nummer 6. Ein Sieg gegen dieses Team käme einer Sensation gleich. Wir werden unser Bestes geben, diese Sensation wahr zu machen.

Ihr seid die Mannschaft, die als erste in das Turnier starten wird – noch vor der Eröffnungsfeier. Was meinst du, ist das ein Vorteil oder ein Nachteil?

Es ist toll für mich, bei meiner „Heim WM“ als erster Schweizer ins Turnier zu starten. Der Vorteil ist sicher, dass es für beide Teams das erste Spiel ist und die Letten uns deswegen weniger gut einschätzen können. Nachteile sehe ich keine, als erstes Team in die WM zu starten.

Euer zweiter Gegner Australien, B-WM-Sieger von 2009, ist in diesem Jahr nicht ganz optimal besetzt. Der Kader ist kleiner und nicht mehr so hochklassig wie vor zwei Jahren. Setzt du es also als Pflicht voraus, gegen diesen Gegner zu gewinnen und welche Vorgaben wird es für dieses Spiel geben?

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe den Kader von Australien nicht verglichen mit dem letztjährigen. Ich vertraue da auf die Dienste von Oli Bachofen, er war bis vor einem Jahr Assistent bei den Australiern. Er wird unser Team gut auf diesen Gegner vorbereiten. Ich denke, dass wir mit diesem Team eine Rechnung offen haben. Wir haben bereits bei der Quali gezeigt, dass wir gegen ehemalige Angstgegner, beispielsweise Niederlande, tolle Spiele zeigen können. Ich erwarte von meinem Team die bestmögliche Leistung und dann werden wir versuchen, die Chance zu packen und die Australier zu schlagen.

Die Niederlage 2009 gegen Australien war bitter für die Damen. Inwiefern stellt sich die Frage nach der mentalen Blockade, mit der sie in das Spiel hinein gehen könnten?

Das letzte Spiel gegen Australien habe ich zu Hause am Computer verfolgt. Die Taktik der Australier war einfach und berechenbar. Damals war Sandra Dirksen für alles verantwortlich und die Australier haben sie gut aus dem Spiel genommen. Dies hat zum Sieg gereicht. So einfach werden wir es ihnen dieses Jahr nicht machen. Wir haben drei ausgeglichene Reihen. Ich denke, dass in einem solchen Spiel vor allem die jungen und frischen Nationalspielerinnen den Australiern das Leben schwer machen können. Aus diesem Grund denke ich nicht, dass wir eine Blockade haben. Für unsere Mädels ist der Auftrag klar.

Das dritte und schwierigste Spiel der Vorrunde findet am Dienstag gegen Finnland statt. Ihr konntet euch zuletzt gegen starke Gegner steigern, Finnland erlebte in der EuroFloorball Tour einen kleinen Dämpfer, wurde nur Dritter. Einmal vorlaut gefragt: Siehst du eine Chance Finnland mehr als nur zu ärgern?

Wir haben in  Polen das zweite Drittel Unentschieden gespielt, dies war ein Warnschuss unsererseits. Wenn uns Finnland nicht unterschätzt, wird es sehr schwierig. Dieses Team ist in meinen Augen, neben Schweden, taktisch die stärkste Mannschaft. Wir werden in diesem Spiel nur über den Kampf ins Spiel finden. Wenn wir die Leidenschaft und Aggressivität an den Tag legen, dann können wir sie vielleicht aus dem Tritt bringen. Ich denke, unsere größte Chance ist, dass wir eigentlich keine Chance haben. Ich kenne viele Teams, die genau solche Chancen schon genutzt haben. (ms)