Verband mit neuem Konzept für Damen-Entwicklung

Der bisherige Floorball Deutschland Cup wird durch eine Trophy für regionale Auswahlen ersetzt. / Foto: Floorballmagazin

Floorball Deutschland präsentierte heute Vormittag sein neues Konzept für die strauchelnde Damen-Kategorie. Die Teilnahme an der nächsten U19-WM wird ausgesetzt, die Bundesliga umstrukturiert und der Pokal-Wettbewerb durch eine Trophy für Regionalauswahlen zwischenzeitlich ersetzt.

Schritt zurück für U19-Auswahl

„Es ist uns nicht leicht gefallen, aber aktuell sehen wir unter den Voraussetzungen im Damenbereich keine wirklichen Alternativen,“ kommentiert Stefan Erkelenz, Ressortleiter Sport, im Interview auf floorball.de zunächst den Rückzug der Juniorinnen-Nationalmannschaft. Es fehle momentan die Qualität sowie auch die Quantität, um den Aufstieg in die A-Division zu packen.

„Wenn alles gut klappt, werden wir endlich wieder eine Ligenstruktur bei den Damen haben. Hierüber bekommen die Spielerinnen die so dringend benötigte Matchpraxis. Nur über Erfahrung auf dem Großfeld sowie regelmäßige Spiele und Training können wir sie auf Turniere wie eine WM vorbereiten. Dänemark hat seine U19 auch in Ruhe aufgebaut und sofort den Aufstieg geschafft. Dies ist aber nur möglich, wenn die Spielerinnen in der heimischen Liga auch die Möglichkeit bekommen zu spielen. Das war bisher leider für zu viele in der U19 nicht der Fall,“ so Erkelenz.

Die Ursache für die Rezession im Damenbereich sieht Erkelenz in der zu engstirnigen Fokussierung auf die Leistung. „Viele Vereine in der Vergangenheit hatten eine Mannschaft mit einem festen Stamm, durch Studium und Beruf ist dieser sehr oft nach zwei bis drei Jahren weggebrochen. Aus der Jugend kam zu wenig nach, sofern es überhaupt eine Jugend gab. Das Team verschwand von der Ligakarte. Ich hoffe, dass wir in den nächsten zwanzig Jahren eine Entwicklung nehmen, welche uns die ersten 20 vergessen lässt. Daran arbeiten täglich viele Leute mit großem Einsatz.“

Reanimation für Bundesliga

Während des final4 in Hamburg Ende Mai war eine Runde an Trainern und Funktionären zusammengekommen, die gemeinsam ein von Philipp Mertens, dem Geschäftsstellenleiter des Dachverbandes, erarbeitetes Konzept besprach. „Der mit den Teams ausgearbeitete Plan sieht vor, die Regionen zu stärken. Im Westen und Osten wird mit mindestens vier Teams in jedem Fall eine Hin-und Rückrunde gespielt. Der Norden ist noch kräftig am arbeiten, um ebenfalls regional aktiv werden zu können,“ erklärt Erkelenz.

So halte man die Kosten für Neueinsteiger überschaubar. Dem neuen Konzept nach gingen maximal vier Teams als Regionalsieger oder Regionalzweite in eine nationale Einfachrunde, an deren Anschluss der Deutsche Meister unter den ersten beiden ausgespielt würde. „Es ist mal wieder ein Versuch, den Damenfloorball voranzutreiben. Ich sehe in diesem Konzept die größten Chancen, dauerhaft Damen im Großfeld aktiv werden zu lassen. Aber der Erfolg ist immer abhängig von den Vereinen und der Arbeit vor Ort,“ so Erkelenz.

Trophy statt Pokal

Der Pokal in seiner ursprünglich geplanten Art, also wie bei den Herren, ließe sich Erkelenz nach aktuell nicht zusätzlich durchführen. Man habe zu viele Teams, die das erste Mal am Spielbetrieb teilnehmen. Vorerst soll die Konzentration auf den Regionen liegen. Der nationale Pokal sei eine Option, sobald die einzelnen Mannschaften und Ligen etabliert sind.

Daher würde die regionalen Auswahlen der Damen, praktisch die Vorstufe zur Nationalmannschaft, zu einem Vergleich antreten. Bisher gibt es davon drei (Nord, Ost und West). Es sollen sich aber alle Spielerinnen angesprochen fühlen. Über die Mail-Adresse damen@floorball.de könne man sich informieren und werde an den entsprechenden regionalen Stab weitergeleitet.

Kommentare

  1. Tatsächlich haben sich seit geraumer Zeit die Verantwortlichen der bestehenden Damenteams immer wieder getroffen und Konzepte besprochen und Kompromisse und Lösungen gefunden.
    Die oben angesprochene Bundesliga wurde unter dem Aspekt geplant, dass es weiterhin einen Pokal geben wird.
    Nachdem sich alle teilnehmenden Vertreter auf ein für alle annehmbares Modell geeinigt hatten, das aus Sicht der Vertreter auch den Damenfloorball in die richtige Rchtung lenkt, kommt plötzlich eine Entscheidung ‚von oben‘, die vorher nie zur Debatte stand und auch den bisherigen Planungen den Boden entzieht.

    Ob die Entscheidung in die richtige Richtung geht wird sich zeigen, auf alle Fälle ist sie ein deutliches Zeichen an alle, die Zeit und Energie in den Aufbau eines zukunftsfähigen Modells des Damenspielbetriebs investiert haben : die Entscheidungen werden woanders getroffen.

  2. Also dass der Verband nicht ewig herumeiern kann und gewisse Sachen selbst entscheiden muss, finde ich völlig logisch. Es ist wichtig, dass die Vereine angehört werden, ihre Möglichkeiten erklären, auch Vorschläge einreichen, und der Verband den Weg vorgibt – dafür ist er auch da. Und dass es dem einen oder anderen Verein nicht ganz passt, das ist normal und damit muss er halt leben.

    Ich habe erst über die Äußerung gestockt, dass man die ersten 20 Jahre vergessen sollte. Das kann man so glaube ich nicht unterstreichen, schließlich ist das auch ein Teil des deutschen Floorballs – obwohl man über Jahrzehnte regionale Interesse über eine bundesweite Entwicklung gestellt hat.

    Alles in allem finde ich das neue Konzept gut. Ob man die U19 komplett auslassen muss, weiß ich nicht. Vielleicht könnte man zwei Jahre regional arbeiten, dann ein finales, gemeinsames Vorbereitungslager veranstalten und zur WM fahren. Dass man nicht Weltmeister wird ist ja nicht so schlimm, aber die jungen Mädels haben ein Ziel und dem Rest schadet es ja nicht.

    Die Bundesliga ist so ganz gut dran, wobei ich nicht verstehe woran es im Norden hakt. Mann muss doch praktisch nur eine Regionalliga ausrichten und dann das ambitionierteste Team in die „Playoffs“ schicken. Und die Trophy klingt ganz sinnvoll. Bin gespannt.

  3. Natürlich muss der Verband gewisse Dinge selber entscheiden und kann nicht alle Wünsche erfüllen.

    Aber der ‚Arbeitskreis Entwicklung Damenfloorball‘ wurde durch Initiative von Stefan Erkelenz gebildet und hat auf der Grundlage, dass Pokal und Ligaspielbetrieb stattfinden, die kommende Bundesliga geplant.
    Der Pokal sollte auch unter dem Aspekt neuen Teams den Einstieg in den Großfeldspielbetrieb zu ermöglichen (z.B. als SG) beibehalten werden.

    Alle beteiligten Vereine haben dem Bundesligaspielbetrieb unter den besprochenen Bedingungen zugesagt und jetzt wird diese eine Bedingung wegentschieden.

    Für mich waren die Entscheidungen in dem ‚Arbeitskreis‘ mit Anwesenheit von Stefan Erkelenz und Philipp Mertens Entscheidungen, die so vom Verband getragen werden. Ich denke, dass nicht nur ich mich dadurch vor den Kopf gestossen fühle.

  4. Ich denke, hätte der Pokal sinn gemacht, hätte man ihn auch mit eingefügt, aber vielleicht haben ja manche Vereine, nachdem man mit ihnen gesprochen hat, beide Veranstaltungen abgelehnt und man musste dann umplanen. Dann wieder alle zusammenzurufen, neu abstimmen zu lassen, neu befragen… und wir haben September. In den Umgang mit den Vereinen sehe ich zwar nicht hinein, denke aber dass das so wie es jetzt ist eine solide Grundlagen sein könnte. Und wenn der Großfeldbetrieb funzt, dann kann der Pokal ja 13/14 zurückkommen. Hauptsache es gibt einen schlüssigen bundesweiten Wettbewerb. Wichtig ist jetzt darauf gemeinsam aufzubauen.