Lauras Tagebuch – Kapitel vier

Liebste Heidi,

ich bin platt. Meine Lider klimpern schwer wie Blei und meine Synapsen schließen nur widerspenstig Kontakte.

Die neu formierte Deutsche Damen Floorball Nationalmannschaft gewann heute ihr erstes Spiel der WM 2011! Ein Meilenstein. Wir haben Geschichte geschrieben und die Revanche gegen den unberechenbaren Rivalen aus Down Under perfekt gemacht.

Der Morgen begann wie gewohnt mit einem Spaziergang und setze im Frühstück fort. Geschlafen habe ich leider nicht sonderlich gut, denn über Teufen wirbelte ein Orkan und raubte mit den Schlaf. Meinem Traume entrissen stattete ich unserer Villa gegen drei Uhr eine kleine Schlafwanderung ab. Kurzzeitig hatte ich die Befürchtung die Welt könnte untergehen. Nichts passiert, Heidi, keine Sorge.

Der Plan sah an diesem 05. Dezember 2011 ein Training in der Sporthalle Kreuzbleiche vor. Bodengewöhnung erkoren wir zum Ziel der praktischen Einheit, denn bewegt haben wir uns kaum.

Nachdem mir nun endlich der Schlafsand aus den Augen gepurzelt war, betrachtete ich die eidgenössische Umgebung und aktivierte kurzzeitig meinen Weihnachtsmodus. Grund: Schnee. Zwei Zentimeter Neuschnee gemischt mit Flocken in ihrer verflüssigten Konsistenz. Die Freude hielt etwa eine Stunde an, denn dann verdünnisierte sich die weiße Pracht gen Untergrund.

Ein entspanntes Mittagessen und eine Theorieeinheit erwateten uns, als wir unser Domizil zurückerreichten. Mic, unser Teamkoch, sammelt weiter Pluspunkte und ich bin am überlegen, ob man ihm ein Sammelheftchen anlegen sollte.

Erneut wurde das Thema Geschichte schreiben aufgegriffen und musikalisch, sowie mit bewegten Bildern unterlegt. Die Niederlage war so gut wie vergessen und Australien sollte leiden. Obwohl, mein Anspruch an mich selbst lag bei vier blauen Flecken. Egal, dann verpasse ich eben fünf Hämatome.

Heidi, ich hatte ein fabelhaftes Gefühl, denn ich wusste, dass ich spielen werde und ein gutes Spiel ablegen kann. Gestärkt von Gedanken an die daheimgebliebenen Fans und das Wissen, dass eben jene den Live-Stream verfolgen und mitfiebern, ließ mich zu Höchstleistungen auffahren.
Erstaunlicher Weise hätte ich den werten Damen aus Australien einiges mehr zugetraut und kann mit stolzer Brust sagen, dass wir das gesamte Spiel dominiert haben und den Sieg verdient haben.

Natürlich zogen wir uns nach dem Spiel in die Kabine zurück und präsentierten uns in der schweißgeschwängerten Luft unseren neuen Körperschmuck. Ich schaute glücklich in die strahlenden Gesichter und war mir sicher, dass dies nicht das letzte Mal war, dass wir zusammen Geschichte schreiben.

Gesäubert und fröhlich statteten wir dem Spiel Schweiz-Niederlande einen Besuch ab und amüsierten uns köstlich über die holländischen Fans. Sogar eine Möhre fand sich im grellen orange ein und feuerte lauthals Oranje an. Eine einzigartige Stimmung füllte die Halle. WM-Stimmung.

Endlich in der Villa angekommen erwartete uns pünktlich 22:00 Uhr das Abendessen, eine kurze Einstimmung auf den übermächtigen Gegner Finnland und die Erinnerung an die Olympischen Spiele 1980. Damals, als die junge Eishockeymannschaft der USA die unbesiegbare Sowjetische Nationalmannschaft schlug und mit The Miracle on Ice noch immer unvergessen bleibt.

Ach meine Heidi, nun geht ein langer Tag zu Ende und ich würde dir gern noch so viel berichten, aber das muss warten.

Schlaf gut und putz’ deine Schuhe,

Deine Laura

PS: Ich hoffe doch sehr, dass der Nikolaus mal eine kleine Ausnahme macht und mich trotz ungeputzten und abartig dünstenden Schuhwerks reichhaltig beschert.

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1 Kommentar vorhandenKommentieren
  1. Auf geht’s Mädels – Nach dem Miracle on Ice 1980 folgt dann heute Miracle on Gerflor ;-)

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