“Äußerst strapaziöses Programm”

Nach 14 Monaten wieder im deutschen Dress - Fredrik Holtz (vorn) und Bruder Kristian (hinten li.). /Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

WM-Qualifikation. Heute Abend trifft sich das deutsche Team in der Nähe von Münster, um sich in den kommenden beiden Tagen den letzten Schliff für das anstehende Turnier zu holen. Man müsse in diesen Trainings fokussiert arbeiten, dürfe jedoch “keine unnötigen Kräfte verschleudern”, erklärt Nationaltrainer Philippe Soutter im Interview mit dem Floorballmagazin.

Mittwoch startet Gastgeber Deutschland mit dem Duell gegen Frankreich in das Qualifikations-Turnier für die WM in der Schweiz. Das Team trifft sich jedoch schon heute Abend in Kamen, das 50 Kilometer südlich von Münster liegt. Montag Nachmittag wird das Quartier dann in den Turnierort verlegt. In den beiden Tagen vor dem Frankreich-Spiel will Nationaltrainer Philippe Soutter in Trainingseinheiten “präzise und fokussiert” mit dem Team arbeiten. Die Schlüsselduelle gegen Dänemark und Norwegen warten Donnerstag und Samstag.

Floorballmagazin: Ciao Philippe, im Frühjahr letztes Jahres hast Du die Deutsche Equipe übernommen. Seitdem gab es einen Zusammenzug im September und einen überzeugenden Auftritt beim Vier-Nationen-Cup in Wernigerode zwei Monate darauf. Viele neue Spieler erhielten ihre Chance. Wie beurteilst Du die Entwicklung, die das Team in dieser Zeit genommen hat?

Philippe Soutter: Es wäre tatsächlich mutig, in den wenigen bisherigen Treffen von einer Entwicklung zu sprechen. Wir haben aber sicher versucht, den Impuls zu setzen, dass sich die Nationalspieler bewusst werden, im Liga-Betrieb Woche für Woche höhere Ansprüche an sich selber zu setzen lernen.

“Für Amateursportler ist diese Quali äußerst strapaziös.”

Eigentlich war zwischen dem Vier-Nationen-Cup und der Qualifikation noch ein weiterer Zusammenzug angedacht, der jedoch ausfallen musste. Im Interview Mitte November sprachst Du von “absurd wenig Zeit” für die Vorbereitung. Bleibt in den wenigen Tagen vor den ersten Quali-Spielen genügend Zeit, um das Team einzustellen?

Trifft am Wochenende zum ersten Mal auf sein neues Team: Nationaltrainer Philippe Soutter. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Engagierter Antreiber - Nationaltrainer Philippe Soutter. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Viel mehr Zeit haben auch die anderen nicht. Dennoch wird es in der Vorbereitung und in den beiden Trainingstagen äußerst wichtig sein, präzise und fokussiert zu arbeiten. Wir dürfen keine unnötigen Kräfte verschleudern. Es stehen uns fünf Spiele in ebenso vielen Tagen bevor. Das ist für Amateursportler ein äußerst strapaziöses Programm. Ganz sicher sind wir ambitioniert, was wiederum sowohl für den Staff als auch die Spieler die Gefahr birgt, in zu kurzer Zeit bei zu vielen Punkten zu viel zu wollen.

Norwegen und Dänemark sind die härtesten Kontrahenten im Kampf um die ersten beiden Plätze, die zur sicheren WM-Qualifikation berechtigen. Wie schätzt Du diese Gegner ein, inwieweit konnten bei Ihnen im Vorfeld Stärken und Schwächen taxiert werden?

Wir hatten ja das Glück, gegen Dänemark schon beim Vier-Nationen-Cup zu spielen und haben natürlich wertvolle Erkenntnisse daraus gewonnen. Norwegen wird vermutlich ein ähnlich harter Brocken, aber an solchen Aufgaben kann gerade unser Team, dieser Mix von jungen Wilden und alten Hasen, enorm wachsen. Und natürlich wollen wir die Spiele gegen die anderen Nationen gezielt nutzen und zielgerichtet arbeiten.

“Holtz-Brüder sind luxuriöser, leckerer Dessert.”

Das Qualifikationsturnier wird für Floorball Deutschland wohl das Event mit der bisher größten medialen Aufmerksamkeit in der Verbandsgeschichte. Wie wird die Mannschaft damit umgehen, vor allem die zahlreichen jungen Spieler wie Hoffmann, Schuschwary, Ibold und Co.?

Um die jungen Spieler mache ich mir wenig Sorgen. Wir werden natürlich darauf hinarbeiten, dass wir den Rummel als positive Energie mit in die Spiele nehmen und uns davon anstecken lassen. Generell ist bei vielen Spielern eine große Vorfreude spürbar. Wir haben soviel Leidenschaft für unsere Sache, dass alles andere in den Hintergrund treten wird.

In Münster werden auch die Holtz-Brüder wieder zum Team stoßen. Seit mehr als einem Jahr der erste Auftritt für die beiden im Nationaltrikot. Wie siehst Du Ihre Rolle?

Ehrlich gesagt, habe ich viel Verständnis für die Holtz-Brüder, dass es ihnen bisher zeitlich nicht gereicht hat. Kristian hat sich beruflich verändert und musste deshalb viel Zeit investieren und Fredrik ist natürlich in der Superligan (aktuell Tabellenführer mit Storvreta IBK; die Red.) voll beansprucht. Es ist toll, dass das Team in den bisherigen Zusammenzügen gelernt hat, auf eigenen Beinen zu stehen. So sind die Holtzen’s dann präzise zur WM-Quali für uns ein ganz besonders luxuriöser, leckerer Dessert.

(tn)