Simple Antwort: Abwechslung

Besondere Form der Abwechslung - Berlins Bundesliga-Verteidiger Erfurth (li.) im "Trainingsspiel" mit dem BAT-Nachwuchs. /Foto: Andreas Schulz

Der Trainingsblogger. In seinem neuen Beitrag beschreibt Marco Galle einen einfachen Weg gegen den ewig gleichen Trainingsalltag. Das Zauberwort heißt: alternative Übung. Diese Trainingsform fordert den Spielern viel Konzentration ab, garantiert aber hohen Lernerfolg und keine Langeweile.

Jeder aktive Floorballspieler kennt das: Eine Übung, die schon seit Ewigkeiten bekannt ist, wird wieder einmal im Training durchgeführt. Man weiß ganz genau, wann man wo zu stehen hat, wohin der Pass mit welcher Intensität gespielt wird und welche Schusspositionen sich ergeben. Die pure Langeweile mit einem Lerneffekt gegen Null.

Ich habe mich immer gefragt: Was bringt das? Meine Antwort hat sich bis heute nicht geändert. Sie lautet: Nix!

Doch wie kann ein Trainer sein Team aus dieser Lernsackgasse wieder heraus manövrieren? Die simple Antwort heißt Abwechslung. Denn Abwechslung im Training bedeutet dreierlei: viel mehr Spaß, eine höhere Trainingsmotivation und letztendlich bessere Trainingsresultate. Dies alles kann der Trainer erwirken, indem er zum Einen verschiedene Übungen einsetzt. Er kann aber zum Anderen auch mit derselben Übung den Lernfaktor erhöhen, in dem er diese in eine alternative Übung umwandelt.

Was ist eine alternative Übung?

Bei einer alternativen Übung besitzt ein Spieler zwei oder mehrere Alternativen, die Übung auf verschiedenem Wege selbst zu gestalten. Die Mitspieler müssen hingegen aufpassen, wie der Spieler agiert und dementsprechend reagieren. Damit verlangt der Trainer von seinen Spielern sehr viel. Sie müssen stets aufmerksam sein und das Verhalten der Mitspieler beobachten, analysieren und darauf reagieren. Daneben müssen sie saubere Pässe spielen, gezielte Abschlüsse präsentieren und die richtigen Laufwege wählen. Die alternative Übung ist sehr anspruchsvoll. Sie garantiert aber einen hohen Lernerfolg, weil immer wieder neue Situationen entstehen, die es zu lösen gilt. Es tritt nie die anfangs erwähnte Langeweile auf.

Die Website zum Blog.

Konzentration bei der Erklärung

Der erste Schritt bei einer alternativen Übung besteht darin, die Anzahl der verschiedenen Spielmöglichkeiten festzulegen, zu definieren und daraus eine Übung zu entwickeln. Im zweiten Schritt wird dem Team genau erklärt, welche Optionen jeder Spieler bei der spezifischen Übung hat. An diesem Punkt müssen sich die Spieler gut konzentrieren und aufpassen, unter welchen Bedingungen welche Laufwege und Passwege gewählt werden können.

Beispiel: Alternative Block oder Schuss

Bei dem unten aufgezeichneten Übungsbeispiel liegt die Entscheidungsoption beim Spieler in der Ecke. Er kann entweder das 1:1 suchen oder einen Schuss blocken. Dementsprechend wählt er entweder die blaue oder grüne Option. Der Spieler an der Mittellinie muss hingegen schnell erkennen, welche Entscheidung der Mitspieler trifft und richtig reagieren.

Alternative Übung - 1:1 oder Block. /Grafik: unihockeyuebung.blogsport.de

 

Die einzelnen Optionen im Detail: Beim blauen Weg rennt der Spieler aus der Ecke schnell um den Kegel und versucht ein Tor zu schiessen. Der Spieler an der Mittellinie muss das mit einem schnellen Sprint vors Tor und im anschliessenden Zweikampf verhindern. Beim grünen Weg passt der Spieler aus der Ecke an der Bande Richtung Mittellinie. Der dort postierte Mitspieler läuft Richtung Mitte und schiesst. Der Spieler aus der Ecke rennt vors Tor, um diesen Schuss zu blocken..

Im nächsten Blog erkläre ich, wie alternative Übungen kreiert werden und welche sieben Grundprinzipien dabei beachtet werden sollten. Unter http://unihockeyuebung.blogsport.de/uebersicht-uebungen/ sind eine Reihe alternativer Übungen aufgelistet.

Marco Galle ist als Floorball-Spieler und -Trainer in der Schweiz aktiv, spielte dort u.a. bei GC Zürich. Der gebürtige Sachse (stammt aus Hoyerswerda) studiert in Zürich Erziehungswissenschaften und Psychologie. Weil ihm der trainingswissenschaftliche Aspekt im Floorball nicht ausreichend abgedeckt schien, startete er im Mai 2011 das Projekt Unihockeyuebung.blogsport.de. Auf dieses Blog stellt er Übungen und Berichte rund um das Floorballtraining. Als „Trainingsblogger“ veröffentlicht Galle regelmäßig Beiträge im Floorballmagazin.