Happy-End zum Abschluss

Starke Partie - Flügel Franziska Kuhlmann netzte zweimal ein. /Foto: Elke Scholz

Im abschließenden Spiel um Platz 11 muss Deutschland gegen die Slowakei wieder in die Verlängerung. Doch anders als gestern gegen Russland hat diesmal Brechbühlers Equipe das bessere Ende für sich. In der 65. Minute schießt Liebing Deutschland zum Sieg und sorgt so für einen versöhnlichen WM-Abschluss.

Vor der Partie gab es eigentlich schon die beste Nachricht des Tages: Flügel Pauline Baumgarten, die nach einem Sturz im gestrigen Spiel gegen Russland (6:7 s.D.) ins Krankenhaus eingeliefert worden war, stand heute bereits wieder mit auf dem Spielprotokoll. Zwar wurde sie von Trainer Brechbühler geschont, doch allein die Tatsache, dass Baumgarten von der Ersatzbank aus ihr Team unterstützen konnte, dürfte ihren Mitspielerinnen Auftrieb gegeben haben.

Gute Nachricht - Pauline Baumgarten (re.) konnte nach ihrem schweren Sturz gestern Abend heute schon wieder auf der Ersatzbank mitfiebern. /Foto: Elke Scholz

Wenngleich davon anfangs nichts zu spüren war. Denn der Start des abschließenden WM-Spiels Deutschlands war fast eine Blaupause der Anfangsphasen der Begegnungen mit Russland, Lettland und Finnland – geprägt von Nachlässigkeiten. So stand Torhüterin Svenja Zell mehr im Fokus, als ihr lieb sein konnte und musste einige slowakische Abschlüsse entschärfen. Immerhin, anders als in den erwähnten Partien geriet das Team von Simon Brechbühler diesmal nicht früh in Rückstand, im Gegenteil. Voigt fand in der 10. Minute nach einem schnellen Angriff Gerdes völlig frei im Slot stehend, die dann keine Probleme hatte und direkt zur deutschen Führung vollstreckte. Doch das 1:0 brachte keine Ruhe ins Spiel, es blieb ein offener Schlagabtausch. Bis zur ersten Pause fielen dabei aber keine Treffer mehr, die beste Chance vergab Schmidt, als sie nach einem Freischlag den Pfosten traf.

Das zweite Drittel begann mit mehr Chancen für Deutschland, das Tor trafen jedoch die Slowakinnen: In der 30. Minute egalisierte Kolesarova den Spielstand. Der weitere Verlauf des Drittels war geprägt von zwei Doppelschlägen. Hönicke bediente Kuhlmann, die in der 36. Minute zum 2:1 einnetzte. Die Reaktion der Slowakinnen ließ genau 20 Sekunden auf sich warten, dann war die Partie durch Janegovas Treffer wieder ausgeglichen. 45 Sekunden vor der Pausensirene war es erneut Kuhlmann, diesmal auf Vorlage von Patzelt, die das 3:2 erzielte. Und wieder folgte die prompte Antwort der Slowakinnen: Vrskova konnte sich aus der eigenen Defensive bis vor Zells Gehäuse durchtanken und netzte sechs Sekunden vor Drittelende zum erneuten Ausgleich ein – eine bittere Pille für Brechbühlers Team.

Die letzten 20 Minuten begannen dann weit weniger stürmisch als die voran gegangenen aufgehört hatten. Leider blieb auch das erste deutsche Powerplay in der 46. Minute ungenutzt. Wieder erarbeitete sich Deutschland nun ein Chancenplus, nur sprang dabei nicht der ersehnte Führungstreffer heraus. Kurz vor Schluss dann Hektik: Leonhardt musste nach einem Foul an der Bande eine Minute vor Ende auf die Strafbank. Zweimal geriet Zell im deutschen Gehäuse anschließend in Bedrängnis, dann kam die Sirene. Wie schon bei der gestrigen Pleite gegen Russland ging es also in die Verlängerung.

Hier überstand Deutschland zunächst die verbleibenden 57 Sekunden Unterzahl, die Slowakinnen erarbeiteten sich in der Folge weitere Chancen. Mitten hinein in diese Drangphase folgte dann aber der spielentscheidende Angriff: Voigt spielte Liebing im Slot frei, die ließ sich die Chance nicht nehmen und schoss Deutschland in der 65. Minute zum Sieg. Mit diesem Erfolgserlebnis endete die Damen WM für Deutschland nach der gestrigen Enttäuschung doch noch versöhnlich – mit Rang elf.

Deutschland – Slowakei 4:3 s.D.
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Kommentare

  1. Gratulation! Vielfach!

    Ihr seid bei der WM (höchst knappe Niederlagen gegen Lettland und Russland) und in den letzten Monaten (z.B. Siege gegen Norwegen, Polen, Dänemark) eindeutig auf Augenhöhe gewesen mit den Nationen, welche vor zwei Jahren die Ränge 5-9 an der A-WM belegt hatten. Ihr habt unglaublich viel aufgeholt und dies in einer Phase, da auch die anderen Nationen weiter stärker geworden sind.

    Ihr habt euch in allen (!) Bereichen sehr leicht sichtbar entwickelt: athletisch, technisch, einzel- und teamtaktisch und nicht zu vergessen, auch als Team. Dies war das erste Mal, dass ich eine deutsches Frauen-Nationalteam wirklich als Team wahrgenommen habe, sowohl nach innen, als auch nach aussen. Es gibt darin zwei völlig neue Qualitäten zu erkennen: Offenheit und Ehrlichkeit. Auch wenn es offenbar vorgestern mal Knatsch gab: dies gab es auch früher immer, nur wurde dann vor allem hinten rum gelästert und gezickt. Emotionen gehören dazu, das (u.a.) macht euch so interessant und liebenswert!

    Ihr habt Rang 11 belegt, höchst unglücklich, aber dies ist die beste Klassierung seit dem letzten Rang (8. = Abstieg aus A-Gruppe) an der WM 2003 (auch in der Schweiz).

    Es ist fantastisch, was hier in den letzten 2 Jahren entstanden und zusammengewachsen ist. Ich freue mich auf den WFC 2013 in Tschechien!

  2. ach ja, die Teams die an dieser WM auf den Rängen 5, 6 und 7 abschliessen, habt ihr dieses Jahr allesamt schon besiegt. Zwar ein kleiner Trost, aber die Souveränität (und auch das Quäntchen Glück), um solche Leistungen auch an einer WM komplett abzurufen, braucht halt etwas Zeit.

    Weitere Lobhudeleien kommen bestimmt :-)