Irrer Kampf um die Ananas

Freude übers Saisonende - Chemnitzer Offensivkräfte Radünz (li.) und Thiele. / Foto: Anja Thurow, floor-fighters.de:

MaXxPrint FBL, Playdowns. Weil es die Statuten des Verbands so vorsahen, mussten Chemnitz und Lilienthal gegeneinander ran – obwohl beide Teams nicht wollten. Am Ende spielten insgesamt 17 Feldspieler auf beiden Seiten 120 Minuten Floorball binnen fünf Stunden. Letztlich war es die wohl überflüssigste, schnellste und zugleich kurioseste Serie der deutschen Floorballgeschichte.

Die Vorgeschichte dürfte mittlerweile jedem Floorball-Interessierten wohl bekannt sein, gehört in diesem Artikel trotzdem noch einmal kurz umrissen: Durch den Aufstiegsverzicht der Zweitligisten Bonn und Leipzig hatten die Playdowns der MaXxPrint FBL praktisch keine Relevanz mehr. Denn durch die Aufstockung der Bundesliga zur kommenden Saison standen Döbeln und Bremen dadurch als Aufsteiger fest. Die Relegation, in welche der Verlierer der Playdowns gegen den Dritten der zweiten Liga gemusst hätte, wurde so hinfällig. Was folgte war, auch bei uns, eine rege Diskussion über die Regelungen von Auf- und Abstieg. Als erste Reaktion änderte der Verband bereits die Verzichtsfrist, weitere mögliche Maßnahmen sollen erörtert werden.

„Mehr Fingerspitzengefühl gewünscht“

Lilienthal, Chemnitz, Berlin und Dresden mussten dennoch zähneknirschend in die zu Freundschaftsspielen degradierten Playdowns. Trotz der fehlenden Bedeutung boten die Serien Dresden – Chemnitz und vor allem Lilienthal – Berlin, die über die volle Distanz von drei Spielen ging, spannende und intensive Partien. Während sich BAT und die Unihockey Igels als Sieger danach in die Sommerpause verabschiedeten, wartete auf Lilienthal und Chemnitz laut Spielplan noch eine weitere Serie. In dieser wäre, bei normalen Saisonverlauf, der Relegationsteilnehmer ermittelt worden. Nur gibt es dieses Jahr keine Relegation, da dazu der dritte, aufstiegswillige Zweitligist fehlt.

So stellten Chemnitz und Lilienthal beim Verband gemeinsam einen Antrag, die Serie auszusetzen. Der wurde jedoch abgelehnt, da eine Saison in allen Bereichen regulär zu Ende gespielt werden müsse, wie es von offizieller Seite hieß. „Wir hatten uns etwas mehr Fingerspitzengefühl vom Verband gewünscht“, kritisiert Lilienthal-Trainer Andreas Blankenstein die Entscheidung. So hätten die beiden kleinsten und am weitesten voneinander entfernten Vereine rund 2.000 Euro an Extrakosten zu stemmen.

Am Ende half aber alles Hadern nichts. Die Floor Fighters reisten am Samstag also die 475 Kilometer in die östliche Peripherie von Bremen. Spiel eins war um 16 Uhr angesetzt, Spiel zwei drei Stunden später um 19 Uhr. Acht Chemnitzer Feldspieler standen auf dem Spielfeld der Schoofmoorhalle neun Lilienthalern gegenüber. Die hatten ihre etatmäßige Nummer eins Hallerstede von Tor auf den Flügel versetzt. Es passt zur Geschichte dieser denkwürdigen Serie, dass der U19-Nationaltorhüter in der zweiten Partie einen Treffer markierte.

Lockere Freundschaftsspiele zum Abschluss - TVL-Stürmer Dennis Heike. /Foto: Andreas Schulz

Zu der ungewöhnlichen Ballung der Spielzeiten bemerkt Blankenstein folgendes: „Wir haben innerhalb der Wettbewerbsregeln nach Möglichkeiten gesucht, die finanzielle und zeitliche Belastung der Vereine zu minimieren. Da es keine Regelung gibt, wie viel Zeit zwischen zwei Spielen liegen muss und ebenso ein Verein auf das Heimrecht verzichten kann, haben wir uns mit Chemnitz darauf verständigt, Spiel eins und zwei an einem Tag durchzuführen.“ Dies sei mit der SBK abgesprochen gewesen.

Spiele in lockerer Atmosphäre abgewickelt

Die Geschichte der beiden Spiele ist schnell erzählt: Spiel eins um 16 Uhr war dank eines 9:0-Mitteldrittels eine klare Angelegenheit für Chemnitz. Am Ende siegten die Floor Fighters 13:3. Die zweite Partie 60 Minuten später verlief trotz eines Knallstarts der Gäste, die nach dem ersten Abschnitt 4:0 führten, ausgeglichener. Kimmig schoss Lilienthal vier Minuten vor Ende auf 5:6 heran, ehe Veteran Stöß 30 Sekunden vor Abpfiff die Entscheidung für Chemnitz besorgte. Das Niveau der Duelle fasst Lilienthal-Trainer Blankenstein nüchtern zusammen: „Es waren sportliche Freundschaftsspiele ohne Strafen und körperlichen Einsatz. Das Spielniveau war angesichts der Vorgeschichte und Laune beider Teams kein gutes. Die Spiele wurden in sehr lockerer Atmosphäre abgewickelt.“

So blieb es wohl die beste Nachricht des Tages, dass sich niemand verletzte und durch Chemnitz´ Doppelsieg ein drittes Entscheidungsspiel hinfällig wurde.

MaXxPrint FBL: Playdowns
TV Lilienthal – Floor Fighters Chemnitz 3:13
TV Lilienthal – Floor Fighters Chemnitz 5:7

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