Bittere Pleite gegen Russland

Loch in der Mauer - Deutschland fand heute zu selten die Lücke in der russischen Abwehr. /Foto: Elke Scholz

Eine Zwei-Tore-Führung in den letzten zehn Minuten reichte nicht: Deutschland kassiert in der Platzierungsrunde eine bittere 6:7-Niederlage nach Verlängerung gegen Russland. Statt, wie erhofft, um Platz neun wird Brechbühlers Equipe morgen gegen die Slowakei um Rang 11 kämpfen.

Wer dachte, dass Deutschland die Partie gegen die dezimierten Russinnen von Beginn weg dominieren würde, sah sich schnell getäuscht. Denn wie schon in den Partien gegen Lettland und Finnland verschlief Brechbühlers Equipe den Start und lag diesmal nach drei Minuten in Rückstand. Ein Lattenschuss Russlands in der 10. Minute schüttelte Deutschland dann langsam wach. In der Folge konnten erste zwingende Chancen erarbeitet werden, bis zur Pausensirene sprang aber bis auf einen Pfostenschuss nichts heraus.

Das änderte sich jedoch im zweiten Abschnitt: Hönicke versenkte in der 25. Minute eine Vorlage von Mietzsch direkt im russischen Gehäuse. Das Unentschieden hatte aber nur eine gute Minute Bestand, weil Russland ein Powerplay (Voigt saß wegen Sperrens) gleich zur erneuten Führung nutzte. Nun hatte das Spiel Fahrt aufgenommen. Timmel besorgte in der 31. Minute nach einer Freischlag-Variante den Ausgleich, nur vier Minuten später antwortete Russland mit dem 3:2. In der Folge wechselte Nationaltrainer Simon Brechbühler Torhüterin Svenja Zell für Nancy Gatzsch aus. Wenig später bekam Deutschland die Chance auf eine Überzahl und nutzte diese prompt aus: Liebing staubte nach einem Schuss von Kapitänin Sandra Dirksen ab – 3:3, das war auch der Zwischenstand vorm letzten Drittel.

Nur eine Minute nach Anpfiff des Schlussabschnitts sah sich Deutschland zum vierten Mal im Spielverlauf in Unterzahl, Hönicke musste wegen Handspiel auf die Strafbank. Doch das deutsche Boxplay stand und unmittelbar nach der überstandenen Strafe brachte Voigt ihr Team erstmals in Führung (45.). Diesmal waren es allerdings die Russinnen, die schnell die passende Antwort fanden. So hatte die deutsche Führung nur fünf Minuten Bestand, in der 49. Minute stand die Partie wieder unentschieden. Die nächsten Minuten gehörten dann aber nur  Brechbühlers Team. Mit einem Pfostenschuss läutete Hönicke in der 52. Minute einen bemerkenswerten Zwischenspurt Deutschlands ein: Nur anderthalb Minuten später bediente Neumann Patzelt, die das 5:4 markierte. Und die deutsche Mannschaft legte direkt nach: Weitere neun Sekunden später schoss Dirksen zum 6:4 ein – die erste Zwei-Tore-Führung der Partie, aber nicht die Entscheidung.

Denn ein unglücklicher Sturz Pauline Baumgartens über die Bande in der 56. Spielminute sorgte für einen schmerzhaften Schlüsselmoment. Die Folgen: Krankenwagen und Deutschlands spielerischer Einbruch. Zweieinhalb Minuten vor Ende kam Russland durch einen Distanzschuss zum Anschlusstreffer, 90 Sekunden später fiel gar der Ausgleich. Verlängerung also. Hier hatte Deutschland in der 64. Minute bei einem russischen Pfostenschuss Riesenglück. Doch auch das war wenig später aufgebraucht. Weil Voigt eine Russin nur mit einem Foul am Durchbrechen hindern konnte, musste die Finnland-Legionärin auf die Strafbank. Das folgende Powerplay nutzten die Russinnen in der 67. Minute mit einem Schuss von der linken Seite zum entscheidenden 7:6.

Damit kassierte Deutschland eine, vor allem angesichts der Zwei-Tore-Führung kurz vor Schluss, unnötige Niederlage gegen Russland und spielt morgen nicht, wie erhofft, um Platz neun sondern stattdessen um den elften Rang. Abschließender WM-Gegner der Deutschen ist dabei die Slowakei, die heute 3:6 gegen die USA verlor.

Deutschland – Russland 6:7 s.D.
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Nachtrag: Pauline Baumgarten geht es gut, sie ist ansprechbar und wird im Krankenhaus mit einer Platzwunde sicherheitshalber noch zur Kontrolle verweilen.

Die Highlights des 5. Spieltages (inkl. Deutschland vs. Russland)