Der letzte Schritt

Treibende Kraft der deutschen Nationalmannschaft - Andreas Gahlert. / Foto: Florian Büchting

Mit 14 Toren und 6 Vorlagen aus 21 A-WM-Spielen an vier Weltmeisterschaften bereits Routinier der deutschen Nationalmannschaft - Andreas Gahlert. / Foto: Florian Büchting

In wenigen Tagen beginnt mit der WM-Quali in Münster das erste Großevent dieses Jahres. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Schweiz-Legionär Andreas Gahlert über sein Saisonfinale mit den Jona Uznach Flames, sein Schicksal in der SML und die anstehenden Herausforderungen der deutschen Auswahl gegen Norwegen, Dänemark & Co.

Vom 1. bis 5. Februar erwartet die deutsche Nationalmannschaft in der Münsterner Vierfachsporthalle Berg Fidel das Qualifikationsturnier für die WM im Dezember. Dann finden sich in der Schweiz die stärksten Mannschaften der Welt zusammen und die Auswahl von Philippe Soutter soll dabei nicht fehlen.

Seit Jahren beweist Andreas Gahlert in den höchsten Schweizer Ligen, dass deutsches Floorball auch international eine Rolle spielen darf. Seine Wege führten über den UHC Uster und GC Zürich zu den Jona Uznach Flames, wo er als produktivster Spieler mit seinem Nationalmannschafts-Kollegen Manfred Berzel aufläuft.

Floorballmagazin: Das selbstgesteckte Ziel der Flames war vor Saisonbeginn der sechste Platz in der NLB. Den besetzt ihr vorm letzten Ligaspieltag gerade punktgleich mit Ticino Unihockey. Zürisee Unihockey, euer nächster Gegner, und Langenthal-Aarwangen sind nur zwei Punkte hinter euch. Das verspricht einen echten Showdown, oder?

Andreas Gahlert: Showdown ist wirklich das passende Wort für das, was die Mannschaften an diesem Tag erwartet. Leider haben wir es in den Spielen gegen Ticino, Langenthal-Aarwangen und Zürisee, als wir jedes Mal mit einem Tor Unterschied verloren, verpasst, den Sack zu zumachen. Ich bin aber guter Dinge, dass wir im letzten Spiel die nötigen drei Punkte für die Playoffs holen werden.

Die Scorerwertung der NLB liegt fest in deutscher Hand. Dominic und Manuel Mucha auf den ersten beiden Plätzen, du auf Rang sieben. Ist das bislang eine Saison, mit der du persönlich zufrieden sein kannst?

Also wo ich mich persönlich in der Scorerliste wiederfinde, ist zweitrangig, da der Erfolg des Teams klar im Vordergrund steht. Zufrieden bin ich mit meiner Leistung trotzdem nicht. Im Moment fehlt mir teilweise das Glück und meinen Mitspielern auch, sonst denke ich, wäre ich der dritte Deutsche an der Spitze dieser Wertung und die Flames wären bereits für die Playoffs qualifiziert.

Der 26-Jährige im Jubel mit seinen Kollegen bei den Jona Uznach Flames. / Foto: Florian Büchting

Der 26-Jährige im Jubel mit seinen Kollegen bei den Jona Uznach Flames. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Rückblickend war die Saison 07/08 die vermutlich erfolgreichste deiner Karriere, als du dich noch im Usterner Trikot unter den absoluten Topscorern der höchsten Schweizer Spielklasse festsetzen konntest. War der anschließende Wechsel zum Großverein GC ein Fehler? Kannst du dir eine Rückkehr in die SML vorstellen?

07/08… (überlegt) Ja, das war ein unbeschreibliches Gefühl, zu den besten Scorern einer der besten Ligen der Welt zu gehören, aber diese Zeiten sind vorbei. Aufgrund meines Jobs und meines Privatlebens ist es zeitlich und aufwandstechnisch nicht mehr möglich in der SML zu spielen. Obwohl meinerseits das Interesse da wäre und ich auch einige Angebote habe. GC war kein Fehler. GC war anders als Uster und das zu verstehen hat eine Weile gedauert. Ein Fehler war, mich auf den Lorbeeren der Vorsaison auszuruhen. Dann kam meine Verletzung und ich hatte leider nicht mehr die Möglichkeit, mich zu beweisen.

In Münster steht die Quali für die WM in der Schweiz an. So ein Event in deiner Wahlheimat wirst du wohl nicht verpassen wollen. Was waren deine ersten Eindrücke vom neuen Chefcoach Philippe Soutter?

Für mich spielt es keine Rolle, wo die Quali oder die WM stattfindet. Es ist mir einfach nur wichtig, dass sie stattfindet. Philippe und ich kennen uns schon länger und es gab immer mal Gespräche und auch als Gegner standen er, Rolf und ich uns schon gegenüber. Die Dinge, die ich dort aufnahm, machten mich zu einem großen Befürworter der beiden.

Man muss vermutlich nicht lange darüber spekulieren, dass die Partien gegen Frankreich, Belgien und Spanien in klaren Pflichtsiegen enden müssen. Was erwartest du von den Dänen, die trotz Klasse eigentlich immer ein spielbarer Gegner für Deutschland waren?

Ich denke auch, dass das Spiel gegen die Dänen das entscheidende sein wird. Die Dänen waren immer ein spielbarer Gegner für uns, weil auch wir Klasse besitzen und wir in der Lage sind die deutschen Tugenden auf dem Feld zu leben.

Norwegen reist mit seinen alten Männern an – insbesondere Ketil Kronberg, der langjährige Star und Topscorer Dalens in der Schwedischen Superligan schürt Respekt. Wie stehen die Chancen?

Norwegen, denke ich, wird an dieser Quali nicht zu schlagen sein, aber reist, wie du schon sagst, „mit seinen alten Männern an“. So ist es vielleicht jetzt langsam an der Zeit, diese Tribut zahlen zu lassen. Und aus Erfahrung weiß ich, dass sie gegen Dänemark oft Mühe bekundeten und auch die Spiele gegen die Deutschen nicht immer so klar waren. Im Großen und Ganzen wäre aber, wie bereits erwähnt, alles andere wirklich eine Überraschung.

Mit 10 Toren und 16 Vorlagen gehört Gahlert dieses Jahr erneut unter die Top10 der NLB. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Mit 10 Toren und 16 Vorlagen gehört Gahlert dieses Jahr erneut unter die Top10 der NLB. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Das Durchschnittsalter der Nationalmannschaft wird immer niedriger. Was hältst du von jungen Kollegen wie Schuschwary, Ibold, Böttcher oder sogar Jonas Hoffmann und Lutz Ackermann, die erstmal “nur” in der 2. Bundesliga unterwegs sind?

Die Trainer hatten die Möglichkeit, viele Spieler zu sehen und zu beurteilen und die Besten mitzunehmen. Ich denke die Spieler, die an diese Quali gehen, bilden eine homogene Einheit und da spielt das Alter keine Rolle. Jedoch ist eine WM-Quali etwas anderes als ein Freundschaftsturnier.

Sollte der Sprung zum Finalturnier gelingen, was muss anders gemacht werden, um das zwiespältige Abschneiden bei der vergangenen WM in Finnland zu verbessern?

Wenn die Quali geschafft werden sollte, denke ich, sind wir auf dem richtigen Weg. Ob man dann an der WM besser oder schlechter abschneidet, hängt davon ab, ob wir mehr oder weniger Tore schiessen als unsere Gegner. (jk)

Das Floorballmagazin wird ausführlich von der WM-Quali in Münster berichten. Weitere Informationen lassen sich auch auf der offiziellen Infoseite von Floorball Deutschland finden.