Schulsport: Mehr als nur Plastik

Schulen und andere Bildungseinrichtungen spielen bei der Verbreitung von Floorball eine zentrale Rolle. Nicht selten sind Lehrer oder Entwickler aber mit der Frage überfordert, wie man diese ausrüsten sollte. Wie viel lohnt es sich für Schulsets auszugeben, wann gehört eine Torhüterausrüstung in den Materialschrank und reicht es bei Floorbällen, dass sie rund sind?

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass Floorball für Schulen ein neuer Sport ist. Tatsächlich gehört „Hallenhockey mit Plastikschlägern“, „Unihoc“, in besseren Fällen „Unihockey“ und manchmal auch Floorball zum festen Repertoire tausender deutscher Schulen. Der Grund dafür sind keinesfalls nur Lehrgänge für Lehrer, sondern viel häufiger bereits vorhandenes Spielmaterial. Schulen lassen ihre Sportstätten von Großhändlern nämlich mit Komplett-Paketen ausstatten. Nicht selten finden sich in solchen Angeboten auch einfache Floorball-Sets wieder.

Häufig gehören diese aber ins absolute Billigpreis-Segment und der alltägliche Verschleiß senkt schrittweise die Anzahl der übrigen „Knüppel“ und Bälle. Viele Schulen wählen auch abgespeckte oder anders gewichtete Pakete, in denen jenes „Schul-Hockey“ nicht vorhanden ist. Entscheiden sich dann Lehrer oder Entwickler den pädagogisch geschätzten Trendsport einzuführen, stehen sie vor einem faustdicken Dilemma: Was brauche ich eigentlich, um meine Kinder für Floorball zu begeistern?

„Praktikabilität ist wichtig. Also beispielsweise, dass Schulsets aus Schlägern bestehen, wo je eine Hälfte andersfarbig ist – das erleichtert die Unterscheidung der Teams,“ erklärt Antonia Oelke, die zusammen mit Adrian Mühle beim Floorball Verband Berlin-Brandenburg die Entwicklung des Schulsports betreut. „Darüberhinaus sollten Kellen zunächst nicht vorgebogen sein, dadurch sind die Schläger unabhängig von der Schlägerhaltung nutzbar. Wichtig ist auch eine ausreichende Anzahl von Bällen, denn es gibt zahlreiche Spielvarianten, bei denen viele Bälle benötigt werden.“

Die Preise für Schlägersets, die meist aus 10 oder 12 Schlägern bestehen (die Zusammenstellung unterscheidet sich von Marke zu Marke sowie von Händler zu Handler), variieren von Billig-Modellen für 90 € (nur für Stöcke) bis hin zu anspruchsvolleren Nachwuchs-Sets für knapp 350 € (hochwertige Stöcke inkl. Bälle und Tasche). „Ich empfehle nicht das allerbilligste Produkt zu nehmen, da man selbst als Laie den Unterschied merkt,“ warnt Oelke. „Zum Beispiel biegen sich bei den besonders günstigen Produkten die Kellen oft schon allein beim Ballführen durch. Da merkt man den Qualitätsunterschied, der sich dann eben auch in der Lebensdauer bemerkbar macht. Und allgemein kann man sagen, dass ein Sport mit gut funktionierender Ausrüstung auch einfach mehr Spass macht.“

Mühle empfiehlt in diesem Zusammenhang zu unterscheiden: „Unsere bisherige Herangehensweise war, Schulen erstmal großflächig mit günstigeren Sets auszurüsten und gezielt Einrichtungen, wo AGs entstehen oder der Wille ist, die Sportart intensiver zu betreiben, im Nachhinein von qualitativ hochwertigeren Artikeln zu überzeugen.“ Häufig bringen Vereine, deren Mitglieder Schul-AGs leiten auch eigene Sets mit oder können die Ausrüstung anderweitig über Partnershops vermitteln. „Ein besonderer Anreiz ist natürlich, wenn eine Kooperation zwischen Verein und Schule entstehen kann oder zumindest die Aussicht auf eine Schul-AG da ist. Dann kann sich die Schule auch Materialkosten teilweise erstatten lassen oder der Verein eine Schule unterstützen,“ fügt Oelke hinzu.

Doch eine gute Ausrüstung ist noch nicht alles, da Lehrer, die keine entsprechende Fortbildung absolviert haben, des Öfteren von ihrer Benutzung zu Beginn ein wenig überfordert sind. „Tatsächlich denken viele immer noch, dass man Schläger nur rechts führen darf. Das ist meistens aber recht schnell geklärt. Wichtig ist, die Lehrer über die richtige Schlägergröße zu informieren. Da empfehle ich auch mindestens zwei unterschiedliche Schlägergrößen anzuschaffen. Außerdem ist es durchaus sinnvoll mit Floorbällen und nicht mit Hockeybällen zu spielen – das habe ich auch bereits erlebt,“ erinnert sich die Spielerin der SG Berlin.

Eine weitere Hürde ist der Schritt von kleinen zu großen Toren und damit auch die Einführung von Goalies. Doch wann ist eine Schule bereit dafür? „Schwere Frage,“ grübelt Mühle. In meinen Augen nie, zumindest nicht im regulären Sportunterricht, für das ganze Umziehen fehlt schlichtweg die Zeit und die Kinder benötigen eine zusätzliche Einführung, fast schon Ausbildung. Wenn ein Verein dahinter steckt oder die Schule eine ambitioniertere AG aufbaut, ist es natürlich etwas anderes.“ Oelke hingegen erklärt hingegen, dass Trainings mit Torhütern wiederum eine größere Vielfalt an Spielformen ermöglichen und eine Schule, die auch an Wettbewerben teilnehmen möchte, natürlich wesentlich schneller nach vorne bringen.

„Wichtig bei der Ausrüstung ist selbstverständlich die Sicherheit, besonders auf die Qualität der Schutzpolster und Schoner sollte man hier achten. Allerdings gibt es bei den Floorball-Ausrüstern auch Angebote direkt für Schul-Torhüter – da kann man also nicht viel falsch machen,“ schließt Oelke ab. Tatsächlich sei das Angebot mittlerweile breit gefächert. Während praktisch alle Floorballmarken günstige Anfänger-Modelle für Einsteiger anbieten, ist das Angebot kompletter Sets aber auf die Schullinien Reactor von Unihoc und Campus von Salming sowie auf Eigenmarken von Großhändlern wie Erhard-Sport, Sport-Thieme oder Benz-Sport beschränkt.

Häufig horchen Hallenwärte auf, wenn auf den frisch restaurierten Hallenboden plötzlich mit „Hockeyschlägern“ gedrescht werden soll. Meist entsteht Erklärungsbedarf, der sich mit dem Argument, dass Floorball speziell als Sporthallen-Disziplin entwickelt wurde und aus diesem Grund in Skandinavien zum Schulsport Nummer 1 heranwuchs, bewältigen. Sämtliches Material bestehe dabei aus harmlosem Kunststoff, der praktisch nichts beschädigen kann. Tore oder Bandenteile, die manchmal mit metallenen Teilen den Boden berühren, können im Notfall mit Teppichstreifen abgeklebt werden.

Die Ausrüstung einer Schule mit dem richtigen Material ist somit keine Selbstverständlichkeit und hängt vom Anspruch sowie von den finanziellen Mitteln der Einrichtung ab. Dennoch gibt es einige Grundregeln:

Schläger
Zur Einführung an Schulen reichen günstigere Schlägersets. Diese sollten aber eine Basisqualität vorweisen, um beispielsweise durch ihr Gewicht oder ihre übertriebene Biegeeigenschaften das Spiel der Kinder nicht allzu stark zu beeinträchtigen. Unterschiedliche Schlägerfarben und eine neutrale Ausrichtung der Kellen machen einiges einfacher und auch unterschiedliche Längen sind hilfreich. Wird Floorball häufiger gespielt oder entstehen AGs sollte mit dem Nachkauf von höherwertigen Sets nicht gezögert werden.
Preis: 100 – 300 € (inkl. Bälle und Tasche 150 – 350 €)

Bälle
Viele Händler bieten Komplettsets an, die zusätzlich zu Schlägern auch Taschen, manchmal Tore aber vor allem Bälle beinhalten. Dabei ist darauf zu achten, dass es sich tatsächlich auch um Floorbälle handelt. Nicht selten verkaufen Schulausstatter seltsame, qualitativ minderwertige Klone (manchmal sogar puck-ähnliche Gegenstände). Diese unterscheiden sich nicht nur in ihrer Form oder der Anzahl der Löcher, sondern vor allem in Gewicht und Verarbeitung, was dem Erlernen der Sportart keinesfalls zuträglich ist. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass immer genug Bälle vorhanden sind, um Übungen flüssig umsetzen zu können.
Preis: knapp 2 € (bei Großhändlern oft wesentlich teurer als in Fachgeschäften)

Schuhe
Tatsächlich hat diese Materialanforderung nicht nur mit Floorball zu tun, zahlreiche Eltern unterschätzen aber die gesundheitlichen Risiken schlechten Schuhwerks im Sportunterricht. Billige oder modische Sneaker werden dann als Sportschuhe verstanden, was zur Folge hat, dass sich Kinder kaum sportartgerecht bewegen können (z.B. rutschige Sohle) und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen (z.B. Knöchelverletzungen). Auch Kinderschuhe sollten fest sitzen, eine entsprechende Federung und Polsterung vorweisen und rutschfest sein.
Preis: ab 40 € (rabattierte Kindermodelle)

Tore
Zum Start reichen Schulen kleine Tore. Auch deren Größe unterscheidet sich aber. Häufig greifen Schulen auf die kleinste Variante mit einer Breite von 60 cm zurück, wobei für Kleintor-Wettbewerbe wie den Mixed-Betrieb Tore mit einer Breite von 90 cm vorgeschrieben sind. Egal für welche Variante man sich entscheidet, Klapp-Lösungen sparen Platz und sind nicht teurer als geschweißte Tore. Große Wettkampf-Tore (Breite 160 cm) gibt es ebenfalls in Faltvarianten, doch sind diese trotz Zertifizierung aufgrund fehlender Stabilität für einen regulären Erwachsenenbetrieb nicht immer zu empfehlen.
Preis (2-Tor-Set): 60 cm ab 90 €, 90 cm ab 140 €, 160 cm ab 200 € (pro Tor);

Banden
Kaum eine Schule lässt sich auf eine Ausgabe von mehreren tausend Euro für eine Floorballbande ein und selten wird diese im Sportunterricht oder in verschiedenen AGs tatsächlich auch benötigt. In Zusammenarbeit mit Vereinen können für derartige Zwecke aber Fördergelder beantragt werden, so dass bei einem intensiveren Interesse einer Schule tatsächlich beide Seiten von einer Kooperation profitieren. Hersteller bieten dabei auch flexible Komponenten, die ein Großfeld schnell in drei Kleinfelder umbauen lassen.
Preis: Kleinfeld (28 x 16 m) ab 4.500 €, Großfeld (40 x 20) ab 5.700 €

Bildquelle: Kommerzielles Illustrationsmaterial der X3M Sweden AB

Was sind eure Erfahrungen mit Floorball-Material im Schul- und Kindersport?

Kommentare

  1. Die Finanzierung von Material kann! in Sachsen recht unproblematisch und bürokratiearm laufen wenn der AG-Leiter Teilnehmer am GTA (Ganztagesangebot ) seiner Schule ist. Da ca.100 Euro pro AG-Teilnehmer pro Schuljahr ausgeschüttet werden(ich hab dieses Jahr 32 Floorballverrückte …) kommen da schon ganz schöne Summen zustande über die ich relativ frei verfüge. Auch eine Bande ist auf diesem Weg schon angeschafft worden.

  2. Leider sieht es in NRW nicht so rosig aus. Hier müssen die Schulen jeden Cent doppelt beantragen und begründen. Und selbstverständlich immer das kostengünstigste Angebot nehmen.

  3. Es gibt aber auch in NRW Wege, dass die Schulen Geld ausgeben. Viele haben Fördervereine, die wiederum nicht an gesetzliche Bestimmungen gebunden sind. Über den Weg kann man dann auch ein wenig Material durch die Schule anschaffen lassen. Wir haben immerhin 2 große Tore sowie ein einigermaßen gutes Schlägerset, sowie Bälle bekommen für unsere Schul AG an der Hauptschule.

  4. Ich rate meinen Sportkollegen immer von den großen Ausstattern wie z.B. Thieme ab und verweise auf die paar spezialisierten Shops in Deutschland. Meist kaufen die Kollegen dann auch ordentliche Schlägersets. Es ist aber noch viel zu tun im Bereich Schule.