Lauras Tagebuch: Kapitel neun

Liebe Heidi,

ausschlafen nenne ich zwar noch immer etwas anderes, aber ein Stündchen mehr Schönheitschlaf gönnten uns die werten Trainer heute. Nachdem wir am gestrigen Abend unserer Feierlaune gerecht wurden, war das, um Faltenbildung entgegenzuwirken, auch bitter nötig.

Schlaftrunken, und nur von jenem, bewegten wir das müde Knochengerüst zum Frühstücksplatz und, enttäuscht von der Abwesenheit des Nutella-Glases, verschlangen wir, was Mic uns bot. Gestärkt hieß es dann: Putztag. Also schnappten wir Mopp, Kehrblech und Staubsauger und rückten den Mutsen und Krümeln an den gräulichen Leib. Eine Putzfrisur gehörte natürlich auch dazu, ich nannte die Kreation schlicht Putzpalme. Selbstverständlich ließen wir auch den
Kalkflecken keine Chance und hinderten Keime an ihrer Paarung. Der Kraftakt fand sein Ende in der Mittagspause.

Ein Festschmaus erwartete uns und der leere Magen konnte gefüllt werden. Es wurde dann allmählich Zeit das Styling zu überdenken, denn den restlichen Teil des Tages würden wir in der Turnhalle verbringen. Sehen und gesehen werden, da muss man durchaus mal die Puderquaste bedienen und den Lidstrich ziehen. Zum erstem Mal in dieser WM-Woche führte ich meine Zivilkleidung aus und war nur im Herzen eine offizielle Vertretung des deutschen Vaterlandes. Ich verspürte Menschlichkeit und die Zivilisation war zum greifen nah.

Das erste Halbfinalspiel zwischen der Schweiz und Schweden gestaltete sich als ausichslose Partie für das Heimteam. Der blondierte Schopf der Skandinavierinnen berührte den Lochball stets früher, als der der Eidgenössinnen. Nichtsdestotrotz tobte das Athletik Zentrum und den kuhglockenschwingenden Fans der Rot-Weißen gingen ihre “Hopp Schwiiz” Rufe nie aus. Das zweite Halbfinalspiel zwischen Finnland und Tschechien ließ etwas mehr Spannung zu, jedoch blieben auch hier die Schweißperlen auf meiner Stirn aus.

Der Hunger nach Würstchen grummelte in meinen Magen. Ab in die Pizzaria. Sicher, das Verlangen nach Fettschläuchen wurde nicht gestillt, doch eine Pizza fand den Weg in meinen Verdauungstrakt und eine Grundlage für folgende Spirituosen war geschaffen.

Heidi jetzt geht es schnurstracks zur ersehnten Playersparty. Ein Frauenüberschuss wird sich dort nicht verhindern lassen, mindert aber meine Feierlaune und Tanzeslust gewiss nicht. Ein graues Stück Stoff, Kleid genannt, glitzert heute mein Antlitz. Das deutsche Nationalteam hat sich wunderbar in Schale geworfen. Wunderbar und voller einmaliger WM-Eindrücke gestaltete sich auch der Tag bisher. Die knackig gefüllte Turnhalle, die jubelnden Anhänger, die hochwertigen Floorball-Spiele. Das war sie also meine erste Damen-WM.

Morgen früh werde ich aufbrechen, gen Heimat mitsamt meiner Hämatome und etwas lädiert, aber glücklich ohne Ende. Dir werde ich dann auch ein allerletztes Mal meine Sorgen aufschwatzen. Freu dich drauf, Heidi. Ich lasse jetzt die Hüften kreisen und sauge alle Erlebnisse, gleich einer lästigen Mücke, in mich auf und gebe sie niemehr her!

Bis Morgen!

Deine Laura.

flattr this!

Was denkst du?

Du musst eingeloggt sein, um kommentieren zu können.

Floorballmagazin © 2012 All Rights Reserved

Designed by WPSHOWER

Powered by WordPress