Der Weg zurück

Kasche

Trägt eine Saison lang das Alter auf der Brust - Andreas Kasche. / Foto: Florian Büchting

Es wirkt wie ein Abschied auf Raten. Sich selber gönnt Andreas Kasche als Spielertrainer immer weniger Spielzeit, davon soll seine Mannschaft profitieren. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Bremens Urgestein über Eiches langen Weg zurück, die Chancen und Tücken der Ligaerweiterung und die taktische Disziplin junger Floorballer.

Floorballmagazin: Du hast dich mittlerweile beinahe komplett vom Spielfeld zurückgezogen. Bist du dir sicher, dass du der Mannschaft so besser helfen kannst als wenn du auf dem Platz direkt ins Spiel eingreifen kannst?

Andreas Kasche: Komplett zurückgezogen vom Spielfeld habe ich mich nicht wirklich. Offiziell bin ich Spielertrainer, wobei ich mich definitiv auf den Job an der Bande konzentriere. Und das scheint für unser Ergebnis bisher besser zu sein, auch wenn ich gerne als Spieler noch was zum Erfolg beitragen würde. Meine zwei Einsätze diese Saison sind dann auch nur spontan auf Grund von Verletzungen Anderer zustande gekommen. Ob ich nun noch eine weitere Saison spiele, macht für mein Spielen wenig Unterschied, aber für unsere Nachwuchsspieler wie die beiden Ehrenfrieds, Pelke, Hiort, etc. ist es enorm wichtig Spielpraxis zu sammeln. Da bleibe ich dann auch gerne neben der Bande.

Bremen absolviert dieses Jahr seine zweite Saison in der 2. Bundesliga. Wird dem auch nächstes Jahr so sein oder ist man diesmal bestrebt tatsächlich in die Königsklasse zurückzukehren?

Ziel ist der verdiente Aufstieg.

Die 1. Bundesliga wird dann 2012/2013 zehn Mannschaften zählen. Ist das insbesondere mit Hinblick auf den Unterbau der 2. Bundesligen ein Modell mit auch mittelfristigem Erfolgspotenzial?

Ich denke, dass wir langfristig besser fahren richtige Regionalligen zu etablieren, die um den Aufstieg in die 2. Liga kämpfen. Ob wir das auch hinbekommen, wenn wir die 1. Liga erweitern, kann ich nicht abschätzen. Auf der anderen Seite verstehe ich es aber auch, dass die „großen“ Teams in der 1. Liga gerne mehr Gegner in ihrer Liga haben, aber ob uns das mittelfristig hilft, wage ich zu bezweifeln.

Die kleineren Teams werden große Probleme bekommen die finanziellen Mittel aufzubringen, die benötigt werden um den Mehraufwand an Fahrtkosten, Hallenmieten, etc. zu stemmen. Nicht jeder Verein hat eine Brauerei oder eine Bank als Sponsor in der Hinterhand. Nach meinem Gefühl fahren wir vermutlich besser, wenn wir unseren Spielbetrieb mehr regionalisieren. Den Fehler zu sehr auf die 1. Liga zu schauen und weniger auf die Breite zu achten, spüren wir ja gerade bei den Damen. Wir sollten aus unseren Fehlern lernen.

Bislang besetzt Bremen den ersten Platz der Nordwest-Staffel. Ist man somit auf dem guten Weg oder gibt es noch Schwächen, die vor möglichen Relegationsspielen auszumerzen wären?

Wir sind noch lange nicht an unserem Ziel angekommen. Ich persönlich lege eigentlich großen Wert auf die Defensive, aber aus einem Bauchgefühl heraus habe ich mich bei unseren Herren bisher auf die Offensive konzentriert. Der Erfolg scheint uns da momentan noch recht zu geben. Großes Problem wird es jetzt sein, nicht in Faulheit zu verfallen und zu denken, dass wir die Liga einfach gewinnen werden. Da sehe ich auch den größten Arbeitsbedarf, den Jungs klar zu machen, dass Leistungen nur etwas zählen, wenn man auch dafür hart gearbeitet hat. Letztes Jahr haben wir die 2. Liga Nord/West ja auch recht komfortabel gewinnen können, aber unser Aufwand hat dem Ergebnis bei weitem nicht genügt, um dann auch wirklich in Liga eins mitspielen zu können. Wir hatten es uns nicht verdient. Jetzt wollen wir uns etwas erarbeiten und nichts geschenkt bekommen, sich den Arsch aufreißen, hart arbeiten, viel investieren, alles versuchen und dann in den Playoffs den Aufstieg erkämpfen – er muss sich verdient werden. Was das angeht, sind wir auf einem guten Weg, aber angekommen bei Weitem nicht.

Andreas Kasche hält in Bremen die Feder in der Hand. / Foto: TV Eiche Horn Bremen

Andreas Kasche hält in Bremen die Feder in der Hand. / Foto: TV Eiche Horn Bremen

Im Pokal habt ihr den Erstligisten aus Berlin ein Bein stellen können. Im Achtelfinale nächste Woche wartet Neuwittenbek, Tabellenzweiter eurer Staffel. Eine lösbare Aufgabe, oder?

Wäre die Aufgabe nicht lösbar bräuchte man ja gar nicht antreten. Ich freue mich auf Neuwittenbek. Die Jungs haben einen großen Schritt gemacht, spielen wesentlich taktischer als in der Vergangenheit, dass hat mir schon beim Kölner Turnier gefallen. Ein wichtiges Spiel für uns, zu zeigen, dass uns die Pause nicht aus dem Tritt gebracht hat.

Philippe Soutter hat letzte Woche seinen Kader für die WM-Quali in Münster nominiert und setzt dabei auf zahlreiche “Floorball-Inländer” aus den deutschen Bundesligen. Du warst unter Micael Svensson Assistenztrainer in der Herren-Nationalmannschaft. Gibt es eine Eintwicklungstendenz, die du in der Nationalmannschaft über die letzten Jahre wahrnimmst?

Ich muss gestehen, dass ich seit dem der Vertrag mit Micael ausgelaufen ist wenige Bundesligaspiele, geschweige denn Spiele der Nationalmannschaft, gesehen habe. In den zwei Jahren als Assistent sind mir weniger technische oder taktische Dinge besonders aufgefallen. Es hat mich immer wieder verwundert, dass viele etablierte Spieler einfach keine Lust hatten zu den Trainingslagern zu erscheinen und dies oft erst wenige Tage vor den Zusammenzügen kund getan haben, wenn sie es überhaupt getan haben, so dass es oft schwer war 25 Spieler für ein Wochenende zusammenzubekommen. Es wirkte bei einigen eher als Last denn als Lust für die Nationalmannschaft nominiert worden zu sein.

Eine besondere Entwicklung sehe ich in den technischen Fertigkeiten der jungen Spieler. Sie haben wesentlich mehr auf dem Kasten, als dies noch vor einigen Jahren der Fall gewesen ist. Es gibt halt nichts besseres als in die Jugendarbeit zu investieren. Ich glaube aber auch, dass viele die Wichtigkeit des taktisch disziplinierten Spielens mehr und mehr verstehen, was einigen „älteren“ Instinktspielern besonders schwer fällt. Wenn wir uns aber weiterentwickeln wollen führt kein Weg daran vorbei. Ich werde mir die Qualispiele in Münster anschauen, ich bin gespannt auf die junge Truppe. (jk)

Kommentare

  1. Tolles Interview mit einem tollen Menschen, dankeschön.

    Den Kasche bitte klonen! Typen, welche so ausdauernd und vor allem nachhaltig arbeiten wie er, bräuchten wir noch ein paar Dutzend Mal! Ein wahrer Held.