Im Aufschwung

Spielertrainer Christoph Huber im Gespräch mit seinen Schützlingen. / Foto: RedHocks

Spielertrainer Christoph Huber im Gespräch mit seinen Schützlingen. / Foto: RedHocks

Das Floorballmagazin blickt in die Regionen. Die RedHocks aus dem oberbayrischen Kaufering stehen nicht nur für den leisen Aufschwung des Freistaates, sondern auch für einen neuen Anspruch in Deutschlands Floorball-Breite. Ein Interview mit Goalie und Spartenleiter Tobias Dahme über einen beeindruckenden Verein mit Potenzial und intelligenter Leidenschaft.

Dass die engste Konkurrenz mit den Footballern des Landsberg X-Press oder mit dem Rock’n’Roll-Duo Neuner/Gunesch im Rennen um die „Mannschaft des Jahres“ im Landkreis Landsberg am Lech vielleicht nicht allzu hochkarätig besetzt war, darf nicht über den Umstand hinwegtäuschen, dass die RedHocks Kaufering als Sieger dieses Wettbewerbs in ihrer noch jungen Geschichte bereits Großes leisten konnten. Obwohl sich Floorball in Bayern vielerorts noch sehr schwer tut, zählen die RedHocks als Floorballsparte des VfL Kaufering mittlerweile über 100 Mitglieder in diversen Alterskategorien.

2010/2011 feierten die RedHocks noch den süddeutschen Kleinfeld-Titel, ab der Saison 2011/2012 spielt aber auch das Großfeld eine wichtigere Rolle. In der Regionalliga ist Kaufering ungeschlagen Tabellenerster, 2012/2013 möchte man endlich auch im Pokal starten und sogar die 2. Bundesliga wird anvisiert. Die hervorragende Nachwuchsarbeit verspricht darüberhinaus mehr als genug Talente für die Zukunft und eine wachsende Rolle in der Region.

Floorballmagazin: In der bayerischen Regionalliga sind eure Herren im Augenblick das Maß der Dinge – vier Spiele, vier Siege. Damit kann man zufrieden sein, oder?

Tobias Dahme: Ja, natürlich. Wir sind mit den gezeigten Leistungen in der Regionalliga sehr zufrieden und freuen uns über die bisherigen Ergebnisse, vor allem da die Regionalliga Bayern trotz ihrer geringen Anzahl an Mannschaften eine sehr gute Liga ist. Mit den Wikingern München und dem Nürnberger Unihockeyteam befinden sich zwei Vereine mit uns im Wettbewerb, die über viele erfahrene Kräfte – darunter sowohl aktive als auch ehemalige Nationalspieler – verfügen. Rohrdorf hat einen Umbruch innerhalb des Teams durchlebt und den Kader deutlich verjüngt. Die Lumberjacks sind aber weiterhin eine feste Größe in Bayern und werden meines Erachtens bald an alte Erfolge anknüpfen können. Wir müssen allerdings jetzt zu Beginn der zweiten Saisonhälfte weiter hart an uns arbeiten. Die letzten Begegnungen gegen Nürnberg und München haben uns gezeigt, dass wir uns immer noch in einem Lernprozess befinden und Unaufmerksamkeiten sofort bestraft werden.

Solche Ergebnisse machen doch eigentlich Mut, warum waren die RedHocks nicht im Pokal dabei?

In der Regionalliga Bayern wurde erst zu dieser Saison der Modus mit 3×20-Minuten effektiver Zeitmessung eingeführt. Wir wollten zum ersten testen, wie wir damit zurecht kommen und zweitens war uns das finanzielle Risiko zu groß. Das rührte daher, dass wir im Süden kaum über Schiedsrichter mit geeigneten Lizenzen verfügten und die Fahrtkosten für ein Pokalheimspiel in die Höhe schnellen konnten, wenn beispielsweise ein Gespann Unparteiischer aus Baden-Württemberg anreisen hätte müssen. Wir konnten uns aber sowohl auf dem finanziellen Sektor breiter aufstellen als auch die Schiedsrichteranzahl innerhalb des Verbandes erhöhen, so dass der Teilnahme nächstes Jahr im Pokal mittlerweile nichts mehr im Wege stehen dürfte.

Seit dieser Saison läuft auch der ehemalige Nationalspieler Tim Hoidis im roten Trikot auf. Ist das ein Spieler, der das Kauferinger Spiel ausschlaggebend voranbringen kann?

Mit Sicherheit. Tim ist trotz seines Alters bereits ein „alter Hase“ und sehr erfahren. Zudem ist er menschlich und charakterlich ein super Teamplayer, der sich ohne jegliche Starallüren bei uns integriert hat. Ich sehe seine großen Stärken im Aufbauspiel und der starken Stocktechnik. Er kann tödliche Pässe spielen und ist sehr versiert darin, seine Mitspieler gekonnt in Szene zu setzen. Außerdem ist er ein echter Motivator in der Kabine und auf dem Feld.

Die U13 der RedHocks beim Saisonauftakt in Haunwöhr. / Foto: RedHocks

Die U13 der RedHocks beim Saisonauftakt in Haunwöhr. / Foto: RedHocks

Welche Rolle spielt im Verhältnis zum Großfeld das Kleinfeld in eurem Verein?

Tendenziell überwiegt in Bayern noch der Kleinfeldspielbetrieb. Sowohl die Verbandsliga der Herren, als auch die Jugendligen werden in diesem Format ausgetragen. Unser Fokus ist allerdings ausnahmslos der Großfeldspielbetrieb. Unser Nachwuchs wird gezielt und langsam auf das 5-gegen-5 vorbereitet und soll auch in Zukunft hier erfolgreich sein. Für die ersten Schritte im Floorball ist das Kleinfeld aber mit Sicherheit eine gute Alternative, da man hier schnell Ballkontrolle und Übersicht erlernen kann. Ich denke, dass dies daran liegt, dass sich die Situationen noch schneller ändern, wie dies bereits im Großfeld der Fall ist. Ein großes Ziel ist die baldige Teilnahme am Wettbewerb der 2. Bundesliga mit unserer Herrenmannschaft, sofern eine Südstaffel eröffnet wird.

Bayern gehört zu den zukünftigen Schlüssel-Verbänden in Floorball Deutschland. Lange kam die regionale Entwicklung hier aber nur schwer in Gang, in letzter Zeit hat sich dennoch einiges getan. Gibt es eine bestimmte Eigenart bei der Entwicklungsarbeit auf die im Freistaat besonders zu achten ist?

Wie bereits mit der Schiedsrichterthematik angeklungen sein dürfte, sind wir in Bayern immer noch dabei, Grundlagenarbeit zu betreiben und diese immer mehr zu professionalisieren. Vor allem unsere Präsidenten Sönke Grimpen, Roland Albrecht und Christoph Huber machen sich von Jahr zu Jahr viele Gedanken zur Entwicklungsarbeit. Sportlich liegen die kurzfristigen Ziele mit Sicherheit darin begründet, dem nationalen Niveau immer näher zu kommen und dieses möglichst schnell zu erreichen. Aktuell läuft derzeit die Eingliederung des Verbandes in den BLSV, um dort die Fördermittel des Freistaates für Weiterbildungsmaßnahmen und ähnliche Angebote nutzen zu können. Bemerkenswert ist unter Umständen noch, dass beinahe alle Vereine in Bayern konsequent auf Jugendarbeit setzen. Was zunächst mit dem ESV Ingolstadt, den Lumberjacks Rohrdorf und uns begann, ist inzwischen ein großer Kreis von Kindern und Heranwachsenden geworden. Mit Unsernherrn, Haunwöhr, Stern München, Regensburg, Nürnberg und Nordheim gibt es bereits oder wird es in Zukunft weitere Mannschaften geben.

Eure Kids sind in allen regionalen Jugendligen vertreten, von U9 bis U17. Wie sieht die Entwicklung dort aus? Wie gelingt es euch vor Ort Kinder für die Sportart zu begeistern?

Begonnen hat unsere Nachwuchsarbeit mit einer kombinierten U15/U17-Mannschaft im Jahr 2008. Wir haben uns damals bewusst dafür entschieden, die Jugendabteilung „von oben“ zu gründen, um schnell neue Spieler in die erste Herrenmannschaft integrieren zu können. Dieses Konzept hat sich glücklicherweise bewährt. Schließlich war es diese Mannschaft, die im vergangenen Jahr um ein Haar den TV Lilienthal im Finale der U19-DM besiegt hätte. Die meisten Spieler dieses Jahrgangs sind auch schon feste Größen in der Regionalligamannschaft und Maximilian Falkenberger führt momentan sogar die interne Topscorerwertung an. Vor allem in den Altersklassen U9-U13 haben wir regen Zuwachs. Unsere Nachwuchstrainer müssen derzeit überlegen, in der U9-Mannschaft einen Aufnahmestop zu verhängen, da die Hallenkapazität im Training regelmäßig ausgereizt ist. Unsere Mitgliederzahl hat in diesem Jahr erstmals die Marke von 100 Sportlern überschritten. Insgesamt konnten wir sie dabei nochmals um 18% erhöhen. Wir betreiben in Kaufering viel Eigenwerbung, sei es via Mundpropaganda oder Zeitungsartikeln. Das zeigt Wirkung und auch unser Engagement im Hauptverein und unserem Umfeld wird rundum positiv aufgenommen.

Auch eine Damenmannschaft steckt bei euch in den Kinderschuhen. Wie sehen dort die Ambitionen aus?

Unsere Damen treffen sich inzwischen regelmäßig zu Trainingseinheiten. Meist wird eine Hallenzeit nach Jugendspieltagen verwendet. In Kürze soll aber bei Verein und dem Markt Kaufering ein eigener Hallentermin beantragt werden, so dass die Damen schnellstmöglich einen geregelten Trainingsablauf erhalten. In München und Rohrdorf gibt es ebenfalls einige Damen in den Vereinen. Vielleicht können wir in naher Zukunft die erste Verbandsliga der Damen in Bayern abhalten. Ein Zustandekommen einer solchen Liga dürfte aber frühestens im Sommer abzusehen sein.

Neue Konkurrenz - Ex-Leipziger und Neu-Bayer Tim Hoidis netzt ein gegen Steinbach. / Foto: RedHocks

Neue Konkurrenz - Ex-Leipziger und Neu-Bayer Tim Hoidis netzt ein gegen Steinbach. / Foto: RedHocks

Im November wurdet ihr zur “Mannschaft des Jahres” in eurem Landkreis gewählt. Wie sieht der lokale Zuspruch aus? Wie sehr sind Zuschauer und Sponsoren an Floorball interessiert?

Der lokale Zuspruch ist immens. Seit Gründung unserer Jugendabteilung vor vier Jahren ist der Bekanntheitsgrad in und um Kaufering stets gestiegen. Die örtliche Presse ist bei Heimspielen der Herren in der Halle und berichtet auch in regelmäßigen Abständen vom sportlichen Abschneiden unserer Jugendmannschaften. Unser Stammverein, der VfL Kaufering, sowie unsere Abteilung Turnen-Leichtathletik-Funsport unterstützen uns großartig. Die Abteilung finanziert unsere Hallenbelegungen und unterstützt uns durch einen Vereinsbus, den wir dort leihen können. Im Bereich der Sponsorenakquise konnten wir unsere Basis deutlich vergrößern. Vor allem ortsansässige Unternehmen sind bei der Nachwuchsförderung aktiv und helfen mit Sach- und Geldspenden, die den Kindern dann zugute kommen. Auch einige überörtliche Firmen werben bei uns und unterstützen so allerdings eher den Seniorenbereich. Zu unseren Heimspielen ist der Eintritt generell frei. Sowohl bei Jugendspieltagen, als auch bei Partien der Herren sind die Hallen stets gut gefüllt. Natürlich finden sich bei den Spielen des Nachwuchs vornehmlich Eltern, Verwandte und Freunde ein, aber den Kindern macht es dennoch sichtlich Spaß vor einer gefüllten Tribüne dem Lochball nachzujagen. Die Herrenmannschaft verfügt mittlerweile über eine kleine Fangemeinde und spielt immer vor mindestens 150 Zuschauern. Als wir uns mit den Lumberjacks Rohrdorf am finalen Spieltag der Saison 2009/2010 um den Vizemeistertitel duellierten, waren sogar 350 Zuschauer in der Halle. Hier können wir uns wirklich nicht beklagen. Wir freuen uns über jeden Zuschauer, der den Weg zu uns in das Sportzentrum Kaufering findet. (jk)