Die Konzeption der Zukunft

Nati-Damen, wie Anika Mähler, sollen Kommissionen bei der Grundsatzarbeit helfen./Bild: F. Büchting

Am Wochenende fand ein Trainingslager der U19-Damen in Dresden statt. Erstmals nach der Ablösung von Joel Heine leitete dort Simon Brechbühler die Mannschaft. Seit Jahren soll die Floorball-Entwicklung der Damen in Deutschland an Fahrt aufnehmen. Auch im Leistungssport wird eine breitere Talentdichte angestrebt. Ein Regionalauswahl-System soll bei der Sichtung helfen.

Dass es im deutschen Damen-Floorball nicht immer und überall glatt läuft, ist landläufig bekannt. Viele Probleme säumen den Weg der Damen Bundesliga (FBL) und es gibt Nachwuchssorgen. Um der Lage entgegenzuwirken, bringt sich auch Nationaltrainer Simon Brechbühler ein. 2010 stellte er bereits erste Ansätze vor (Floorballmagazin berichtete). Auch jetzt legte er wieder ein Konzept zur Gesundung der Damen-Szene vor. Unter anderem über dieses Konzept, aber auch die allgemeine Lage wurde im Rahmen des Hasseröder Vier-Nationen-Cups Anfang November in einem Zukunftsmeeting mit Verbandsvertretern und Damen-Club-Repräsentanten diskutiert. Von einer sachlichen und konstruktiven Runde war anschließend die Rede. „Es wurden im Nachgang verschiedene Szenarien durchgearbeitet und im Rahmen der Delegiertenversammlung am 24. November in Leipzig vorgestellt“, spricht Sportchef Stefan Erkelenz den Punkt Zukunft der Damen FBL an. Die Teilnehmer vereinbarten, dass bis Februar 2012 ein fester Fahrplan für die Damen FBL Saison 2012/2013 stehen soll. Man darf also gespannt sein. Nach den mühsamen Diskussionen im Sommer 2011 soll unbedingt an einem Strang gezogen werden, um aus der FBL wieder eine zukunftsträchtige Liga zu machen.

Neuaufstellung der Damen-Auswahlen.

„Simon Brechbühler wird zukünftig in die Ausbildung integriert, vor allem was Workshops bei Events angeht. Erstmals wird er bei der Herren WM-Quali im Februar einen Workshop leiten“, so Marketing- und Öffentlichkeitsarbeitschef Mathias Liebing über weitere Maßnahmen, die Frauen-Szene mit breitem Know-How zu stärken. Mit Grundlagen-Workshops sollen vor allem Trainer-Anfänger weitergebildet werden. Die wiederum tragen dies in ihre Damen-Mannschaften und regen dort die Entwicklung an, so der Plan. Ein Schritt in Richtung mittel- und langfristiger Entwicklung. Angesichts der aktuellen Belastung Brechbühlers sicher eine Mammut-Aufgabe – seit neuestem ist der Schweizer U19- und A-Damen-Trainer in Personalunion, Trainer der SML Mannschaft Burgdorf Wizards, SML-Schiedsrichter und nun noch Unterstützer in der Ausbildung.

Aber auch auf Verbandsebene kann es Veränderungen geben. Brechbühler kann sich in seinem Konzept vorstellen, Nationalspielerinnen Einsitz in Kommissionen von Floorball Deutschland nehmen zu lassen, damit sie dort die weiblichen Interessen vertreten. „Die Kommissionen sind meist so überlastet, dass die Anliegen des Damenbereiches hinten runterfallen, das wollen wir mit diesem Ansatz verhindern“, so Brechbühler. Inwiefern das umgesetzt werden kann, bleibt fraglich. Sandra Dirksen, favorisierte Kandidatin für die IFF Athlete Commission musste ihre Nominierung wegen zeitlicher Knappheit ablehnen (Floorballmagazin berichtete).

Das wird bei Aufgaben wie dem Einsitz in Kommissionen nicht einfach werden. Dass dies ein schwieriges Unterfangen sein kann, gibt Brechbühler aber zu: „In der Schweiz werden z. B. in die Ausbildungskommission oder Entwicklungskommission unter anderem auch die Nationaltrainer eingebunden, vor allem für konzeptionelle Fragen. So könnte man dies theoretisch auch in Deutschland gestalten. Jedoch haben wir dazu nicht die Ressourcen und verzichten deshalb auf diesen Schritt“, und spielt damit auf den beratenden nicht aber leitenden Gedanken dieses Punktes an.

Bei den Damen-Auswahlen soll es intern ebenfalls zu Umstrukturierungen kommen. Seit der WM 2011 in St. Gallen bei den A-Damen und ab Mai 2012 bei den U19-Damen sollen die Strukturen folgendermaßen umgestellt werden: Es soll vorrangig keine einzelnen Zusammenzüge oder Camps der U19- und A-Damen mehr geben, sondern gemeinsames Trainieren in Auswahlen. Und das möglichst regional. Schwerpunkt ist dabei eine Art Regionalauswahl-System wie bei den U17-Trophy-Mannschaften der Herren. Vorteil dieses Konzeptes ist eine Verbreiterung der Sichtung. Da es im deutschen Damenbereich kaum Sichtungsmöglichkeiten, durch Ermangelung an Ligen, gibt, helfen die Regionalauswahlen bei der Sichtung.

Geplant sind erst einmal eine Ost-, West- und Nordauswahl. Weitere sollen folgen. Zudem müssen die Auswahlspielerinnen nicht durch die halbe Republik zum Sichtungslager reisen, sondern können zeit- und geldsparend vor Ort trainieren. Außerdem können sich regionale Vereinstrainer in einem anspruchsvollem Posten engagieren und ihr Coaching-Portfolio erweitern. Nachteil andererseits ist der Mangel an genügend wie auch immer qualifizierten Trainern, die diese Regionalcamps leiten könnten. Hinzu kommt eine prekäre Hallensituation in vielen Regionen Deutschlands. Je mehr Camps stattfinden, desto mehr Hallen und desto mehr Organsiationsaufwand wird dies nach sich ziehen. (ms)