Rein in die Köpfe

Knapp 700 Zuschauer verfolgten in der Berg Fidel Halle den 7:9-Krimi zwischen Deutschland und Norwegen. / Foto: IFF

Knapp 700 Zuschauer verfolgten in der Berg Fidel Halle den 7:9-Krimi zwischen Deutschland und Norwegen. / Foto: IFF

Mit der WM-Quali stellte der deutsche Dachverband erneut seine Eventkompetenz unter Beweis, die immer mehr Medienanstalten aufhorchen lässt. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Mathias Liebing, dem Marketingchef von Floorball Deutschland, über den medialen Aufschwung und den beschwerlichen Weg in die Köpfe der deutschen Floorball-Masse.

Floorballmagazin: Rückblickend, worauf kann der Verband nach der WM-Quali in Münster zunächst besonders stolz sein?

Mathias Liebing: Im Vordergrund bleibt der verdammt gute Job, den die etwa 100 Volunteers gemacht haben. In allen Ebenen, vom Bandendienst, über das Volunteer-Management bis in die VIP-Betreuung, wurde hervorragend gearbeitet. Die kleinen Änderungen – etwa die Erweiterung der Orga-Leitung von vier auf acht Personen, die jeweils einzelne Bereiche leiten – haben eingeschlagen. Schön ist auch, dass unsere Nationalspieler die Bühne genutzt haben, um sich von der besten Seite zu zeigen. In Münster haben die Jungs viele Freunde gewonnen. Angefangen bei den Fans auf der Tribüne, die häufig ihr erstes großes Floorballspiel gesehen haben, bis hin zu vielen Kids aus Münster und einigen Presse- und Sponsorenvertretern, die vom Erlebten sehr angetan waren.

Das mediale Highlight war vermutlich der ganzseitige Artikel mit dem viel versprechenden Titel “Der schlafende Riese” in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Wie kommt ein solcher Beitrag überhaupt zustande?

Da stecken mehrere Jahre Arbeit darin. Immer wieder rund um Großereignisse oder vermeintlich passende Events werden die großen Medien von der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeitskommission (MÖK) von Floorball Deutschland kontaktiert. Nach einem großen medialen Schub im Zuge der Damen-WM im Dezember 2011 mit knapp 100 redaktionellen Veröffentlichungen war die Zeit nun offenbar reif, dass sich die ganz großen und im positivsten Sinne meinungsbildenden Medien mit Floorball beschäftigen. Die Kollegen der FAS, von der Welt oder Sportschau.de waren insgesamt auch sehr angetan und wollen wieder kommen. Sie nehmen die Entwicklung, die in den Jugendabteilungen der neu gegründeten Vereine beginnt und irgendwo bei den Nationalspielern und der Vision Olympia endet, ernst.

Gibt es auch Lektionen, die man für das nächste Event mitnimmt?

Aus meiner Sicht ist die Hauptaufgabe, dass es uns noch stärker und frühzeitiger gelingt, mit unseren Veranstaltungen in die Köpfe der Floorballer zu kommen. Denn das, was sich bei den Top-Events auf der einen Seite auf dem Feld und auf der anderen Seite nun auch mit einem riesigen Rahmenprogramm bietet, sollte jeden dazu motivieren, diese Tage rot und doppelt unterstrichen im Kalender anzukreuzen. Geärgert habe ich mich über einige regionale Vereine, die in Münster am Talenteturnier teilgenommen haben und danach nichts eiliger wollten, als die Halle zu verlassen. Ein Phänomen, welches wir auch in Leipzig beim final4 schon erlebten. Dabei geht es bei Angeboten wie dem Talentepokal allen voran darum, Kinder und Eltern dauerhaft für unseren Sport zu begeistern. Vielleicht auch mit dem Effekt, dass sich Eltern dann auch einmal leichter als Fahrer für eine Auswärtsfahrt begeistern lassen oder Kids wie die Vorbilder Fredrik Holtz oder Nicolas Kujat für Floorball mit dem Fußball aufhören. Beispielhaft war hier der TV Eiche Horn Bremen: Schon während des Turniers am Vormittag haben die U13-Spieler die Minuten gezählt, bis sie die deutsche Mannschaft gegen Norwegen sehen. Das Erlebte sind für die Kids große und wichtige Erfahrungen.

Für den Weltverband ist Floorball Deutschland zum regelmäßigen Partner geworden. Welche Rolle spielt der deutsche Verband für die IFF?

Für die Entwicklung der Sportart ist der “deutsche Markt”, wie es so schön heißt, sehr wichtig. Ebenso wie China, Russland oder auch Nordamerika. Jeder Schritt, den wir machen, hilft also auch der weltweiten Entwicklung voran. Der IFF ist dabei sehr bewusst, dass wir aufgrund der komplizierten Förderstrukturen in Deutschland als Noch-Nicht-DOSB-Mitglied der einzige Nationalverband unter den Top 30 sind, der alles ohne Angestellte auf die Beine stellt.

Die Zuschauerzahlen waren solide, auch wenn man sich zu den Spitzenspielen den einen oder anderen Fanblock mehr hätte wünschen können. Wie kann es in Zukunft gelingen, insbesondere die Floorballer im Breitensport und ihren Anhang, noch besser zu erreichen?

Wir müssen als Veranstalter noch früher informieren. Dazu sind wir darauf angewiesen, dass in den Landesverbänden und den Vereinen die zentralen Personen die Informationen an die Teams, Eltern und Fans quasi mit persönlicher Empfehlung weitergeben. Darüber hinaus wird es sich herumsprechen, dass sich unsere Events mit der Kombination aus tollen Spielen, eigenen Turniere, Workshops und einer Portion Party lohnen. Das steigende Presseinteresse hilft uns hierbei auch.

Der Verband setzt bei der Vermarktung auf Events. Floorball Deutschland möchte jährlich mindestens ein IFF-Event ausrichten. 2012 hätte man damit rechtzeitig abgehakt, was könnte 2013 oder 2014 anstehen?

Die IFF hat uns als Ausrichter zum zweiten Mal in Folge sehr gelobt. Die Systematik unserer Orga-Struktur, in der viele junge aber mittlerweile auch furchtbar erfahrene Experten mit lokalen Leuten zusammenarbeiten, wollen wir auch zukünftig für die Top-Events wie WM-Qualifikationen, WM-Endrunden, Europa-Cups, Länderturniere, Länderspiele und das final4 nutzen. Denn so streuen wir das Know-How bundesweit, gute Floorballveranstaltungen auch im Alltag umzusetzen. Mit dem Weltverband stehen wir in konkreten Gesprächen, was einen der nächsten Europa-Cups oder Junioren-WM angeht. Interesse haben bereits Ausrichtervereine (Link zum Bewerberbogen, Hinw. d. Red.) aus dem Norden, Osten und Westen gezeigt.

Die nächste größere Veranstaltung auf deutschem Boden ist das final4 in Hamburg. Was wird Aktive und Fans dort erwarten?

Beim final4 gibt es wie nun bei allen Top-Events das dicke Brett. Neben den Pokalspielen mit Halbfinals und Endspielen der Damen und Herren fahren wir ein Rahmenprogramm mit Nachtturnier, Talenteturnier, Workshops unter anderem inkl. Basistrainerkurs auf. Gemeinsam mit dem Hamburger Projekt “Viva con Aqua” überlegen wir, ob wir bereits am Freitagabend, dem Tag nach dem Männertag, eine Warm up-Party feiern. Wenn wir ausreichendes Feedback haben, könnte ich mir auch ein Open Air-Turnier am Freitagnachmittag auf St. Pauli vorstellen. Freuen würden wir uns, wenn wir am Sonntagmittag an die Tür der Wandsbeker Sporthalle ein “Ausverkauft”-Schild anhängen könnten und drinnen gut 1.500 Leute die Floorball-Party des Jahres feiern. (jk)

flattr this!

Was denkst du?

Du musst eingeloggt sein, um kommentieren zu können.

Floorballmagazin © 2012 All Rights Reserved

Designed by WPSHOWER

Powered by WordPress