Mann für alle Fälle

Schläger vom Nagel zurück genommen - Moilanen im GC-Trikot. /Foto: Floorballmagazin/TN

Spieler, Spielertrainer, Trainer. Stationen bei sieben verschiedenen Vereinen in drei Ländern. Das sind die Eckdaten der außergewöhnlichen Karriere von Otto Moilanen. Nach einem Jahr Trainer-Intermezzo kehrte der Finne diese Saison aufs Feld zurück. Obwohl er versprochen hatte, es nicht zu tun.

Otto Moilanen ist ein alter Hase im Floorball-Geschäft. Seit 1991 ist der Finne aktiv, spielte bei Lapeenranta, HIFK Helsinki, Josba und Tapanilan Erä in der finnischen Salibandyliiga, bei Storvreta IBK in der schwedischen Superligan sowie als Spielertrainer in der zweiten Schweizer Liga beim UHC Thun. Allein mit Josba holte Moilanen drei Vizemeisterschaften, mit dem finnischen Nationalteam wurde er bei der WM 2004 Dritter.

Letzten Sommer sollte dann eigentlich Schluss sein mit dieser langen Karriere. Mittlerweile 31 Jahre alt entschloss sich Moilanen, der studierter Lehrer ist, den Schläger an den Nagel zu hängen. Stattdessen heuerte der Flügel als Trainer beim Schweizer Erstligisten Lok Reinach an. Doch allein beim Zuschauen kribbelte es Moilanen schnell wieder in den Fingern. Er fing an, gelegentlich beim zweiten Team mitzutrainieren. „Zum Ende hin wurde das immer mehr“, erzählt Philipp Hühler, der letzte Saison bei Reinach spielte, schmunzelnd. Wenig überraschend blieb der Trainerjob folglich nur ein Intermezzo: Nach einer durchwachsenden Saison, die mit Reinachs Abstieg endete, klopfte GC Zürich an und Moilanen wurde wieder Spieler – mit Erfolg. Zwar verpasste er durch eine Verletzung, zugezogen beim Berlin Floorball Open, die ersten Saisonspiele, hat sich mittlerweile jedoch im Team etabliert und bereits 19 Scorerpunkte (10+9) gebucht.

Floorballmagazin: Hallo Otto, September 2010 sagtest Du in einem Interview mit unihockey.ch: „Als Spieler werde ich nur noch irgendwann im Senioren-Team von Josba aktiv sein, das verspreche ich.“ Damals wurdest Du gerade Trainer bei Lok Reinach. Das Versprechen hielt nicht allzu lange.

Otto Moilanen: Das stimmt. (lacht) So war mein Gefühl während des damaligen Interviews. Aber wenn du nicht spielst und den anderen dabei zusiehst, realisierst du, wie cool es eigentlich ist, zu zocken. Vor allem auf dem Top-Level des Floorball, wenn du vor Publikum spielst und unter Druck stehst.

Vor dem Trainerjob - Moilanen im Trikot von Tapanilan Erä, hier gegen Nokia. /Foto: Mikko Hyvärinen

Bevor Du Deinen Trainerjob in Reinach angenommen hast, warst Du als Spieler sehr erfolgreich, zuletzt beim finnischen Spitzenclub Tapanilan Erä. Dort wurdest Du in Deinem letzten Jahr Vizemeister. War es nicht hart, danach ein Team zu trainieren, was gegen den Abstieg spielt und nicht um die Meisterschaft?

Es war schwieriger als erwartet. Ich habe die meiste Zeit meiner Floorball-Karriere in Teams gespielt, die in der Spitzengruppe ihrer Liga standen und wo die Qualität der einzelnen Spieler hoch war. Ein Team zu trainieren, dass eigentlich in der falschen Liga spielt, wäre aber für jeden ein tougher Job. Ich bin stolz, wie wir unser Spiel während der letzten Saison entwickelt haben. Leider hat es nicht gereicht.

Nach 22 Spielen, in denen gerade einmal zwei Siege gelangen, landete Lok Reinach abgeschlagen am Tabellenende der Swiss Mobiliar League. In den Playouts konnte man Waldkirch St. Gallen mit zwei Erfolgen am Stück zwar kurz schocken, verlor die best-of-seven Serie dennoch 2:4. Gegen NLB-Krösus Zug United blieb man in der folgenden Relegation sogar gänzlich chancenlos, ging in der best-of-five Serie 0:3 unter und stieg ab. Auch wenn das Team von einem „Traineranfänger“ gecoacht wurde: Die Ursachen für den Abstieg waren andere. „Der Hauptgrund war das nicht SML-taugliche Spielermaterial“, sagt Nationalverteidiger Philipp Hühler, der die Seuchensaison in Reinach miterlebte. Hühler ist wie Moilanen in der SML geblieben – er wechselte zu Waldkirch St. Gallen.

Jetzt, wo Du wieder „nur“ noch Spieler bist, da GC Zürich von Magnus Svensson trainiert wird – wie fühlst sich das nach einem Jahr Trainerjob an? Versuchst Du, Deinem jetzigen Coach oft Input zu geben?

Mit Svensson diskutieren wir viel über Floorball und die Art und Weise, wie GC spielt. Wir kommen aus verschiedenen Kulturen und es ist faszinierend wie unterschiedlich Finnen und Schweden über Floorball denken. Ich glaube, dass ich eine Menge von ihm lernen kann und hoffe, dass er auch von mir manches lernt.

Du warst bereits Trainer, Spielertrainer und Spieler, hast damit drei sehr unterschiedliche Rollen ausgefüllt. Welche ist die beste?

Das ist eine schwierige Frage. Spielertrainer zu sein, ist nicht optimal. Andere zu trainieren ist schwieriger, als nur Spieler zu sein. Als Spieler wiederum muss du jeden Tag an deiner Physis und deiner Technik arbeiten – physisch gesehen natürlich die härteste Rolle. Ein Team zu trainieren ist ein langer, langer Weg und extrem interessant.

Hast Du Dir nach Deinem Comeback eigentlich ein Limit gesetzt, wie lange Du noch spielen willst und wirst Du danach wieder als Trainer aktiv sein?

Ich hoffe, dass ich in der Zukunft Trainer sein werde, will aber erstmal noch ein paar Jahre spielen. Denn das ist etwas, dass du nicht mehr machen kannst, wenn du älter bist.

Zurück in einem Spitzenteam – wie sehen die Ziele mit GC Zürich in dieser Saison aus?

Den Pokal verteidigen und die Meisterschaft nach Zürich holen.

Im Moment sieht es gut aus: Im Cup steht Titelverteidiger GC nach einem 9:3 über Chur im Halbfinale, trifft dort auf Topfavorit Wiler-Ersigen. Die Berner sind auch das Team, welches es in der Swiss Mobiliar League für die Zürcher zu schlagen gelten wird. Dort ist Moilanens Team aktuell Zweiter, mit zwölf Punkten Rückstand auf den unangefochtenen Spitzenreiter Wiler-Ersigen.

(tn)