Skandinavischer Klassiker

Wer hat´s erfunden? Glaubt man der deutschen Bezeichnung, ist die Antwort eindeutig. Doch warum nennen es die Schweizer dann Karussell... /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Der Trainingsblogger. In seinem neuen Beitrag widmet sich Marco Galle dem Klassiker unter den Trainingsformen: dem Schwedenkreisel. Vor allem will er dazu animieren, diese Standardübung mittels eine Reihe neuer, fordernder Varianten aufzufrischen.

Jeder, ob Spieler, Trainer, Funktionär oder sogar Zuschauer – da auch eine beliebte Einspielübung vor einer Partie –, kennt den Schwedenkreisel. Ich persönlich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Übung ein Muss im 1×1-Programm des Floorballs ist. Die kleinen Junioren lernen schnell, wie der Schwedenkreisel funktioniert und auf was es dabei ankommt. Bei den Großen ist er oftmals fester Bestandteil im Aufwärmprogramm.

Diese Zeichnung hat wahrscheinlich jeder Spieler schon auf dem Taktikboard gesehen.

Ich habe mich gefragt, warum diese Übung so populär ist? Die Antwort lautet: Weil der Schwedenkreisel zum einen sehr leicht verständlich ist und zum anderen von den Spielern dennoch Einiges abverlangt. Denn:

  • Die Spieler müssen einen Pass aus den Lauf oder im Stehen spielen.
  • Der Passgeber braucht ein Gefühl für die Schnelligkeit des Mitspielers, die Haltung des Schlägers und Körpers und den Druck auf den Schläger, damit der Ball ideal in den Lauf des Mitspielers gelangt.
  • Letztendlich kann der Ball direkt (Schlag- oder Handgelenksschuss), verzögert (gezogener Schuss) oder mit einem Rückhandschuss auf das Tor geschossen werden.
  • Bei richtiger Umsetzung ist der Schwedenkreisel eine schnelle Übung und beinhaltet die floorballcharakteristische Dynamik.

Diese vielen wichtigen Elemente dürfen im Training nicht fehlen und darum ist und bleibt der Schwedenkreisel als Übung eine wunderbare, elementare Trainingsform.

Unkritische Umsetzung ist bedenklich

Doch in der Anwendung des Schwedenkreisels werden oft fahrlässige Fehler begangen: Die von den meisten Trainern fasst schon unkritische Umsetzung des Schwedenkreisels ist bedenklich. Das Motto „Jetzt haben meine Spieler erst einmal fünf bis zehn Minuten zu tun und ich kann mich anderen Aufgaben zuwenden“ finde ich fatal. Bereits im Aufwärmprogramm muss der Trainer präsent sein und die Spieler motivieren und verbessern.

Die Website zum Blog.

Das kann nicht geschehen, wenn immer wieder der selbe Schwedenkreisel im Aufwärmprogramm durchgeführt wird. Dabei besteht die Gefahr der Routine, Gewohnheit und Langeweile. Die Spieler werden in den ersten Minuten des Trainings mit keinen Herausforderungen konfrontiert. Der Lerneffekt geht gegen Null. Die Spieler drehen sich dann sprichwörtlich im „Kreisel“.

Auch der Klassiker braucht Variation

Für eine optimale Weiterentwicklung der Spieler muss ein Trainer das Potential des Schwedenkreisels auskosten, indem er ihn variiert. Ich möchte im Folgenden fünf verschiedene Varianten des Schwedenkreisels vorstellen, die im Grunde wenig von den floorballspezifischen Anforderungen der Standardübung abweichen, jedoch den Geist und das Mitdenken der Spieler anregen.

1. Kürzere Laufwege (leicht)

Die Übung funktioniert genau gleich, wie der normale Schwedenkreisel. Nur sind die Laufwege kürzer und die Intensität damit höher.

2. Karussell mit Linienpass (leicht)

Wenn der Spieler mit Ball auf halben Wege zwischen Startposition und Kegel ist, rennt der Nächste aus der gegenüberliegenden Gruppe los.

3. Das Passkarussell (leicht/mittel)

Der linke Spieler spielt zuerst einen Doppelpass mit dem rechten Spieler. Danach einen Doppelpass mit dem Spieler, welcher in seiner Gruppe hinter ihm stand (links). Der Abschluss ist dann nur noch Formsache.

4. Doppelpass (mittel)

Die Laufwege sind die selben wie beim normalen Schwedenkreisel. Es kommt zusätzlich ein Doppelpass hinzu, der viel Konzentration von den Spielern verlangt: Der Spieler, welcher geschossen hat, muss mit dem Spieler einen Doppelpass spielen, aus dessen Ecke er gestartet ist. Nach dem Doppelpass muss der gleiche Ball mittels Querpass zum heran laufenden Spieler gepasst werden. Dieser schließt ab.

5. 2 Bälle sind im Spiel (schwer)

Im Inneren des Feldes läuft immer ein Ball der blauen Linie entlang.

Der rechte rote Spieler beginnt mit dem „blauen“ Pass zum grünen Spieler. Der rote Spieler kann sich nun an der nächsten Position aufstellen. Der linke grüne Spieler spielt den „blauen“ Pass zum linken roten Spieler und rennt nach dem Pass sofort in die Mitte, erhält einen Pass vom rechten schwarzen Spieler und schiesst. Der schwarze Passgeber muss nun auf die Position des roten Spielers vorrücken und den blauen Pass spielen.

 

Marco Galle ist als Floorball-Spieler und -Trainer in der Schweiz aktiv, spielte dort u.a. bei GC Zürich. Der gebürtige Sachse (stammt aus Hoyerswerda) studiert in Zürich Erziehungswissenschaften und Psychologie. Weil ihm der trainingswissenschaftliche Aspekt im Floorball nicht ausreichend abgedeckt schien, startete er im Mai 2011 das Projekt Unihockeyuebung.blogsport.de. Auf dieses Blog stellt er Übungen und Berichte rund um das Floorballtraining. Als „Trainingsblogger“ veröffentlicht Galle regelmäßig Beiträge im Floorballmagazin.