Lauras Tagebuch: Letztes Kapitel

Werte Heidi,

zum allerletzten Male greifen meine Hände die Feder und das Papyrus, in meinem Falle in einer Tastatur zusammengefasst.

Angekommen im heimischen Gefilde bin ich bereits am Nachmittag, sodass ich direkt das Kaffeekränzchen aufmischte und mich mit meinen Erlebnissen brüstete. Mitbringsel wurden verteilt und die Plätzchen in Milch eingetunkt. Heimat, endlich.

Die Fahrt, welche ich mit Mitspielerin Nancy Gatzsch und El Presidente Oliver Stoll, in rasender Geschwindigkeit hinter mich brachte, erlebte ich als Entspannung und wurde meiner Rolle als Alleinunterhalter gerecht. Da Nancy die Rückbank zu ihrem Schlafdomizil erklärte, wurde mir die Aufgabe der Beschäftigung des Fahrers zuteil. Einen Job, den ich mit Links erledigte, denn mein Mitteilungsdrang war enorm. Spiele wurden analysiert, Zukunftspläne erörtert und Erlebnisse ausgetauscht. Sechs Stunden vergingen im Flug.

Nachdem ich mich der Begrüßung der Liebsten zu späterer Stunde abwandte, blieben Unimaterialien und ein Kopf voller Gedanken übrig. Die Reflektion der gesamten letzen Woche begann und beschäftigte mich einige Zeit.

Heidi, ich blätterte die vorigen Seiten durch, von der Ankunft bist zum gestrigen WM-Abschluss, der Players’ party. Oft musste ich schmunzeln und in mir machte sich eine wohlige Wärme breit. Ich habe es geschafft, meine erste Damen-WM. Sie war gut. Meine Leistung konstant und solide. Stolz kam auf und das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Während der Floorball-WM hörte ich oft positives Feedback und konstruktive Kritik, die in mir den Willen zur Verbesserung fruchten ließ.

Manchmal denke ich an die Momente zurück, in denen meine Teilnahme an der Weltmeisterschaft ins Wanken geriet und ich meine Erwartungen an mich selbst überdenken musste. Es war ein harter Kampf, der mich schwitzen ließ, mich Kraft und viel Zeit kostete. Doch ich habe es geschafft. Ein einmaliges Erlebnis und das überaus gute Gefühl in einer Mannschaft angekommen zu sein. Der Wohlfühlfaktor strebte gegen ganz oben, denn der liebenswerte Hühnerhaufen nahm im Laufe der Woche einen großen Platz in meinem Herzen ein. Ich bereue keine Schweißperle und keine investierte Sekunde.

Meine wunderbare Heidi, ich beginne sentimental zu werden und spüre einen Kloß im Hals. Der dicke Kloß des Abschieds. Mir fehlen die Worte, und das hat etwas zu bedeuten. Dringlichst verspüre ich das Verlangen mich zu bedanken, für einzigartige Erfahrungen und ein Höchstmaß an Spielspaß. Doch wem danken? Den Organisatoren, für die Verwirklichung des Konzepts WM? Dem Trainerstab? Den Fans? Der Mannschaft? St. Gallen? Mir, oder dir Heidi?

Es gibt eine Masse an Personen, die ein Dankeschön verdient haben und ich will diesen Weg nutzen, ein allumfassendes „DANKE“ schriftlich auszusprechen.

Noch bebt das Feeling der Weltmeisterschaft nach und ich lasse meinen Erinnerungen freien Lauf, doch sobald die Euphorie abebbt, werde ich eine Sehnsucht spüren. Eine Sehnsucht nach dem Plastikball, dem heiligen Gerflor und dem internationalen Vergleich. Ich werde die Mädels vermissen und die Tage bis zur nächsten WM zählen.

Dich Heidi, klappe ich nun zu und werde es sicher auch vermissen, mich dir ohne Rücksicht auf dein Interesse mitzuteilen. Dennoch verspreche ich dir, dass der Tag kommen wird, an dem ich deine verstaubten Seiten aufschlagen werde und die Geschichte ihre Fortsetzung findet. Dafür kämpfe ich, trainiere ich und setze es mir zum Ziel, Deutschland zu vertreten.

Deine Laura

Highlights vom Finaltag der Damen-WM 2011 in St. Gallen

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4 Kommentare vorhandenKommentieren
  1. Vielen Dank auch an dich Laura (und Heidi) für die amüsanten (und textlich stilsicheren :) ) persönlichen Schilderungern. Das nächste Mal bitte wieder!

  2. Wirklich großartige Aktion! so gewitzt, korrekt und unterhalten, wie du schreibst solltest du beim Portal mal liveticker schreiben. So viel klatsch und tratsch ist da nämlich gar nicht ;)

  3. Ganz großes KIno Laiura. Dein Tagebuch zu lesen war ein echter Genuß

  4. Begeistert verneige ich mich vor deiner Schreibe Laura. Vielen Dank – auch an alle (und Heidi), welche die WM-Woche aktiv prägten und nach Deutschland übertragen haben.

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