„Eine völlig andere Welt“

Mit Auswahlen unter anderem aus Lettland, Russland oder Dänemark erwarten die deutschen Damen an der U19-WM in der Slowakei anspruchsvolle Gegner. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Mit Auswahlen unter anderem aus Lettland, Russland oder Dänemark erwarten die deutschen Damen an der U19-WM in der Slowakei anspruchsvolle Gegner. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Beim Polish Cup konnten sich die deutschen Juniorinnen gegen höherklassige Gegner wacker schlagen, die WM im Mai wird aber nicht einfacher. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit U19-Damen-Trainer Daniel Mahnken über die Ansprüche der Auswahl und die Einstellung seines ASV Köln zu einer neuen Damen-Bundesliga.

Floorballmagazin: In Polen stand wahrlich nicht die Endplatzierung im Fokus (Bericht „Abhärten in Polen„, Hinw. d. Red.), sondern vielmehr die defensive Leistung gegen starke Gegner. Wie konnten sich die Mädels dabei behaupten?

Daniel Mahnken: Du hast Recht. Wir sind gegen A-Division-Teams angetreten von denen mindestens drei zu den Top-5-Nationen der Welt gehören – da kann niemand ernsthaft auf die Tabelle schielen und ein bestimmtes Endresultat vorgeben wollen. Was uns gut gefallen hat, war dass sich die Mädels von Spiel zu Spiel gesteigert haben. Im ersten Spiel war der Respekt vor den Schweizerinnen ziemlich groß. Unsere Spielerinnen kamen zunächst nicht mit dem schnellen Spiel und der körperlichen Härte zurecht. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man sich anschaut, wo die meisten unserer Mädels spielen – das sind Kleinfeld-Ligen mit wenigen Teams in denen sie manchmal Freundinnen als Gegner haben und sie von anderen Spielerinnen gepfiffen werden. Dann fahren sie zu einem internationalen Turnier und treffen auf Gegnerinnen, die Floorball leistungsorientiert betreiben. Das ist eine völlig andere Welt und da müssen sie sich erst daran gewöhnen. Schon im zweiten Spiel hat man deutliche Fortschritte gesehen und der Höhepunkt war das Spiel gegen Tschechien. Da stimmte Einstellung, Taktik und Durchsetzungsvermögen.

Gab es konkrete Vorgaben, die die Juniorinnen umzusetzen hatten oder spielte eher die Anhäufung von Erfahrungen eine Rolle? Was gibt man einer jungen deutschen Spielerin mit, wenn sie gegen eine schweizerische oder tschechische Spitzenkraft verteidigen sollen?

Wir hatten zwei Bereiche, auf die wir unseren Fokus richten wollten – Testen und Lernen. Zunächst ging es ganz klar um die Mechanismen in der Defensive. Hier haben wir im Turnierverlauf an einigen Schrauben gedreht und konnten so mehr Sicherheit in der Abwehrarbeit und beim Auslösen erreichen. Die Mädels haben ständig dazugelernt und eine Menge Selbstbewusstsein aufgebaut – alleine dafür hat es sich schon gelohnt. Ich denke, in Spielen wie gegen die Schweiz oder Tschechien, muss man realistisch bleiben. Unsere U19-Mädels sind ja nicht blöd oder leben hinter dem Mond. Wenn ich da irgendwas von einem „Sieg“ erzähle, mache ich mich unglaubwürdig. Gleichzeitig müssen wir sicher nicht in Ehrfurcht erstarren und ihnen die Punkte kampflos schenken.

Im Kader gibt es mit Josephin Gacon, Larissa Engel oder Pauline Baumgarten einige Spielerinnen, die bei der vergangenen A-WM für Deutschland am Start waren. Wie kann die Mannschaft von diesen am besten profitieren?

Ich halte nichts davon, in einem Mannschaftssport einzelne Spielerinnen herauszugreifen. Sicher, erfahrene Spielerinnen sind wichtig für ein Team, denn sie dienen als Vorbild und können ihre Erfahrung weitergeben. Aber was wäre eine Mannschaft ohne die „jungen Wilden“, die mit ihrer Unbekümmertheit und manchmal auch Unberechenbarkeit die Gegner zur Verzweiflung treiben? Wir haben eine gute Mischung in der U19 und letztlich kommt es darauf an, dass wir als Mannschaft funktionieren. Wir können nur gewinnen, wenn alle an einem Strang ziehen.

Vor kurzem gab es einen verhältnismäßig umfassenden Trainerwechsel und das ziemlich kurz vor der WM. Was hat sich für die Juniorinnen geändert? Gibt es seitens der neuen Trainer auch neue taktische Vorgaben?

Wir haben in den Bereichen, die nicht direkt das Spiel oder Training betreffen keinerlei Änderungen durchgesetzt. Dazu zählen beispielsweise unsere Teamregeln, die gab es vorher und die haben immer noch bestand. In allen anderen Bereichen gibt es natürlich Veränderungen. Das ist ja klar, wenn ein neuer Trainerstab verpflichtet wird, der eine eigene Philosophie hat.

Daniel Mahnken noch im Duett mit Joel Heine. Jetzt coacht der Kölner gemeinsam mit Simon Brechbühler und Oli Bachofen. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Daniel Mahnken noch im Duett mit Joel Heine. Jetzt coacht der Kölner gemeinsam mit Simon Brechbühler und Oli Bachofen. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

An der kommenden U19-WM erwarten die deutschen Juniorinnen mit Russland oder dem Überraschungsei Dänemark einige Herausforderungen. Lässt es sich nach dem Auftritt in Polen abschätzen, welche Rolle Deutschland in der Konkurrenz der B-Division spielen wird?

Bei der WM wartet eine starke und ziemlich ausgeglichene Gruppe auf uns. Mit Russland und dem A-Divisions-Absteiger Lettland treffen wir auf große Brocken. Zu den Überraschungseiern würde ich neben Dänemark auch Kanada zählen. Die einzige Mannschaft in dieser Gruppe, von der wir uns ein aktuelles Bild machen konnten war Österreich. Wir können einiges an Schwung aus den Spielen in Polen mit in die WM nehmen, aber ich denke, vieles hängt vom ersten Spiel gegen Russland ab. Wenn wir gut ins Turnier starten und mit einem positiven Gefühl aus diesem Match gehen, ist durchaus ein Platz in der oberen Tabellenhälfte möglich.

Du persönlich bist auch als Trainer der Damen des ASV Köln im Einsatz. Mit dem zweiten Platz in der Nord/West-Staffel des Cups ist man auf einem ganz guten Weg ins final4. Was ist das Ziel für diese Saison?

Das logische Ziel der ASV-Mädels für diese Saison im Floorball Deutschland Cup ist das Erreichen des final4. Als ich vor drei Jahren das Traineramt beim ASV Köln übernommen habe, habe ich mir zur Aufgabe gemacht, mit der Mannschaft einen Schritt nach dem anderen zu gehen und nicht plötzlich zwei Stufen zu überspringen. Im vergangenen Jahr sind wir Dritter geworden, somit kann die nächste Stufe nur Platz 2 und damit die final4-Teilnahme für uns bedeuten.

Wie schätzt du wird es in der Saison 2012/2013 mit den bundesweiten Damen-Wettbewerben weitergehen? Was wünscht man sich beim ASV?

Leider weiß ich nicht, inwieweit es konkrete Planungen für bundesweite Damen-Wettbewerbe von Seiten des FVD gibt. Der ASV Köln, und ich denke, da spreche ich für viele Vereine, die im Damen-Floorball aktiv sind, wünscht sich vor allem Verlässlichkeit. Und das möglichst früh. Wir müssen bereits vor Ende der laufenden Saison Budgetplanungen absprechen und wenn keine Klarheit über mögliche Damen-Wettbewerbe herrscht, dann fällt das Budget zu Gunsten anderer Abteilungen weg. Wir sagen ganz klar – der ASV Köln würde in der Bundesliga antreten, wenn die Liga in zwei Staffeln aufgeteilt wird. Dadurch müsste der Floorball Deutschland Cup in seiner jetzigen Form zu Gunsten eines Wettbewerbs analog zum Pokal-Modus der Herren wegfallen. (jk)

Kommentare

  1. Hat lange gedauert, aber toll, was im ASV aufgebaut wurde und wird. Und solch konkrete Zu- und Aussagen sind wertvoll.

    Bezüglich „Leider weiß ich nicht, inwieweit es konkrete Planungen für bundesweite Damen-Wettbewerbe von Seiten des FVD gibt“ treibt es mich doch wieder einmal zu einer Wiederholung: Wer ist dieser Verband? Wer verbandelt sich da mit wem? Wer wenn nicht die Vereinsaktiven/-funktionäre können planen und sich verbinden? Warten auf ein Hirngespinst „Verband“ als eigenständige Maschine, die auf Zuruf funktioniert bringt nichts. „Es gibt nichts gutes, ausser man tut es.“

    So ist im Westen der erste Kleinfeldspielbetrieb im Jahr 2002 entstanden, die Jugendligen folgten ab 2005 und so sind in Deutschland auch alle anderen Ligen gegründet worden: Von den Spielern und Trainern.