Lauras Tagebuch: Kapitel sechs

Meine allerliebste Heidi,

Heute ist Bergfest! Die Feierlichkeit zu dessen Ehren ist natürlich nicht eskaliert, allerdings fand der angekündigte Presseempfang statt. Um eventuell präsenten Fotografen ein optimales Motiv zu liefern, legte ich gestern eigens Hand an meinem Haupthaar an und verkürzte mein Pony. Fazit: ich tauge zur Haarschneiderin.

Der Bergfest-Morgen begann weniger früh als üblich, was meine Laune ins Unermessliche steigen ließ. Auch der übliche Spaziergang durch den nunmehr regenbenetzten Matsch-Schnee fiel aus, oder ins Wasser.

Leider fühlte sich mein Körper heute Morgen noch nicht in der Lage Nahrung aufzunehmen, da die mitternächtliche Nudel-Mahlzeit schwer im Magen-Darm-Trakt rumorte. Abgespeist bestand die Wahlmöglichkeit zwischen Schwimmbad und Extrem-Chillen in der geliebten Unterkunft. Ich entschied mich, um den Hüttenkoller zu entgehen, für die Fahrt ins Hallenbad von St. Gallen. Ein Grüppchen von sieben jungen Damen genoss den Chlorduft und die Blubber-Düsen im auf Körpertemperatur aufgeheizten Nicht-Schwimmerbecken. Herrlich. Auch einige Bahnen wurden geschwommen und die Rutsche auf ihre Höchstgeschwindigkeit getestet.

Zum Mittagessen trafen wir auf den Rest des Teams, der noch gammelig auf der faulen Haut herumlag und sich einen Chickflick nach dem anderen ins Hirn hämmerte. Eine triefende Bratwurst sollte sich an Spaghetti auf unseren Tellern einfinden. Meinen Teller erreichte nur die Beilage.

Der Germany-Bus transportierte uns wie gewohnt zum Training im Athletik Zentrum. Mein Herz tanz…lalala… Ein kurzes, aber intensives Ertüchtigen mit einigen alternativen Übungsformen riss uns aus dem Trott der Langenweile und heilte den Hüttenkoller. Leider nicht die Krankheiten und Gebrechen.

Es ging zurück in die Unterkunft, wo uns hungrige Journalisten, Vertreter von Floorball Deutschland, sowie Familienmitglieder erwarteten. Wohl duftend begrüßten wir kurz die Meute und unterhielten uns mehr oder minder angeregt. Erst als Pauline und Laura Hönicke erneut ihre Sanges- und Gitarrenspielkunst zum Besten gaben, kochte die Stimmung über und Jubelschreie erhellten das verschlafene Teufen. Ein konkurrierendes Floorball-Informations-Klatsch-Und-Tratsch-Onlineportal veröffentlichte sogar den Act des Abends in Form eines Videos auf ihrer Homepage. Heidi solltest du interessiert sein an dessen Betrachtung, frag doch bitte meinen Kumpel Google um Rat.

Laura Hönickes und Pauli Baumgartens Live-Performance
(gefilmt von unihockey-portal)

Erneut trennte sich unser eingeschworener Hühnerhaufen zur Abendbrotszeit. Bei einigen kam das Verlangen auf, der Außenwelt einen Besuch abzustatten und das äußerst spannende Spiel Schweiz-Polen anzusehen. Nicht so bei mir. Ich ergab mich nun schlussendlich der Bettlägerichkeit und ließ nur noch klares Wasser und die heilenden Hände der Physiotherapeuten Max und Hannes an meinen fast Astralkörper. Die beiden kümmerten sich übrigens auch rührend um unsere, unter Quarantäne gestellten, kränkelnden Spielerinnen und versorgten diese mit Vitaminen in Form von XXL-Tabletten.

Wie du siehst, Heidi, ist meine Regeneration bestens gelungen und Russland kann vernichtet werden. Nun ja, zumindest geschlagen. Wie ich es dir angekündigt habe, muss ALLES. Ich will meinen Ansprüchen gerecht werden und erwarte einen Sieg und verlange lächelnde Grimassen in den Gesichtern der Frauen.

Grimassen schneiden wir hier übrigens ziemlich oft, denn je länger die WM andauert, desto häufiger schaltet der Denkapparat ab und entsaftet in Form von sinnlosen Kommentaren und äußerst witzigen Klugheiten. Aber dafür ist hier kein Platz meine liebe Heidi, Teamgeheimnisse.

Jetzt, wo das Bergfest allmählich abebbt und die ersten Prinzessinnen ihr Schlafgemach aufsuchen, bleibt nur noch festzustellen, dass die erste WM-Hälfte tierisch Spaß gemacht hat und bleibende Erinnerungen hinterlassen wird. Beinahe eine Woche befinden wir uns nun schon im Lande von Toblerone und Appenzeller-Käse. Die Zeit rannte, nein sprintete und konnte gar nicht genügend genossen werden. Mein erklärtes Ziel für die zweite Hälfte lautet also: WM-Feeling tanken, wirken lassen und für einmalig befinden.

Ab ins Bett mit uns, Heidi.

Deine Laura.

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