Klappe zu, Affe tot?

Die Kosten für Lilienthals Playdown-Phase bewegen sich im vierstelligen Bereich - obwohl die Relegation längst entschieden ist und keine Platzierungsrunde ausgespielt wird. / Foto: Andreas Schulz, batberlin.de

Die Kosten für Lilienthals Playdown-Phase bewegen sich im vierstelligen Bereich - obwohl die Relegation längst entschieden ist und keine Platzierungsrunde ausgespielt wird. / Foto: Andreas Schulz, batberlin.de

Die Playoffs sind mitreißend, die Playdowns müffeln. Der Aufstiegsverzicht von Bonn und Leipzig erntete gleichermaßen Verständnis wie Enttäuschung, sorgte nun aber für einen späten Nachhall. Doch was bedeutet dieses Dilemma wirklich und welche Chancen birgt es in sich? Ein Kommentar von Redakteur Jan Kratochvil.

Das wesentliche Problem bestand zuletzt darin, dass die fortlaufende Saison mit ihren Vorzeichen und ihrem Reglement eine Spannung aufgebaut hatte, die mit einem Mal zersprengt wurde. Ob die Verzichte Leipzigs und Bonns nun sportlich berechtigt sind oder nicht, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Bei den übrigen Mannschaften hinterließ dieser Zug jedenfalls Frust und eine sportliche Leere. Die Saisonplanung der Vereinsleitungen, die auf abschließende Saisonhighlights hingearbeitet hatten, wurde binnen weniger Stunden auf den Kopf gestellt.

Zwecks Restprogramm machten die betroffenen Teams zunächst gute Miene zu bösem Spiel. Die Saison bereits Ende Februar abzuschließen, ist für jeden leidenschaftlichen Floorballer eine Zumutung, würden ihn knapp sieben Monate „Sommerpause“ erwarten – im übrigen gut zweieinhalb Monate mehr als Teilnehmer des final4. Eine zusätzliche „Playon“-Runde war somit erträglich und offenbarte zwei mehr oder weniger leidenschaftliche Serien.

Weitere Kosten für eine zweite Playon-Runde wollten Chemnitz und Lilienthal vermeiden und stellten gemeinsam einen Antrag, um diese überflüssige Schlussphase absagen zu dürfen, zumal keine weiteren Platzierungen ausgespielt werden sollten. Der Verband habe sich aber entschieden, jenem Wunsch nicht zu folgen. Eine Zusage würde unter anderem das Eingeständnis bedeuten, dass zahlreiche Regelungen des Spielbetriebs einer dringenden Überarbeitung bedürfen.

Planen ist alles

Fest steht aber, dass sich eine derartige Situation nicht wiederholen sollte. Dazu, welche Lektionen man aus der entstandenen Bredouille ziehen wolle und welche Änderungen dies in Zukunft bedeuten würde, hatte sich die SBK noch nicht äußern wollen. Die Möglichkeiten liegen aber praktisch auf der Hand und reichen von einer Anpassung der Verzichtsfristen bis hin zu einer weitreichenden Reform des bundesweiten Ligabetriebs, die auch andere Probleme in Angriff nehmen könnte.

Zu den diesjährigen Rückzügen kann man geteilter Meinung sein. Es ließe sich argumentieren, dass die Reife eines Kaders unwesentlich sei, da in der kommenden Saison nunmal die zehn stärksten Mannschaften in der 1. Bundesliga antreten sollen und wenn man dazu gehört, dann hat man da auch zu spielen. Hohe Niederlagen gäbe es dann schlimmstenfalls gegen die Top3 (wobei sich diese an manchem guten Tag auch gegen Zweitligisten schwer tun), mit dem Rest der Konkurrenz könne man ausgeglichene Partien absolvieren. So würden auch junge Spieler wachsen und die 2. Bundesliga hätte keinen Verein im Wettbewerb, der dort leistungstechnisch nicht hingehört.

Ist der Start in der 1. Bundesliga aber aus logistischen Gründen finanziell nicht tragbar oder ist abzusehen, dass die Entwicklung des eigenen Kaders ein schwerer Umbruch erwartet, der ihre Konkurrenzfähigkeit zerschlägt, haben Vereine keine andere Wahl als – auch aus Rücksicht zu anderen Teilnehmern – auf einen möglichen Aufstieg zu verzichten. Diese Möglichkeit komplett abzuschaffen, könnte unter Umständen dazu führen, dass Mannschaften in entscheidenden Schlüsselspielen ihre eigene Leistung entsprechend drosseln – ein Umstand, den sich keiner wünschen mag, der unter solchen Bedingungen dennoch teils nachvollziehbar sein könnte.

Somit führt kein Weg an einer Vorverlegung der Verzichtsfristen vorbei. Tatsächlich lässt es sich von jedem Bundesligisten erwarten, dass er im Stande sein sollte – erneut auch aus Rücksicht zu anderen Teilnehmern – zumindest mit Aussicht auf ein bis zwei Saisons im Voraus planen zu können. Wer das nicht kann, sollte seinen Anspruch in einem bundesweiten Wettbewerb unterwegs zu sein sowieso überdenken. Weiß die entsprechende Verbandsinstanz nämlich bereits im Frühjahr 2013, welche Auf- und Abstiegsbereitschaft sie 2013/2014 erwarten darf, kann sie die Regularien eines Wettbewerbs sinnvoll anpassen – und spätere Überraschungen vermeiden. Auf Härtefälle, die auf tragische oder anderweitige unvorhersehbare Ereignisse zurückzuführen sind, kann immer noch Rücksicht genommen werden.

Mehr als ein Symptom

Blicken wir aber tiefer in die Entwicklung deutscher Bundesligen, stellt sich vielmehr die Frage, ob das aktuelle Modell, das in der kommenden Saison sogar die Erweiterung der 1. Bundesliga auf zehn Mannschaften erfahren wird, tatsächlich eine fördernde Konkurrenz ermöglicht und die Entwicklung der Sportart unterstützt. Der Verband hatte auf das Anliegen der meisten Erstligisten reagiert, die Meisterrunde abzuschaffen und weitere Mannschaften hochzuholen. Die entsprechenden Gremien haben es dabei mit den zahlreichen Wünschen und Bedürfnissen der Vereine alles andere als einfach und fanden zu einer Lösung, welche die meisten Gemüter befriedigte.

Die deutsche Floorball-Entwicklung ist jedoch in einem regen Wandel. Die Verbreitung der Sportart benötigt eine engagierte Breite und eine anspruchsvolle Spitze gleichermaßen – und noch viel mehr deren Koppelung. Die Bundesliga spielt die Rolle einer Darstellungsfläche, die Floorball mit allen in Deutschland verfügbaren Mittel in Bestform präsentieren soll. Wie könnte man also einen bundesweiten Spielbetrieb gestalten, der eine attraktive Bundesliga hervorbringt aber dennoch auf regionale Ansprüche Rücksicht nimmt?

Eine Lösung wäre beispielsweise der Aufbau einer zunächst zweigleisigen, später vielleicht sogar mehrgleisigen Bundesliga mit vorerst nur regionalem Unterbau. Ein derartiger Wettbewerb würde den Ambitionen und Möglichkeiten deutscher Vereine am nähesten entgegenkommen und ist auf lange Sicht vermutlich unvermeidbar. Die Bundesliga könnte zunächst beispielsweise aus jeweils acht Teams im Nord-Westen und Süd-Osten bestehen. Insgesamt würden jeweils vier Mannschaften, insgesamt acht, die Playoffs erreichen, eine Playdown-Runde würde potentielle Absteiger ermitteln.

In Nordamerika sind aus gutem Grund praktisch alle Sportwettbewerbe in Counties, Divisions oder Conferences zerpflückt. Selbst Schwedens zweithöchster Floorball-Wettbewerb, die Allsvenskan, der den Professionalisierungsgrad der Bundesliga natürlich weit überschreitet, fügt sich aus zwei Staffeln zusammen. Und sollten der Westen und Süden Deutschlands auch auf Bundesliganiveau nachziehen können, ist eine eingleisige Bundesliga sowieso nicht mehr lange überlebensfähig. Eine 2. Bundesliga wäre zunächst überflüssig – vielmehr würden die übrigen Vereine ihre Aktivität in den Regionen verstärken müssen und könnten nicht aus schwachen regionalen Wettbewerben „auf Wunsch“ in die zweite Liga flüchten wie dem in manchen Landesverbänden der Fall ist.

Für Bundesligisten würden Gesamtkosten relativ sinken und Bonn oder Köln müssten nicht befürchten, dass sie bei einem Aufstieg die halbe Saison im Auto verbringen und das halbe Budget Aral & Co. in den Allerwertesten schieben. Vereine, die an der höchsten Spielklasse schnuppern, aber Befürchtungen haben, dass ihre junger Kader verheizt würden, dürften nicht nur gegen Titelkandidaten Erfahrungen sammeln, sondern auch gegen eine ausreichende Anzahl eher gleich starker Teams eine spannende Konkurrenz ausspielen. Und auch die Vermarktung des Wettbewerb hätte endlich bundesweites Potenzial.

Schon wieder den Modus ändern? Ja, wieso nicht? Schrittweise zumindest. Floorball ist in Deutschland in der vermutlich kompliziertesten Entwicklungsphase einer Sportart, die man sich vorstellen kann. Kontinuität und Flexibilität sind dabei gleichermaßen gefordert und sämtliche Strukturen müssen wach und behutsam an Bedürfnisse der Entwicklung angepasst werden können. Das diesjährige Problem ist keine Ausnahme, es wird sich in den kommenden Jahren wiederholen und Ideen müssen her, um es zu lösen.

Jan Kratochvil ist als Bundesligaspieler und ehemaliger Bundestrainer auch als Herausgeber des Floorballmagazins und regelmäßiger Floorball-Experte von Eurosport in der Welt des Lochballs unterwegs.

Kommentare

  1. Wobei ich Deutschland nicht als Multi-Division Land sehe, zumindest nicht auf höchster Ebene. Schweden ist groß und in den US und A ist es Tradition. Bei uns haben Bundesligen die Tradition, bundesweit zu sein. Daran sollte man auf höchster Ebene auch festhalten. Ich sehe hier eher die 2. Ligen in der Form der Divisions und daher mit wachsendem Markt auch eher 3 oder 4 dieser leicht regionalen Ligen statt der bisherigen 2. Aber 8-12 Elite Teams, denen es möglich ist, in einer gesamtdeutschen Liga zu spielen, sollte es bei über 150 Vereinen immer geben. – Aber eigentlich ist doch alles gut – Mit Bonn gibt es zumindest für nächstes Jahr einen Aufstiegsaspiranten, dazu ggfs. SC DHFK oder Köln. Von daher ist das Interesse, auch an einer 10-Teams umfassenden 1. BL da und die Sorgen nach der Breite müssen nicht auf dieser Ebene behandelt werden. Das aktuelle Problem ist meiner Meinung nach also keines, welches komplette Reformen nötig macht. Es zeigt lediglich die Ohnmacht des Verbandes, entsprechend flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Und da das Problem der späten Rückzüge von Bonn und Leipzig FVD-hausgemacht ist, hätte man an dieser Stelle schon mehr Weitsicht des FVD erwarten dürfen, wenn Vereine entsprechend auf Veränderungen reagieren und einen solchen Antrag stellen. Was nützt es am Ende, wenn wir einen 7. und 8.-Platzierten haben, aber nicht wissen, wer 5. oder 6. ist? Dann interessiert die Platzierung insgesamt niemanden, lediglich Fahrtkosten wurden verheizt – unabhängig von dem Punkt, dass beide Vereine diese nicht aufbringen könnten.

  2. Der Artikel wurde mit wohl mit Scheuklappen aus der Sicht eines „großen“ Vereins geschrieben. Die Sicht der „kleinen“ Vereine wurde sträflich weggelassen.
    Ich find den Vorschlag die Meldefrist vorzuverschieben sehr kontraproduktiv. Das führt nur dazu, dass Vereine, die sich nicht sicher sind lieber früher den Verzicht erklären als später. Und wer den Fehler macht einmal nicht zu verzichen und plötzlich berufs- oder transferbedingt 2-3 wichtige Spieler weniger hat, steht vor großen Strafen und Problemen.
    Auch der Vorschlag die 2. Bundesliga im Falle der vorgeschlagenen Teilung der 1. Buli wegfallen zu lassen ist total falsch. Die Teams, die in der 2. Bundesliga spielen, spielen dort weil sie sich eben nicht mehr weiter mit einer teilweise großen Qualitätsbreite messen wollen sonder weil es eben Spaß mach gegen wettbewerbsfähige Teams anzutreten.
    Und die Planbarkeit auf 1-2 Saisons im Vorraus anzusetzen ist etwas blauäugig. Nicht überall herschen die luxioriösen Verhältnisse wie in Berlin, WSF oder Wernigerode, wo man aus großen Jugendabteilungen schöpfen kann. Und auch nicht jeder Verein ist so frech und versucht krampfhaft die guten Spieler anderer Vereine zu sich zu holen und so der niederklassigen Mannschaft ein großes Loch zu hinterlassen. Umgekehrt tragen nämlich solche plötzlichen „Transfers“ auch zu den Problemen bei, die dann die Vereine in der 2.BL und den Regionalligen haben.

  3. Also ich kann die Argumente von Jan eine zweigleisige Bundesliga einzuführen nachvollziehen.

    Weil wenn die Entwicklung im Süden und Westen wirklich weiter voran schreitet….

    Ich weiß nicht, welche Bundesligisten sowohl die finanziellen Mitteln haben, wie auch die Motivation in einer Liga zu spielen, die aus:

    -WSF
    -Leipzig
    -Berlin
    -Neuwittenbek (nähe Kiel)
    -München
    -Köln
    -Bonn
    -Ingolstadt
    -Heidelberg
    -Bremen

    besteht (ohne den jetzt nicht genannten Vereinen zu unterstellen demnächst abzusteigen ;-).

  4. Danke Fabe, dass du an uns gedacht hast ;).

    Ich finde die Idee auch nicht ganz schlecht. Natürlich kann es nicht nächste oder übernächste Saison umgesetzt werden, aber mittelfristig ist es etwas worüber nachgedacht werden sollte. Es rücken immer mehr Teams nach und der Schritt von 2ter Liga zu Buli ist momentan noch rießig. Und das nicht leistungsmäßig, sondern vor allem finanziell und strukturell. Ich bin auf jedenfall gespannt wie es sich entwickeln wird. Es mischen ja genug schlaue Köpfe mit. Ich bin zuversichtlich.

  5. Wobei rein namentlich die derzeitigen 2. Ligen eher Regionalligen sind. Ich schliesse mich David an und hoffe es wird keine räumliche Trennung der 1. Bundesliga geben.

  6. Auch wenn es praktisch jetzt schon Vereine davon abhält am Wettbewerb teilzunehmen, würde ich versuchen eine Mehrgleisigkeit der 1. Bundesliga so lange es geht zu vermeiden. Das zerfranst den Wettbewerb nur. Das versteckte Problem ist meiner Meinung nach aber die 2. BL.

    Warum wir sie jetzt schon haben müssen, frage ich mich aber fast jeden Tag – auch wenn ich selber in ihr aktiv bin. Und gerade wenn man die Sache mit den Augen der kleinen Vereine sieht (@Dieter – ich denke, du bist eher mit den Scheuklappen eines „nicht-so-kleinen-und-nicht-ausreichend-großen“ Vereins unterwegs), ist es doch offensichtlich, dass erstens ein Großteil der Teams keinerlei „Bundesliga-Niveau“ hat (darunter verstehe ich nicht alleine die Fähigkeit im zweithöchsten Wettbewerb zu spielen, sondern auch Kompetenzen wie sportliche Ausbildung, Entwicklungsplanung, Vermarktung etc.) und zweitens, dass die wirklich kleinen Vereine auf lokalem Niveau eher davon profitieren würden wenn Vereine wie Ingolstadt oder BAT II die dünn besetzten Regionalligen ergänzen und dort eine stärkere Konkurrenz ermöglichen und aufbauen würden.

    Das Resultat ist nämlich häufig, dass Spieler, die der Entwicklung ihrer regionalen Vereine viel geben könnten „Bundesliga“ hören und in einen fremden Verein flüchten weil der Wettbewerb dort ein (übrigens auch nur vermeintlich) höheres Niveau hat. Ich bin also auch dafür die anspruchsvollen Teams der 2. BL in die 1. zu holen und den Rest in die regionalen Spielbetriebe zu platzieren. Langfristig wäre das für die Entwicklung der richtige Schritt. Und wenn ihr unbedingt das Label 2. BL behalten wollt, dann zersplittert sie doch auf was weiß ich fünf, sechs oder sieben Staffeln und nennt sie wie ihr wollt. Ich habe nix dagegen, dass es eines Tages eine solide 2.BL gibt, aber dann müssen dort Vereine unterwegs sein, die im Stande sind langfristig zu planen und zu arbeiten.

    Außerdem denke ich sehr wohl, dass jeder Verein, der sich entwickeln möchte und bundesweit aktiv sein will im Stande sein muss wie im Artikel geschrieben zu wissen, wo er in der jeweils darauf folgenden Saison zu spielen im Stande ist. Dass es viele jetzt nicht sind, liegt nicht daran, dass sie nicht können, sondern daran, dass sie nicht müssen – und da müssen wir sie viel strenger in die Pflicht nehmen.

    Jedenfalls finde ich den Beitrag sehr produktiv. Gut, wenn er zu Diskussionen führt!

  7. Aber wenn du zu jedem Spiel 400 – 650 Kilometer fahren musst.
    Dann führt es dazu, dass du an sich einen Tag vorher anreisen musst.

    Dann bist du als Bundesligaspieler grundsätzlich 2 Tage für jedes Auswärstspiel unterwegs, von den Kosten ganz zu schweigen.

  8. Es „darf“ sich ja jeder aussuchen wo er spielt…If you can’t stand the heat, don’t play with fire.

  9. Die Frage ist doch, ob sich 8 – 10 finden, die sich das aussuchen.

    Aktuell ist es ja noch ein Segen, dass sich alles auf nördlichen Seite des Landes abspielt.
    Ich finde auch nicht, dass es aktuell nötig ist.
    Aber wenn es so kommt, dass viele Bundesligisten aus ganz unterschiedlichen Regionen kommen, dann muss die Sportart in Deutschland einen großen Entwicklungsschritt hinsichtlich der Breite und der Professionalität machen, um so einen Betrieb mit vielen Teams zu stemmen.

  10. Casper spricht mir aus der Seele: Das eigentliche Problem ist auch meiner Ansicht nach die 2. Bundesliga. Entstanden ursprünglich als reine Ost-Liga, war mit der Gründung einer zweiten Staffel Nord-West der Weg zur regionalen Aufteilung vorgeebnet. Und die muss es mittelfristig auch geben.

    Aber zwei Staffeln reichen zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen aus. Solange Floorball Deutschland und die Landesverbände um die besten Teams konkurrieren, schadet das der Gesamtentwicklung mehr als dass es nutzt. Zumal die Voraussetzungen ungleich sind, da die Teams einfach dort melden können, wo sie möchten, und der Bundesverband bei großem Andrang auf die 2. BL einfach eine dritte oder vierte Staffel hinzufügen kann, während die Landesverbände mehr oder minder hilflos mit ansehen müssen, wie ihnen die Teams abspenstig gemacht werden und ihren Regionalligen das Wasser abgegraben wird.

    Denn wer will nicht schon gerne in der „Bundesliga“ spielen? Doch was ist eine 2. BL schon wert, unter der es nichts anderes gibt oder allenfalls eine Regionalliga, die aus drei oder vier Mannschaften besteht? Das ist nichts anderes als Ettiketenschwindel und für eine nachhaltige Entwicklung unserer Sportart absolut kontraproduktiv.

    Mal ganz abgesehen davon, dass die meisten Vereine in der Tat nicht die professionellen Strukturen haben, die man benötigt, um in der höchsten bzw. zweithöchsten deutschen Klasse zu spielen. Wer „Bundesliga“ spielen will, darf sich nicht beschweren, wenn dann die Kosten und der organisatorische Aufwand steigen. Und dass dann der eine oder andere Spieler den Verein wechselt, auch das ist normal. Konkurrenz belebt das Geschäft.

    Das jedoch gilt nur solange, wie der Bundesverband nicht durch die Gründung neuer Staffeln ständig neue „Bundesliga“-Teams kreiert und mit seinem BL-Monopol die besten Teams aus den Regionalligen abspenstig macht. Klar ist, dass den besten Teams aus allen Regionen der Aufstieg in die 2. BL nicht verwehrt werden kann und darf, und wenn die Landesverbände es nicht schaffen, jedes Jahr auf einen (!) Verein in ihrem GF-Spielbetrieb zu verzichten, dann haben sie ihre Hausaufgaben (für „Nachwuchs“ zu sorgen) nicht gemacht.

    Und um auch das noch mal klar zu sagen: Ich bin zwar mittelfristig durchaus für den Ausbau der Bundesliga und eine Regionalisierung, zumindest in der zweithöchsten Liga, aber bitte erst dann, wenn der dafür nötige Unterbau solide genug ist, um die Spitzenligen auch sicher zu tragen, ohne selbst in Existenznot zu geraten. Andernfalls hat eine „Bundesliga“ ihren Namen schlicht und einfach nicht verdient.

  11. an David Reich: ich habe jahrelang Hockey (Feld- +Hallenhockey) in der 1. und 2. Bundesliga gespielt und da wurde und wird in 4 ( Ost Süd West Nord ) bzw. 2 ( Südost [von Stuttgart bis Berlin] und Nordwest [von Heidelberg bis Hamburg] ) „Devisions“ gespielt. sowohl bei den Männern als auch Frauen.

    außerdem hatten wir immer Doppelwochenenden, heißt Sa. und So. Spiel.

    ich fand beide Regelungen als SportlerIn gelungen.

  12. Ich finde es gut, dass eine Diskussion entsteht, weil über solche Themen mittlerweile viel zu wenige gesprochen wird. Ich denke zu einzeiligen Floskeln der Kommentare muss man sich nicht äußern, bis jetzt habe ich aber kein Argument für die aktuelle 2.BL gelesen, dass die Entwicklung der Sportart und nicht das Interesse einiger weniger Akteure berücksichtigen würde. Juergen hat völlig recht und weiß als wichtiger Entwickler wovon er spricht.

    Und eigentlich haben wir bereits jetzt die Situation, dass es zu viele Verein gibt, die leistungsmäßig in den nächsten ein, zwei oder drei Jahren 1.BL versuchen könnten, es aber werden ablehnen müssen, weil die Kosten und der Aufwand durch die Eingleisigkeit viel zu hoch sind. Und deshalb ist das Problem bereits jetzt aktuell.

    Dass einige Erstligisten monieren werden, dass die Bundesliga damit zerfranzt wird, ist mir eigentlich egal. Im Mittelpunkt sollte die Entwicklung stehen und die Bundesliga muss ihre Funktionalität entsprechend unterordnen.

    Außerdem sehe ich es genauso wie im Artikel, dass wenn man vom Verband erwartet, dass er im Frühjahr 2012 bereits den Modus für die Saison 2013/2014 vorgibt, dass die Vereine bereit sein müssen (auch wenn sie dann eher tiefer stapeln sollten), genauso weit in die Zukunft Verpflichtungen einzugehen. Da kann mich niemand vom Gegenteil überzeugen.

    Und Dieter, bei dir weiß ich nicht, wo ich anfangen soll – 1) Wenn ein Verein nach 2-3 Spielerabgängen Strafen befürchten muss oder vollkommen konkurrenzunfähig ist, dann gehört er nicht in irgendeine Bundesliga! 2) Wenn die 2.BL die regionale Entwicklung nicht unterstützt (Stichwort: Konkurrenz zu Landesverbänden), aber auch nicht als Vermarktungsinstrument dienlich ist, hat sie noch (!!!) keine Daseinsberechtigung, weil die Vereine eher die Regionalligen stärken müssen. 3) Und zu der Planbarkeit habe ich mich schon geäußert. Hier passt der Satz aus dem Artikel gut, weil wer nicht auf eineinhalb Saisons grundlegende Sachen planen kann, gehört nicht in eine BL!

  13. Schon klar, dass es auch anders (mit Divisions) geht. Aber das ist meiner Meinung nach auf allerhöchster Ebene nicht nötig. Es gibt und gab immer 8-10 Vereine, die finanziell und strukturell an einem bundesweiten Wettbewerb teilnehmen konnten, warum sollte man das ändern? Auswärtsspiele in 500 km Entfernung sind für diese Vereine normal, dazu deutschlandweite Pokalwettbewerbe – morgens hin, abend zurück – kein Problem. Diese Vereine und diese Spieler wollen und können es stemmen, weil sie die Sache professionell angehen. Dass der Schritt von der 2. BL zur 1. BL groß ist, ist klar. Aber wo ist das nicht so? Basketball – selbes Problem, hier wird sogar ein Mindestetat gefordert. Fußball – man sieht ja, wie gut Hertha und Augsburg mithalten können. Ist also kein Argument, denn in der 1. BL sollte man nicht spielen, weil man Bock auf Zocken hat, sondern weil man seinen Sport professionell betreibt und ein gesamter Verein an nötigen Strukturen arbeitet. Wer dazu nicht bereit ist, hat auch in der 1. BL nichts verloren. Und genau für diese Mannschaften, ist eine mehrgleisige 2. BL doch in Ordnung. Es gibt eine regionale Aufteilung – 2. BL West/Süd/Ost/Nord – hier kann jeder spielen, den Aufstieg schaffen dann jedoch nur die besten. Glaube nicht, dass sich die aktuellen Bundesligisten auf höchster Ebene in einer regionalen Bundesliga mit Mannschaften messen wollen, die eben „nur“ Lust auf Spielen haben und entsprechend das Event „Bundesligaspiel“ nicht auf die Beine bekommen. Im Endeffekt schadet das unserer Sportart mehr, als es ihr gut tut.

  14. Und täglich grüsst das Murmeltier…

    Viele tolle Beiträge zum ewigen leiden Thema. Es wird von der Spitze nach unten gedacht, statt andersrum. Die zentrale Frage wird noch viele Jahre bleiben müssen: was dient der nationalen und damit auch internationalen Entwicklung der Sportart am meisten?

    Dann stellen sich die (teilweise selben) Fragen ganz anders, z.B.

    Wie gestalten wir unsere Wettbewerbe, damit möglichst viele neue Vereine motiviert sind am Spielbetrieb teilzunehmen?
    Stichwort: Masse/Breite

    Wie gestalten wir unsere Wettbewerbe, damit die Spieler/innen möglichst lange aktiv bleiben und so motiviert sind, dass sie danach z.B. als Trainer erhalten bleiben?
    Stichwort: aktive Gestaltungs- und Mitsprachemöglichkeiten und Nachhaltigkeit

    Wie gestalten wir unsere Wettbewerbe, damit Zuschauer, Presse und Sponsoren auf Floorball aufmerksam werden und investieren?
    Stichwort: Packende Spiele auf Augenhöhe/Enge Resultate + möglichst wenig Kraft und Geld fliesst in die Rachen von Aral, Shell & Co., sondern in Vereinsgründungen, Nachwuchs und top Events, inkl. Öffentlichkeitsarbeit.

    Warum nehmen derzeit nur Teams aus dem Nordosten an der 1. BuLi teil?
    Da gebe ich die Antwort direkt: Vor allem weil die 1. BuLi bis vor 3 Jahren von HH und HB abgesehen reine Ostligen waren und dies im Kern immer noch so ist und somit jedes neue Team v.a. aus Süd und West im Falle eines Aufstiegs von einem Moment auf den anderen ein 2-3-fach höheres Finanzvolumen investieren muss. Das kann keines tun.

    Ergo, würde die 1. BuLi ganz neu aufgebaut, z.B. (!) in 4 Divisionen mit Playoffs:
    1) so hätte auch der Süden und Westen endlich die Möglichkeit die Entwicklung mit gleichen Chancen mit dem Osten voranzutreiben. Ansonsten bleibt in der 1. BuLi noch mind. 5 Jahre alles beim Alten.
    2) so könnten (sogar im Süden) Divisionen mit 6 Teams gespielt werden, welche sich innerhalb von 2-3 Jahren einigermassen auf Augenhöhe begegnen und in den Playoffs würde es richtig knallen.
    3) den regionalen Spielbetrieben gehen keine Teams verloren und es gibt Derbies
    4) aus den überregionalen Divisionen der 1.Buli gibt es per sofort heisse Auf- und Abstiegspiele mit Regionalligen und ev. sogar Verbandsligen
    5) Mannskraft und Fahrtkosten können für regionale Entwicklung, Events, etc. eingesetzt werden.
    6) sogar ich bin glücklich

  15. Die Diskussionen finde ich sehr gut. Größtes Problem bleibt und ist der Nachwuchs. Einige Mannschaften haben es über Jahre nicht geschafft eine Grundstruktur aufzubauen (so auch wir – Floorball/unihockey gibt es beim SSC bereits seit über 25 Jahren), sei es denn aus der Notwendigkeit, der Finanzen wegen oder einfach wegen des fehlenden Nachwuchses (Wir haben Wellen von Zulauf und der ebbt dann ab). Im Westen kommt der Sport erst nach und nach. Wir haben mittlerweile bei unseren Heinspielen regelmäßig ca. 150 Zuschauer, wovon sich viele andere Bundesligisten sehnen würden. Aber unser Verein ist in der Hinsicht Nachwuchs sehr schwach. Wir haben es dieses Jahr geschafft, eine U13 Gruppe auf die Beine zu stellen, auf der anderen Seite brechen uns Spieler wegen Arbeit oder Studium reihenweise weg. Was mich wundert, warum jeder an der 1. Bundesliga festhält, warum nicht weiter unten anfangen? Im Fußball oder sonst wo gibt es Kreisligen, oder Bundeslandspezifische Ligen. Wir sind der erfolgreichste Verein im Kleinfeld der letzten 10 Jahre (immer auf dem Treppchen und aktuell 3- facher Deutscher Vizemeister) – und das obwohl es dort nur eine Regionalliga gibt als höchste Spielklasse. Warum gibt es dort keine 1. und 2. Bundesliga. Teams gäbe es zu genüge. Nein, wir haben Verbandsligen in mehreren Staffeln. Hier sollten wir ansetzen. Dann macht eine Bundesliga und 4 Staffeln Regionalliga. Dann spielen ggf. die Meister dieser Staffeln in Playoffs um den Gesamtsieger und die besten 2 spielen um den Aufstieg in die höchste Liga der Bundesliga. Aktuell ist der Osten noch Nummer 1 in der Anzahl hochklassiger Mannschaften zumindest im Großfeld. Aber durch systematische Jugendarbeit wird der Westen die nächsten 5 Jahre nachziehen. Dann verändert sich das Bild. Wir haben nunmal noch zu wenige Vereine, die vor allem die finanziellen Aspekte unterschätzen. Die Kosten für Spieltage sind enorm hoch, das ist im Fußball oder Handball nicht so. Allein die Schrikosten von 200 – 400 Euro je Spieltag sind Wahnsinn. Die Belastungen der Vereine umso höher. Hier könnte ich mir auch gut vorstellen, dass Vereine vom Verband gefördert werden. Hier sehe ich noch viel zu wenig von Verband. Da kämpft jeder alleine. Klar müssen sich Leute finden, die die Arbeit nebenbei machen. Aber eine kleine Gruppe die fest gestellt ist, könnte durch die Lande ziehen und die Schulen begeistern hockey zu spielen, Grundausrüstungen dalassen und das hart verfolgen. Ohne Jugend, wirds dabei bleiben. Viele hochklassige Mannschaften sind überaltert. Es gibt sehr viel zu tun. Wir helfen wo wir können, werden aber teilweise durch Bürokratie gebremst bzw. bestraft. Wir kämpfen weiter für den Floorball. Auf gehts. Macht mit und tut was in eurer Macht steht. Viele Grüße.

  16. @david reich: eure Arbeit wirklich in allen Ehren. Aber bitte: was ist denn professionell? Was an der Arbeit in Chemnitz und den anderen Vereinen der 1. BuLi ist professionell?

    Wer hat ein lokales und regionales Entwicklungskonzept (Graswurzelarbeit, Strukturarbeit in Landesverband, Aufbau von „Farmteams“ o.ä.), wer arbeitet professionell in Trainingsbetrieb, Jugendarbeit, Finanzen, PR, Marketing?

    Sorry, ich kann es nicht anders schreiben, ich finde dieses Gelaber über Professionalität einfach nur lächerlich.

  17. Einfach mal ein paar Zahlen etwas sehr gewagt über den Daumen gerechnet, wenn die 1. BuLi in vier Divisionen geteilt würde:

    Min. 8000-10.000 EUR weniger Fahrtkosten für die Teams (in Summe)
    Min. 2-3000 EUR weniger Kosten für Schiedsrichter
    Min. 2000 Stunden weniger Fahrtzeit (alle Spieler zusammen)
    Dann werden auch noch die Kosten für Lizenzen, Übernachtungen, etc. kleiner.
    Und und und
    Die Verbände lassen selbstverständlich auch noch Geld in einen Graswurzel-Entwicklungstopf fliessen.

    Wenn diese gesamthaft vorhandenen Ressourcen wirklich professionell in mind. 4 Teilzeitmitarbeiter (pro Division einer) investiert würden, welche nur dafür da sind Vereine aus dem Boden zu stampfen (siehe die „Task-Force“ von Floorball Deutschland Ende 2011) in Zusammenarbeit mit den hochprofessionell arbeitenden Bundesligisten

    und

    wenn die vielen Spieler weniger durch die Republik rasen, sondern zum Verein im Nachbardorf für Aufbauarbeit (Probetrainings, Schul-AGs, etc.) dann haben wir in 5-10 Jahren wirklich eine Basis, auf der wir aufbauen können.

    Aber doch nicht, in dem wir über Rückzugsfristen und Reglemente diskutieren.

  18. @babbel
    Ich denke, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Natürlich kann man sich streiten, was Professionalität bedeutet (ein bestimmter Anteil an Vollzeit-Angestellten, spezielle Qualifikationen der Funktionäre, leistungsorientierte Einstellung der Spieler, ausgebildete Übungsleiter u.ä.), aber ich denke wirklich, das Vereine wie Chemnitz, Wernigerode oder Weißenfels ein grundlegendes Maß an Professionalität in Bezug auf Spielerbetreuung (bei den Devils ist das schwer zu sagen), Vermarktung (nicht wirklich der UHC), sportliche Ausbildung (insbesondere der UHC), Werberakquise etc. bereits aufbauen konnten und dass der Rest hier nachzuziehen versucht.

    @david reich
    Auswärtsspiele von 500km sind zwar normal, aber sehr belastend, zeitlich und finanziell. Außerdem gibt es innerhalb der Vereine unzählige Spieler, die gerade wegen dieses Aufwandes zurückziehen mussten. Und es kommt natürlich aus einer bequemen Sicht eines Chemnitzers zu sagen, paar mal 500 km zu fahren ist nicht schlimm. Für euch ist es paar mal, weil ihr sonst im Osten schon da seid. Stell dir aber vor München, Stuttgart oder Köln hätten für die kommende Saison einen BL-Kader und (rein theoretisch) das Aufstiegsrecht. Die Jungs würden die halbe Saison im Bus (bei vielen müssen eigene PKWs hinhelten) verbringen müssen und vermutlich völlig zurecht sagen, ihr spinnt doch!

  19. @babbel

    Deine Argumentation ist viel zu einseitig und ohne das nötige Hintergrundwissen. Deinen Worten nach schadet eine eingleisige 1. Bundesliga sogar dem Floorball, seiner Entwicklung und dem Erreichen einer breiten Masse. Völliger Blödsinn! Schau dir mal die größten Vereine Deutschlands an, unter diesen findest du alle Bundesligisten, die über zahlreiche Nachwuchsmannschaften und dementsprechend auch Mitglieder verfügen. Deiner Argumentation nach ist dies gar nicht möglich, denn die Bundesligaspieler sind doch viele Tausend Stunden im Jahr unterwegs und werfen ihr Geld Aral & Co hinterher – wie soll da noch der Sport entwickelt werden? Gerade diese Spieler sind es, die zusätzlich zu ihren 3 Trainingseinheiten + Spieltagen an freien Wochentagen in der Halle stehen, und den Sport dem Nachwuchs vermitteln. Schau dir nur mal die Nachwuchsteams der Bundesligamannschaften an und wer hier hinter der Bande als Trainer steht. Mehr noch – allein der Fakt „1. Bundesliga“ zieht neuen Nachwuchs in diese Vereine und motiviert zahlreiche Kinder, irgend wann auf vergleichbarem oder höherem Level zu spielen. Wo sind denn die ganzen Großvereine, die nicht in der Bundesliga spielen und demnach viel Zeit für Nachwuchs, Nachbardörfer und Co haben? Gerade die strukturstarken Bundesligisten sind es, die genau das machen, wovon du offenbar nichts weißt –> Probetrainings, Schul-AG’s!
    Außerdem, was für eine eigenwillige Haltung ist das? Nicht jeder Spieler will jeden Tag irgendwo beim Aufbau eines neuen Vereins helfen oder Floorball entwickeln. Viele wollen auf hohem Niveau nach leistungssportlichem Vorbild den Sport verfolgen – und das ist auch gut so, denn in jedem Sport geht es letztendlich vor allem auch um Leistung!

    Deine Rechnung bzgl. der möglichen Spareffekte – feine Milchmädchenrechnung! Die Vereine in der 1. Bundesliga können die Ausgaben stemmen und sind entsprechend finanzkräftig, dass es auf 800 € mehr oder weniger Fahrtkosten und 300 € mehr oder weniger Schiedsrichterkosten nicht ankommt. Allein der Fakt, dass diese Vereine in einer bundesweiten 1. Bundesliga spielen, bringt Mehreinnahmen durch Sponsoren und Zuschauer.
    Im übrigen prima, wenn, wie von dir errechnet, die Lizenzkosten bei einer Teilung der Bundesliga kleiner werden würden! Sicher verzichtet der FVD gern auf eine Teil seiner Lizenzeinnahmen.

    Zum Thema „Wie gestalten wir unsere Wettbewerbe, damit…“ – vollkommen unlogisch! Du willst spannende Spiele auf Augenhöhe ohne große Fahrtkosten, damit dies für Sponsoren und Zuschauer interessant ist? Gleichzeitig willst du die 1. Bundesliga in Divisionen teilen, damit dann Weißenfels auf Magdeburg und Hamburg auf Sedelsberg trifft. Wo siehst du hier knappe Ergebnisse und Spiele auf Augenhöhe? Geschweige, dass es irgend einen Zuschauer nach dem fünften 25:2 noch interessiert, die Presse ernst nimmt und Sponsoren bereit sind, mehr zu zahlen. Spieler ziehst du damit sicher nicht an und Motivation für die kleinen Teams ist es auch nicht.

    Weiterhin schreibst du, dass der Westen und Süden die Chance hätte, in der Entwicklung mit dem Osten gleichzuziehen, würde es 4 regionale Bundesligen geben. Wie du sicher weißt, bedarf es hierzu erstmal genügend Vereine, die auch in diesen Ligen spielen wollen. Nicht ohne Grund, kommt zur neuen Saison wieder keine 2. Bundesliga Süd zusammen. Hierfür gab es nicht genügend Interessenten, obwohl dann genau die von dir propagierte regionale Aufteilung bestünde! Außerdem hattest du argumentiert, dass viel eher an der Basis gearbeitet werden sollte – gleichzeitig schreibst du aber, dass der Westen nur mit dem Osten gleichziehen kann, wenn auch der Westen einfacher in einer BL spielen könnte? Erkläre mir mal den Zusammenhang, wenn doch die Basis das wichtigste ist, um in einer Entwicklung gleichziehen zu können.

    Es ist ebenso unrealisitisch davon zu sprechen, dass wir in 5-10 Jahren eine breite Basis hätten, auf der man aufbauen könnte, wenn wir eine gesamthafte 1. BL abschaffen würden. A) Eine ausreichende Basis gibt es nicht! Selbst mit 30.000 lizenzierten Spielern wären wir in Deutschland knapp unterhalb der Wahrnehmungsschwelle einer bekannten Sportart und müssten täglich weiter an der Entwicklung arbeiten. B) Bietet eine 1. Bundesliga in der jetzigen und zukünftigen Form überhaupt erst die Möglichkeit, für Wahrnehmung unseres Sports zu sorgen und damit Medien, Sponsoren, Zuschauer und Nachwuchs zu akquirieren. Aktuell spielen rund 160 Spieler in der 1. Bundesliga, das entspricht 1,6% aller lizenzierten Spieler in Deutschland. Und du willst allen Ernstes sagen, dass wir auf diese Zahl Spieler nicht verzichten können und diese viel mehr in der Entwicklung benötigen, als jedes Wochenende in der Bundesliga?

    Zum Thema Professionalität: Zieht man in Betracht, dass 99% im Ehrenamt abläuft, kann vielen Bundesligisten sehr wohl eine Professionalität attestiert werden. Die Finalspiele der Bundesliga ziehen jedes Jahr mehr als 1000 Zuschauer an, das ist mehr als mancher Verein in der 3. Bundesliga Fussball zu seinen Heimspielen begrüßt. Bist du schon mal durch Weißenfels gefahren? Da wird an zentralen Hauptverkehrsstraßen für unseren Sport geworben. Hast du schon mal Donnerstags im regionalen Fernsehen eine komplette Bundesligapartie zur Prime Time verfolgt? Hast du schon mal einen der 40.000 Flyer in der Hand gehalten, die in Chemnitz im Rahmen eines Bundesligaspiels in der lokalen Presse erhältlich waren? Hast du schon mal von einem Ausrüstungspaket über mehrere Tausend Euro für dein Team profitieren können? Standest du schon mal in Wernigerode vor dem Rathaus, nachdem du dich ins goldene Buch der Stadt eingetragen hast? Vielleicht orientierst du dich beim nächsten Post an den Fakten und sparst vorerst mit deiner herablassenden Haltung über die Professionalität. Ich will nicht sagen, dass in diesem Punkt das Ende der Fahnenstange erreicht ist, aber abgesehen davon, dass unsere Sportart mehr Randsportart ist, als uns allen lieb ist, wird bei vielen Bundesligisten sehr sehr viel erreicht.

    Wer dies jetzt für einseitig aus Sicht eines Bundesligisten hält – ich wollte hier nur auf die Punkte von Babbel eingehen, die meiner Meinung nach unrealistisch sind. Insgesamt sehe ich es so: diese Diskussion muss keine „Entweder/Oder“ Diskussion sein. Entweder wir haben eine 1. Bundesliga und vernachlässigen die Basis oder wir arbeiten an der Basis und pfeifen auf eine 1. Bundesliga. Quatsch! Wir brauchen beides. Ein Aushängeschild, was sich vermarkten lässt, was Sponsoren auf uns aufmerksam macht und Kinder begeistert. Und wir brauchen eine Basis, die wir genau mit dieser Aufmerksamkeit und dem geweckten Interesse aufbauen und füllen. Das eine schließt das andere nicht aus, denn die Bundesligisten tragen mit ihren 160 Akteuren genauso, wenn nicht sogar noch stärker, zu einer regionalen Entwicklung bei. Und die vielen kleinen, ambitionierten Teams können den Sport genauso gut in ihren Regionen vorantreiben, wenn der Gegner beim nächsten Spiel nicht TV Lilienthal oder BAT Berlin heißt. Und da neue Vereine sowieso immer erst in einer Regionalliga starten, muss um die Basis nicht gefürchtet werden, denn diese wird damit automatisch erweitert. Würden wir hier von einer Aufstockung der 1. BL von 8 auf 16 Teams reden, könnte ich die Diskussion noch nachvollziehen – es handelt sich hier aber um 10 Teams – bei über 150 Vereinen in Deutschland sollten praktisch noch genügend andere Mannschaften bleiben, um die unteren Ligen zu füllen. Und welchen Unterschied macht es, ob in der 1. Bundesliga 4 oder 10 Teams spielen? Im Endeffekt hätte jede Region ein Team mehr für seine Ligen, würde dieses nicht in der 1. BL spielen. Ich glaube nicht, dass der Region dann so viel weiter geholfen wäre. In diesem Sinne: Basis ausbauen, Spitze stärken.

  20. @david: Es scheint mir nicht, als ob du dich mit meinen Gedanken auseinandergesetzt hättest, wie auch nicht mit denen von Alex, Dieter, Jürgen, etc. Oder warum verteidigst du in deinem Beitrag ausschliesslich deine Werke, Gedanken und Meinungen, die ich gar nicht angegriffen habe? Und für deine Übertreibungen und extremen Schlussforderungen, die du mir versuchst in den Mund zu legen, kann ich auch nichts…

    Wie heisst es so schön:
    Das Nein sucht Gründe,
    das Ja sucht Wege.

  21. Mein Beitrag bezog sich auf deine Vorschläge, Meinungen und Standpunkte und nicht auf die von Alex, Dieter oder Jürgen.

    Du hast sehr wohl meine Meinung angegriffen – Stichwort Professionalität z.B.!
    Und warum sollte ich nur auf Sachen antworten, in denen du dich auf mich beziehst. Du hast hier deine Meinungen publiziert und da ich diese nicht teile, bin ich genau auf deine Meinungen eingegangen und habe einen anderen Standpunkt dargelegt.

    Wieso sollte ich mich nicht mit deinen Gedanken auseinandergesetzt haben? Stichwort Professionalität, Stichwort Fahrkosten, Stichwort Entwicklungsarbeit, Stichwort Wie gestalten wir unsere Wettbewerbe, Stichwort Divisionen… – ich gehe auf alle deine Punkte ein. Oder hast du dazu oben etwa nichts geschrieben?

    Aber gut, scheint, als hättest du dem nichts entgegenzusetzen.

  22. @ „david“
    Heisst das also, dass „david“ = „David Reich“ ist?
    War / Ist zu vermuten, aber es hilft mir deins zu verstehen.

  23. ja richtig. Sorry, dachte, das ist klar. Hatte mich hier direkt angemeldet, um nicht über FB posten zu müssen.

  24. @david: Alles klar. Um es abzukürzen…

    Du gehst auf die von mir angesprochenen Themenblöcke ein, aber nicht auf die Argumente, Sichtweisen, etc. Viel mehr pickst du einzelne Worte auf, um sie vollkommen verdreht im Widerspruch zu deiner eigenen schon fertigen Meinung darzustellen, nur um zu beweisen, dass generell alles, was vom Gegenüber kommt „einseitig und ohne das nötige Hintergrundwissen“ ist und um zu belegen, dass du der einzige wahrhaftige Floorballstar bist. Für mich ist so jegliche Diskussion obsolet. Dann geht es nicht um Verständnis und Verständigung, um Anregungen, neue Sichtweisen, Inspiration um die Sache voranzutreiben, sondern um Kampf und Rechthaberei aus Prinzip und um deine persönlichen, sagen wir mal „Befindlickeiten“.

    Lieber David, ich schätze sehr vieles von deiner vielen, guten Arbeit in Chemnitz und deine Sichtweise ist definitiv nicht falsch, wenn auch aus meiner Sicht viel zu einseitig, kurzsichtig und auf die eigene Suppe bezogen. Schade einfach, dass wir beiden uns wohl nie auf einen gemeinsamen Kommunikationsstil werden einigen können. Deshalb belasse ich es an diesem Punkt.