Ist Superleicht auch Supergut?

Leichter geht immer – Floorballschläger wiegen mittlerweile schon unter 200 Gramm. Doch wie tief lässt sich das Gewicht tatsächlich drücken und verbessert der Trend wirklich auch die Spieleigenschaften der Stöcke? Wir haben uns die „Superleichten“ vorgenommen und recherchiert, wie weit sich noch gehen lässt.

Egal ob Masterpiece, G-Series oder Tourlite, superleichte Schläger gehören mittlerweile ins Repertoire jedes Herstellers, der seine innovative Kompetenz unter Beweis stellen will. Während Biegungen und Windungen des Schaftes mittlerweile des Öfteren eher nach Marketingstricks duften, können Vorzüge von leichten Schlägern für die Kundschaft einfacher nachvollzogen werden. Insbesondere technische Offensivspieler können auf diese Weise ihr Ballhandling schlagartig verbessern.

Das Gewicht der Griffbänder (ab 15 Gramm) oder Schäfte (unter 100 Gramm) hat sich seit Ende der 90er praktisch halbiert. Entsprechende Kohlenstofffaser machen den Schläger dabei nicht nur leichter, sondern auch widerstandsfähiger. Die leichtesten Modelle kratzen im Augenblick an der 200-Gramm-Marke und da man dabei auf kostspielige Kurventechnologien verzichtet, liegt der Preis bei verhältnismäßig günstigen 100 – 130 €.

Promo-Clip von Fatpipe zur G-Series

Philipp Mertens, im Einsatz für die Marken Unihoc und Zone in Deutschland, vermutet, dass das Ende bei den Leichtgewichten noch nicht erreicht ist, allerdings dürfte in Sachen Gewicht nicht mehr all zu viel Spielraum nach unten sein. „Je leichter die Modelle werden, um so mehr Spieler sagen, dass sie doch auch ganz gerne spüren, dass sie noch einen Schläger in der Hand haben,“ sagt Mertens der ab Anfang des Jahres zusammen mit seinem Kollegen Jan Patocka über die Renew Unihoc Zone Group GmbH die Geschicke der Marken in der Bundesrepublik leitet.

Summiert man die leichtesten Floorballkomponenten auf dem Markt auf, sollten Werte von 180 Gramm pro Stock technisch umsetzbar sein. One-Piece-Schläger, die in der Vergangenheit an ihrer fehlenden Alltagstauglichkeit scheiterten, 2012 aber ein Revival feiert wollen, könnten den Wert irgendwann sogar noch auf 160 Gramm oder tiefer drücken. Inwiefern ein Schläger dann noch regulär spielbar wäre, lässt sich nur schwer abschätzen, braucht ein guter Schwung auch einen entsprechend gewichteten Schwerpunkt.

Natürlich habe man mit einem geringeren Gewicht indirekt auch eine bessere Stockkontrolle, entscheidend sei aber die Balance, erklärt Alexander Kluge, Geschäftsführer der Spreefabrik GmbH, die seit 2009 als Generalimporteur der Brands Salming und X3M in Deutschland aktiv ist. „Schnell kann ein Schläger, der insgesamt vielleicht 30 Gramm leichter ist, schwerer zu kontrollieren sein, wenn sein Gewicht zu weit in Richtung Kelle verlagert ist,“ erklärt der 29-Jährige. Darauf habe man bei der Entwicklung des Tourlite 204g besonders geachtet.

Doch jedem Spieler spricht eine andere Balance zu. Dieses Bedürfnis haben sich die Entwickler von Oxdog zueigen gemacht und eine Vorrichtung entwickelt, die es Spielern ermöglicht Schläger nach Belieben zu gewichten. Hierfür kann beispielsweise ein 20 Gramm schweres Gewicht als Abschlusskappe ins Ende des Schlägers montiert werden. Dadurch verlagere sich der Schwerpunkt weg von der Kelle, was ein angepasstes Ballgefühl ermöglicht.

Promo-Clip von Oxdog zum Stick Balance System

Wir werfen einen Blick auf die aktuellen Modelle von Zone, Salming und Fatpipe sowie als Referenzobjekt auch auf ein aktuelles High-End-Modell von Unihoc. Fatpipe hat dabei als erste Marke die 200-Gramm-Grenze unterschritten, muss sich aber weiteren Vorteilen der Konkurrenz von Salming und Zone stellen. Der Rest der Marken versucht nachzuziehen. Unser Vergleich:


Marke: Zone
Modell: Masterpiece Air 2
Preis: 99,90 €
Flex: 27 mm
Blatt: Masterpiece Air Soft Feel Medium
Gewicht: 212 g (101 cm)
Vorteile: Sicheres Passgefühl, härtere Schüsse, edles Design, günstiger Preis
Nachteile: Etwas kopflastigere Balance, schwere Bearbeitung der Kelle


Marke: Fatpipe
Modell: 100G
Preis: 129,90 €
Flex: 27 mm
Blatt: Orc
Gewicht: 199 g (101 cm)
Vorteile: Sehr gutes Griffband, ideales Ballgefühl, gute Schlagschüsse
Nachteile: Etwas brüchiger, ungewohnte Griffendung, teuerstes Leichtgewicht


Marke: Salming
Modell: Aero Tourlite 204g/211g
Preis: 119,90 €
Flex: 27 mm
Blatt: Aero
Gewicht: 211 g (100 cm)
Vorteile: Präzise Handgelenksschüsse und Pässe, sehr gute Balance
Nachteile: Dünnes Griffband, gewöhnungsbedürftige Schlenzschüsse


Marke: Unihoc
Modell: Infinity Feather Curve 2.0 26
Preis: 179,90 €
Flex: 26 mm
Blatt: Infinity Medium
Gewicht: 232 g (100 cm)
Vorteile: Top Balance, optimierte Spieleigenschaften durch Curve-Technik
Nachteile: Höheres Gewicht, ungewohnt zweigeteiltes Griffband

Fazit: Spieler, die mit Schüssen im Grunde wenig Probleme haben, hingegen aber an ihrer Technik feilen möchten, sowie filigrane Flügelflitzer, die auf eine hohe Wendigkeit setzen, sollten sich mit den leichten Modellen auf jeden Fall auseinandersetzen. Der Unterschied kann beträchtlich ausfallen. Rebounds, Ballverarbeitung, Volleys und praktisch sämtliche Aktionen, bei denen viele und schnelle Richtungswechsel (häufig sogar einhändig) von Nöten sind, fallen mit Schlägern unter 220 Gramm wesentlich leichter. Auch für Anfänger sind grundlegende Techniken einfacher zu erlernen. Außerdem stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Schläger weisen im Verhältnis zu schwereren Modellen keine merkbar höhere Brüchigkeit auf.

Schlagschüssen, Direktabnahmen oder Pässen fehlt hingegen schnell etwas Kraft, da an vielen Stellen Masse fehlt. Entscheidet man sich nach ein paar Trainings wieder um, ist die Kontrolle des vorherigen, schwereren Modells meist eine unerwartete Herausforderung. Dazu wird nicht selten an gut gepolsterten Griffbändern gespart, da die Hersteller jedes Gramm loswerden wollen. Entscheiden sich Spieler Kellen auszutauschen, kann dies außerdem nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Balance des Schlägers haben. Rustikale, schussgewaltige Spieler, die eher aus dem Rückraum agieren, sind mit entsprechend ausgewogenen, schwereren Schlägern ebenfalls gut bedient.

Hinweis: Habt ihr Fragen zum Material oder interessiert ihr euch für bestimmte Equipment-Themen? Schreibt uns unter redaktion@floorballmagazin.de.

Bild-Quellen: Artikelbild, Zone Masterpiece Air 2 und Unihoc Infinity – RENEW GROUP SWEDEN AB, Fatpipe G-Series – POWER STICK OY, Salming Tourlite 204g – X3M Sweden AB;