Die beste Alternative

Meister im Lösen schwieriger Spielsituationen - Storvretas Spielmacher Mika Kohonen trifft schnell richtige Entscheidungen. /Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Der Trainingsblogger. In seinem neuem Beitrag erklärt Marco Galle die Entwicklung einer alternativen Übung. Sie fordert von den Spielern ein hohes Maß an Konzentration, bietet dafür aber Abwechslung und Spass. Zudem fördert sie Entscheidungsschnelligkeit und Spielintelligenz.

Im letzten Blog-Eintrag beschrieb ich die zentrale Rolle eines abwechslungsreichen Trainings. Es kann den Spaß, die Motivation und auch die Resultate der Einheiten erheblich steigern. Dabei führte ich auch den Begriff der alternativen Übung ein. Das ist eine Trainingsform, in welcher der ballführende Spieler mehrere Möglichkeiten besitzt, die Übung in eine bestimmte Richtung zu lenken bzw. das Spiel zu gestalten. Die anderen Spieler müssen den ballführenden Spieler beobachten und entsprechend auf sein Verhalten reagieren.

Eine alternative Übung erfordert viel Konzentration und fördert nicht nur die Entscheidungs- und Reaktionsschnelligkeit, sondern auch die Spielintelligenz. Einfacher formuliert: Die Spieler lernen, in bestimmten Situation „richtig“ und schnell zu reagieren und sich somit innerhalb von Sekunden auf neue Situationen einzustellen. Diese Lerneffekte sind ein Muss für jedes Floorballteam, welches sich entwickeln möchte und erfolgreich sein will.

Bei der Kreation einer alternativen Übung können folgende sieben Prinzipien als Grundlage genutzt werden, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen

1. Als Trainer kreativ sein

Der Trainer sollte seine Kreativität auf „on“ stellen, jegliche Rationalität dagegen auf „off“. Zunächst also alle Ideen eines möglichen Übungsablaufes aufzeichnen, die einem in den Sinn kommen. Wenn ein paar Übungen (ca. zwei bis fünf) aufgeschrieben sind, können sie miteinander verbunden werden. Anschließend muss festgelegt werden, unter welchen Umständen eine Alternative gewählt werden soll.

2. Entscheidungsmöglichkeiten festlegen

Für die Spieler sollten auf jeder Spielposition zwei oder mehr Spielmöglichkeiten folgen (Pass, Dribbeln, Schuss, etc.). Je mehr Entscheidungsmöglichkeiten der Spieler bekommt, desto schwieriger und spielgetreuer wird es. Der Trainer setzt den Rahmen, inwieweit die Spieler ihre eigene Spielintelligenz in die Übung einbauen können.

3. Zentrale Punkte beachten

In der folgenden Abbildung habe ich zentrale Punkte eingezeichnet, an denen die Spieler bei einer alternativen Übung beginnen können.

4. Jeder Spieler kann aktiv entscheiden

Jeder an der Übung beteiligte Spieler kann während des Durchlaufs spielgetreue Entscheidungen treffen, die wiederum den Ablauf und die Laufwege seiner Mitspieler beeinflussen.

5. Kooperation fördern

Die Spieler müssen vor, während und nach der Übung einanderbeobachten und miteinander kommunizieren, damit die Übung gelingt. Der Trainer sollte dies während der Trainingsform von den Spielern immer wieder fordern und fördern.

Die Website zum Blog.

6. Problemorientiertes Arbeiten

Spielsituationen, mit denen die Spieler Probleme haben, werden durch die Übung wieder hervorgerufen und können dadurch aufgearbeitet werden. Wiederholen sich Fehlermuster oder wird in bestimmenden Situationen nicht die ideale Lösung gewählt, kann der Trainer aktiv in die Übung eingreifen, sie unterbrechen und die Probleme analysieren und lösen.

7. Reflexives Arbeiten

Mögliche Spielzüge müssen von dem Spieler zwischen den Durchgängen der Übung reflektiert werden, also vor dem inneren Auge visuell ablaufen, um beim nächsten Einsatz einen anderen, besseren Übungsablauf zu finden und umzusetzen.

 

Beispiel I


In dieser Übung kann sich der blaue Spieler für den grünen oder roten Weg entscheiden.

Alternative I: Grüner Weg
Hier zieht der blaue Spieler in die Mitte und spielt dem entgegen kommenden roten Spieler den Ball zu. Dieser wiederum passt den Ball zum grünen Spieler, der daraufhin zum schwarzen Spieler. Jetzt spielen der schwarze und grüne Spieler gegen den roten Spieler ein 2:1.

Alternative II: Roter Weg
Der blaue Spieler spielt einen langen Pass auf den roten Spieler. Danach kommt der Ball zum schwarzen Spieler. Dieser rennt hinter das Tor und passt entweder vor oder nach dem Tor zum roten Spieler. Der grüne Spieler wird zum verteidigenden Spieler und muss versuchen, dies zu unterbinden.

Anmerkung

Damit der blaue Spieler nach dem Pass auch etwas zu tun hat, kann er eine Fitnessübung absolvieren, solange die Spielsituation läuft.

Beispiel II

 


In dieser Übung entscheidet sich der grüne Spieler sich für den grünen oder blauen Weg.

Alternative I: Blauer Weg
Der grüne Spieler passt zum roten Spieler. Dieser spielt den Ball weiter zum blauen Spieler. Der blaue Spieler zieht in die Mitte und schliesst ab. Der rote Spieler geht auf den Abpraller. Der grüne Spieler hingegen versucht, den Ball vom blauen Spieler zu blocken.

Alternative II: Grüner Weg
Der grüne Spieler spielt zum blauen Spieler. Der zieht in die Mitte und passt weiter zum roten Spieler. Der rote Spieler läuft in den Slot und schiesst. Jetzt nimmt der grüne Spieler den Abpraller
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Unter http://unihockeyuebung.blogsport.de/uebersicht-uebungen/ sind eine Reihe alternativer Übungen aufgelistet.

Marco Galle ist als Floorball-Spieler und -Trainer in der Schweiz aktiv, spielte dort u.a. bei GC Zürich. Der gebürtige Sachse (stammt aus Hoyerswerda) studiert in Zürich Erziehungswissenschaften und Psychologie. Weil ihm der trainingswissenschaftliche Aspekt im Floorball nicht ausreichend abgedeckt schien, startete er im Mai 2011 das Projekt Unihockeyuebung.blogsport.de. Auf dieses Blog stellt er Übungen und Berichte rund um das Floorballtraining. Als „Trainingsblogger“ veröffentlicht Galle regelmäßig Beiträge im Floorballmagazin.