Bonisystem im Trainingssommer

Im Sommer wird der Schläger gerne zum Hilfsmittel, z.B. für ordentliche Rumpfbeuge. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Die heisseste Zeit des Jahres ist sogleich die grösste Dürreperiode des Floorballs. Sommertraining, oh du Grauen! Trainingsblogger Marco Galle kennt die Begleitsymptome nur zu gut: fehlende Motivation, sinkende Trainingsbeteiligung. Ein paar (nicht ganz ernst gemeinte) Kniffe könnten dagegen helfen.

Es ist wieder mal an der Zeit, sich über das Training im Sommer auszuk***en. Jedes Jahr immer wieder das gleiche Gejammer von den Spielern. Eigentlich ist es ja auch nicht nachvollziehbar, bei besten Badewetter auf dem roten Platz herumzukriechen oder sich in sauna-ähnlichen Hallen von irgendwelche dä***chen Übungen quälen zu lassen. Warum also der ganze Stress für Körper und Geist? Warum nicht einfach bei ruhigem Puls auf der Badewiese dösen?

Als Spieler und Trainer gehen mir diese Überlegungen jährlich mindestens zehnmal durch den Kopf. Als Spieler habe ich die körperlichen Quälereien fernab von Ball und Schläger nie sonderlich gemocht. Als Trainer hat man da natürliche eine langfristige Perspektive und überlegt sich, wie man die sonst so unterirdische Trainingsbeteiligung doch ein wenig heben kann.

Mein Idee, fernab von meiner ideologischen Denkweise als sozialpädagogischer Erziehungswissenschaftler, ist die Einführung eines Bonisystems. Das Bonisystem gilt in der Wirtschaft als Anreizsystem. Derjenige, der am meisten aus seinen Kunden herausquetscht und irgendwelche armen Streuner über den Tisch zieht, bekommt die meiste Kohle. Klingt gut und wird hier hypothetisch auf das Floorballtraining übertragen:

Szenario I:

Jeder Spieler, der überhaupt im Training erscheint, erhält einen Anfangsboni. Hier kann es vom Schokoladenstückchen bis hin zu einem extravaganten Apfelsaft reichen. Aufbauend darauf kann der Spieler dieses Geschenk in einer Teambörse anlegen. Dessen Kurs ist direkt proportional abhängig von der Trainingsbeteiligung. Das heisst: Je mehr kommen, desto mehr gibt es am Ende zurück.

Szenario II:

Leistungssteigerungen der Spieler werden von dem Trainer kritisch beäugt. Ist vielleicht Doping im Spiel? Wenn alles in Ordnung ist, erhält ein Spieler einen Spielgutschein. Dieser Gutschein kann in der laufenden Saison dann eingesetzt werden, wenn der Spieler auf der Bank sitzt und von sich denkt, jetzt möchte er spielen. Der Trainer muss umgehend den Gutschein akzeptieren und den Spieler einsetzen. Keine Widerrede!

Szenario III:

Möchte man in seinem Team ein wenig Unruhe schaffen und latente Konflikte fröhlich aufleben lassen, dann empfehle ich folgendes: Die Besten und Schnellsten einer Übung dürfen sich jeweils die Schlechtesten vorknöpfen und nach sadistischen Vorzügen ein wenig weiter quälen. Dann ist zu mindestens der Trainer nicht Schuld an der Schinderei.

Mit diesen Tipps wird der Trainingssommer zu einem spannenden und konfliktreichen Abenteuer. Wenn das Team nach den Monaten immer noch zusammenhält, herrscht ein starker Teamgeist. Alles richtig gemacht!

Wenn das Team plötzlich zu Beginn der Saison nicht mehr existiert, dann übernehme ich keinerlei Verantwortung.

In diesem Sinne wünsche ich allen Trainern und Spielern viel Spass bei einem kreativen und abwechslungsreichen Sommertraining.

Marco Galle ist als Floorball-Spieler und -Trainer in der Schweiz aktiv, spielte dort u.a. bei GC Zürich. Der gebürtige Sachse (stammt aus Hoyerswerda) studiert in Zürich Erziehungswissenschaften und Psychologie. Weil ihm der trainingswissenschaftliche Aspekt im Floorball nicht ausreichend abgedeckt schien, startete er im Mai 2011 das Projekt Unihockeyuebung.blogsport.de. Auf dieses Blog stellt er Übungen und Berichte rund um das Floorballtraining. Als „Trainingsblogger“ veröffentlicht Galle regelmäßig Beiträge im Floorballmagazin.