“Mehr als alles”

Christian Sieber (l.) applaudiert seinen Kollegen, Sumen und Bergström (m.) fühlen sich gut unterhalten. / Foto: Andreas Schulz, batberlin.de

Christian Sieber (l.) applaudiert seinen Kollegen, Sumen und Bergström (m.) fühlen sich gut unterhalten. / Foto: Andreas Schulz, batberlin.de

Die Playoff-Serie zwischen den MFBC Löwen Leipzig und den Red Devils Wernigerode verspricht im neuen Best-Of-Five-Modus Schlacht der höchsten Güteklasse. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Leipzigs Kapitän Christian Sieber über das Comeback gegen Weißenfels und die kommenden Highlights der Messestädter.

Floorballmagazin: 1:5 lagt ihr bereits zurück und habt trotzdem noch den Overtime-Sieg gepackt. Gab es einen Bruch im Spiel, der euch Aufwind gegeben hat?

Christian Sieber: Im ersten Drittel waren wir einfach nicht präsent genug und sind sehr mühsam ins Spiel gestartet, wobei wir uns eine Menge vorgenommen hatten. Weißenfels agierte frischer, war den einen Schritt schneller und hielt das Tempo sehr hoch. In vielen Sequenzen fehlte bei uns die Kommunikation und daraus folgend auch die Zuordnung. Dass wir aber dieses Spiel noch zu unseren Gunsten drehen würden, sahen bestimmt die ein oder anderen Zuschauer nicht so. Von einem Bruch im Spiel kann nicht die Rede sein. Die Erklärung dafür liegt darin, dass wir seit unserer letzten Niederlage im Oktober gegen Hamburg zu einem richtig geilen Team zusammengewachsen sind. Auch wenn wir einem Rückstand hinterherlaufen, behalten wir einen kühlen Kopf, haben die Erfahrung, die Dynamik und vor allem das Selbstbewusstsein Spiele zu drehen. Gegen die beste Klubmannschaft in Deutschland waren wir eben in der Lage noch 10 % draufzulegen, obwohl wir spielerisch nicht die Qualität wie sie haben. Ich denke das kam für Weißenfels überraschend, lief bei ihnen doch in der Verlängerung nicht mehr viel zusammen.

Am Anfang der Saison musstet ihr euch eine Weile suchen, nun scheint ihr aber in Fahrt gekommen zu sein. Da schielt man schon nach dem Titel, oder?

Das ist richtig, weil ein neuer Kader mit einigen von uns ehemaligen DHfK-Spielern, ausländischen Gastspielern und dem bis dato bestehenden MFBC-Kader zusammengestellt wurde. Zu Beginn der Saison fehlte uns einerseits die Abstimmung in den Reihen, andererseits war nicht jeder mit seinen Leistungen zufrieden und darüber hinaus hatten wir gleich mit Weißenfels und Wernigerode zwei schwere Ligaspiele zu bestreiten. Alles andere als ein optimaler Start. Nach der Veränderung auf der Trainerposition war jedem Spieler unabhängig davon klar, dass etwas passieren muss. Wir waren in der Pflicht endlich unser Potential abzurufen. Stück für Stück erkämpften wir uns unsere Punkte und der zweite Platz nach Beendigung der Hauptrunde, spiegelt das auch wieder, was wir uns in den vergangenen Monaten hart erarbeitet haben. Somit ist alles möglich und wer in der 1. Bundesliga spielt, sollte einfach immer den Anspruch haben, Meister zu werden.

Über die letzten Jahre hinweg ging es beim MFBC recht emotional zu, was sich nicht selten negativ auf die Erfolgsbilanz auswirkte. Denkst du mit dem Zugang mehrerer neuer Spieler im vergangenen Sommer, hat sich das etwas beruhigen können?

Ich kann und will die letzten Jahre des MFBC nicht kommentieren, da ich erst seit dieser Saison ein Teil dieser Mannschaft bin. Unsere Truppe hat sich sehr gefestigt und wir sind ein eingeschworener Haufen geworden, der auch neben dem Feld gerne was zusammen unternimmt. Ich schätze unsere Professionalität, die wir an den Tag legen, sehr, vor allem unsere Trainerin (Silke Unger, Anm. d. Red.) geht da mit großem Vorbild voran. Und das Wichtige in jeder Teamsportart – Wir haben ein riesen Spaß zusammen!

Wie kam es überhaupt dazu, dass du als Neu-MFBCler, gleich in der ersten Saison mit der Kapitänsbinde auflaufen darfst?

Kurz vor der Saison wurde ich zum Kapitän bestimmt und diese Position habe ich auch gleich angenommen. Die Kapitänsbinde zu tragen, bedeutet mir persönlich sehr viel, weil es irgendwo eine Auszeichnung der Persönlichkeit ist.

In den Playoffs trifft ihr nun auf Wernigerode und habt Heimvorteil. Seid ihr Favorit?

Nein, Favorit sind wir nicht. Wernigerode ist am Zuge, denn die müssen ihren Titel verteidigen. Wo und wann wir spielen, ist uns egal. Natürlich ist das Heimrecht ein kleiner Vorteil, da wir fantastische Fans im Rücken haben. Geradezu atemberaubend war die Stimmung beim Weißenfelsspiel.

Welchen Einfluss könnte der neue Best-Of-Five-Modus auf die Serie haben.

Ich bin der Meinung, dass die „Aufstockung“ der Playoff-Spiele mehr als sinnvoll erscheint, denn schauen wir in die Topnationen, geht es dort ebenso zu. Der Vorteil gegenüber dem vorherigen Playoffmodus ist, dass man sich auch mal einen Ausrutscher leisten kann. Außerdem werden die Zuschauer noch mehr spannende Spiele erleben und von uns Spielern wird abermals mehr als alles abverlangt, denn in den Playoffs fangen wir wieder bei Null an und man ist, schlichtweg gesagt, zum Siegen verdammt.

Als nächstes steht aber der Pokal auf dem Programm und mit Zweitligist Bremen eine lösbare Aufgabe. Worauf ist zu achten, damit es keine Überraschung gibt?

Wir nehmen jeden Gegner ernst, unterklassige Teams um so mehr, denn die sind wiederum ein paar Schippen motivierter. Ich habe keinen Einblick in die 2. Bundesliga, aber Bremen spielt anscheinend eine ganz starke Saison und ich gehe davon aus, dass sie den Sprung ins Oberhaus schaffen werden. Wir müssen von Anfang konzentriert in die Pokalpartie gehen, alles andere wäre fatal. Die Bremer verfügen über eine junge und spielstarke Mannschaft, die hungrig auf Erfolge ist. Trotz all dem sind wir uns unserer Favoritenrolle bewusst. Das Ziel heißt Pokalfinale.

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