Schöne neue Markenwelt

Fluch oder Segen - Die deutschen Floorballer müssen sich innerhalb der neuen Markenwelt zu orientieren wissen. / Foto: IFF

Fluch oder Segen - Die deutschen Floorballer müssen sich innerhalb der neuen Markenwelt zu orientieren wissen. / Foto: IFF

Die Sportartikel-Industrie gilt weltweit als krisenfest, den Floorball-Herstellern geht es dabei nicht anders. Neue Marken, neue Modelle, neue Technologien. Deutschland spielt im Strudel der internationalen Vermarktung eine immer wichtigere Rolle. Auf Wunsch steht das Floorballmagazin seinen Lesern ab sofort mit einer neuen Rubrik zur Seite und bietet zum Auftakt einen kleinen Rundumschlag.

Es schien kein Zufall zu sein, dass zu unserer letzten Leserbefragung Beiträge über neue Produkte und Innovationen auf dem Floorball-Markt das mit Abstand häufigste Anliegen waren. Viele der ersten Reaktionen auf den Start des Printmagazins zielten auf Produkttests ab. Auf Nachfrage folgt Angebot und somit möchten wir in unserer neuen Kategorie Equipment genau diese Wünsche bedienen – und vielleicht noch einige mehr.

Tatsächlich strotzt der Floorball-Markt im Augenblick vor schrillen Designs und vermeintlichen technischen Innovationen. Ca. 20 Sportartikel-Hersteller, auch außerhalb von Schlägern und Masken, sind in diesen bereits fest involviert. Sie wissen, dass sie Alleinstellungsmerkmale benötigen. Anders als im Fußball oder Basketball lassen sich im Floorball von außerhalb Umsätze bedeutend schwerer schätzen. Vertraut man aber den Bilanzen einiger Hersteller und rechnet diese über Schätzungen anderer hoch, lässt sich der weltweite Umsatz mit Floorballprodukten auf 25 bis 30 Mio. € schätzen – eine noch überschaubare Summe im Vergleich zu etablierten Disziplinen.

Auf dem deutschen Markt, der für Hersteller langfristig von enormer Bedeutung ist, haben sich bereits die ersten Generalimporteure in Stellung gebracht, die stellvertretend für die Marken die Entwicklung des Marktes fördern und von dieser entsprechend profitieren möchten. Deutsche Floorball-Händler, die fester Bestandteil der neuen Szene sind, kann man auf zwei Händen abzählen. Insgesamt lässt sich der Floorball-Umsatz auf dem deutschen Markt vorsichtig auf 700.000 bis 1,5 Mio € schätzen, wobei insbesondere der Vertrieb von Schulausrüstungen, die nicht selten als „Plastik-Hockey“ mit „Sicherheits-Bällen“ tituliert und insbesondere in ihren Billigvarianten als Eigenmarken von Sportartikel-Großhändlern verkauft werden, eine schwer zu kalkulierende Grauzone darstellt.

Beliebteste Floorball-Marken Deutschlands (in %): In unserer letzten Umfrage hatten wir erhoben, mit welcher Schläger-Marke oder Torhüter-Ausrüstung unsere Leser unterwegs sind. (n=300)

Beliebteste Floorball-Marken Deutschlands (in %): In unserer letzten Umfrage hatten wir erhoben, mit welcher Schläger-Marke oder Torhüter-Ausrüstung unsere Leser unterwegs sind (n = 305).

Was bedeuten diese Interessen, Entwicklungen und Konkurrenzen nun für den deutschen Floorballer und seinen Verein? Floorball-Marken müssen ihr Angebot optimieren, um im Wettbewerb zu bestehen – Produkte verbessern, Preise senken, innovative sowie effektive Marketinginstrumente konstruieren. Dieser Druck hat in den vergangenen Jahren aber auch zu einem Markensterben geführt, unter dem Brands wie Exel, Canadien oder Karhu leiden mussten. Diese Entwicklung scheint mit Exels nächstem Comeback oder den Novizen Icon und Oxdog zunächst eingedämmt.

Deutsche Floorball-Händler sind hingegen ein wesentlicher Antrieb der nationalen Entwicklung. Altruismus und Entwicklergeist paaren sich bei ihnen mit wirtschaftlichen Interessen. Viele von ihnen betreiben ihr Geschäft mittlerweile hauptberuflich und bauen sich hiermit eine eigene Existenz auf. Entsprechend tückisch kann auch ein übertrieben ausgereizter Wettbewerb auf einem unreifen Markt sein.

Viele deutsche Floorballer wollen lernen, nüchtern mit den Strategien und Angeboten von Marken umzugehen, kritisch Eigenschaften von neuen Produkten einzuschätzen, Marketingfallen zu umgehen und Markt-Entwicklungen zu deuten. Auch das Verhältnis zwischen Vereinen und betreuenden Händlern darf auf Herz und Niere geprüft werden, profitieren beide Parteien doch vom Erfolg des Gegenüber.

Was zeichnet ein faires Sponsoring aus? Sind leichte Schläger immer besser? Worauf ist bei einer richtigen Schulausrüstung zu achten? Bei dieser Orientierung möchte unsere Redaktion helfen. Wir sind uns außerdem sicher, durch ausgewogene Produkttests, interessante Features und andere kompetente Beiträge, unsere Unabhängigkeit von Werbern, Partnern und weiteren Interessen unter Beweis stellen zu können. Wir freuen uns jedenfalls auf diese spannende Ausgabe und sind über jegliches Feedback dankbar.

Hinweis zur Transparenz: Der Autor Jan Kratochvil ist als Aktiver, Herausgeber des Floorballmagazins und regelmäßiger Floorball-Experte von Eurosport in der Welt des Lochballs unterwegs und Gesellschafter der Spreefabrik GmbH, dem deutschen Generalimporteur der Marken Salming und X3M.

Kommentare

  1. Das mit Canadien habe ich immer sehr bedauert. Mittlerweile finde ich, kommt sehr viel „Blödsinn“ auf den Markt. Mit irgendwelchen Eigenschaften, die in YouTube-Videos gelobt werden, aber für den normalen Spieler eigentlich nicht weiter von Bedeutung sind.

    Irgendwie verliert man auch teilweise den Überblick, jedenfalls geht es mir so. Falls mich neue Spieler fragen, welchen Schläger sie sich kaufen sollen, dann fällt es sehr schwer alle zu kennen. Eigentlich ist es kaum noch machbar. Vielleicht ist es bei anderen anders?!

    Die Plastikschläger für die Schulen sollten verboten werden. Ich habe jetzt mehrfach Schläger gesehen, wo die „Tackernadeln“ halb rausschauen und ein erhöhtes Verletzungsrisiko darstellen. Mich würde interessieren, welche Marke am meisten in Dtl. gekauft wird und ob es zwischen Bundesliga und Regionalliga Unterschiede gibt? Aber dies würde bestimmt den Rahmen sprengen.

    Ich finde den Hinweis von Jan sehr beeindruckend. Steht mal wieder für die Offenheit vom FB. Respekt! Aber eigentlich weiss ja das auch jeder… 😉

    Schöne Grüße aus Marburg,

    Gunnar

  2. Coole Sache!

    Denke schon, dass sich das wirklich als nützlich herausstellen sollte! Vor allem all diese bizarren Änderungen am Shaft (Kurve, “Bubble“, etc.) sollten mal auf Effektivität überprüft werden!

    So verwirrend das ganze manchmal auch sein mag, die Markenvielfalt hat natürlich auch seine Vorteile! Wenn ich da ans Eishockey denke, wo die wenigen Hersteller die Preise kontrollieren…

  3. Ja, das sehe ich genauso, wobei sich das Thema mit den Bows und Curves und Kickpoints schnell abhandeln lässt. Mich würden eben viel mehr so Geschichten aus dem Vereinsalltag interessieren, gerade Sachen, die schon im Artikel angeschnitten wurden, also Sponsorings, Schulausrüstung oder auch andere Sachen. Bin auf jeden Fall gespannt. Von klassischen Produkttests halte ich eher weniger, weil das häufig eine Sache des Geschmacks ist, aber eine allgemeine Orientierung mit regelmäßigen Updates, was der Markt so bietet, wäre schonmal ganz sinnvoll.

    Außerdem finde ich die Marken-Grafik sehr interessant. Ob die Leser des Floorballmagazins wirklich repräsentativ für die breite Masse sind, ist schwierig zu sagen, aber so eine Übersicht hat es bislang ja noch nicht gegeben. Andererseits ist das ganze auch nicht wirklich überraschend, Unihoc und Salming sind nunmal die bekanntesten Marken und Fatpipe irgendwie Kult. Krass ist wie Exel und Canadien abgestürzt sind, waren ja früher überall und heute sieht man sie wirklich selten. Freue mich auf die nächsten News.