Gute Trainer, schlechte Trainer II

Mehr Ludwig als Jeffi – die Stadthalle Weißenfels. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Auf der Suche nach dem perfekten Coach begab sich Trainingsblogger Marco Galle in seinem letzten  Beitrag ins Feldexperiment. Er fand Ludwig und Jeffi, zwei Typen wie Jekill und Hyde. Der eine: verkappter Hippie. Der andere: verkappter General. Diesmal besuchte Galle die beiden Übungsleiter in ihren Trainingsstätten.

Jeffi, 100 Prozent laissez-faire, ist ein lustiger und unterhaltsamer Trainer. Sein komplettes Gegenteil ist Ludwig. Der bevorzugt einen autoritären Führungsstil, sein Denken und Handeln sind oft so starr und eingefahren, dass jegliche Individualität im Training verloren geht.

Letzte Woche habe ich die beiden Coaches vor dem Training besucht und ihre Trainingsstätte genauer inspiziert.

Jeffis Clubraum

Zuerst ging ich zu Jeffi. Seine Trainingshalle liegt am Stadtrand und bevor ich sie überhaupt sah, hörte ich bereits das tiefe Wummern von Bässen. Anscheinend war das für die wenigen Anwohner rund um die Halle schon normal, denn sie grüßten mich sehr freundlich – trotz meines Floorball-Outfits.

Die Musik kam aus einer der Umkleidekabinen. Später erzählte mir Jeffi, dass sie den Raum vor ein paar Jahren zu einem Club umgebaut hätten. Mit leuchtenden Augen beschrieb er mir die stattliche Einrichtung: Bar, Musikanlage mit mehreren 300-Watt-Boxen, Partysofas und Scheinwerfer. Natürlich durften auch Nebelmaschine und Laserstrahler nicht fehlen. Und wenn sie mal ein Spiel gewinnen würden, werde die Schaumkanone angeschmissen, verriet Jeffi.

Der Clubraum überraschte mich nicht so sehr, denn auch GC Zürich hatte in seiner alten Trainingshalle einen Aufenthaltsraum für die Mannschaften – allerdings nicht mit dieser professionellen Ausstattung.

Interessanter fand ich vielmehr die Trainingspräsenz. Jeffi verfügt über einen Kader von 20 Spielern, von denen ich bei meinem Kommen bereits acht in der Halle antraf. Dabei war das Training eigentlich erst anderthalb Stunden später angesetzt. Warum waren also schon so viele Spieler im Training? Das verstand ich absolut nicht. Es war doch erst 15 Uhr. Die Zeit, wo viele noch im Bürostuhl hocken und Däumchen drehen.

Ludwigs Festung

Einen Tag später besuchte ich dann Ludwig in seiner Trainingsstätte. Die Turnhalle steht im Stadtzentrum zwischen riesigen Hochhäusern. Ich bekam ein wenig Gänsehaut, als ich mir vorstellte, neben so hohen und mächtigen Häusern zu trainieren. Ja, irgendwie beängstigend. Auch die Halle war ein imposanter Bau, welcher gleich drei Großfelder beherbergte. Die braucht Ludwig für seine vielen Nachwuchsteams. Er legt viel Gewicht in eine professionelle und starke Jugendausbildung. Sein Juniorenbereich hat gleich drei Teams pro Altersstufe. Perfekte Ausbildungsbedingungen.

Als ich die Halle betrat, konnte ich den Unterschied zu Jeffis Halle förmlich riechen. Weil bei Jeffi Sauberkeit offensichtlich nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste stand, roch es dementsprechend nach abgestandener Luft und kalten Schweiß. In Ludwigs Heiligtum dagegen war alles blitzblank. Kein einziges Staubkörnchen zu sehen. Für die Sauberkeit sorgte ein extra eingestellter Hallenwart, welcher jedes Team auf Schritt und Tritt verfolgt und kontrolliert. Auch ich wurde mit argwöhnischen Augen und grimmiger Miene empfangen.

Eine zweite Sache fiel mir bei Ludwig sofort ins Auge: Die Wände des Eingangsbereichs waren nicht etwa von Erfolgen und Urkunden geschmückt. Nein, es hing im Abstand von genau einem Zentimeter ein großes A1-Plakat nach dem anderen an der Wand. In kleingedruckter Schrift konnte ich vor jeder Zeile Paragraphen erkennen. Da wusste ich, was hier jedem Spieler blühte.

Als ich mir ein paar Zeilen genauer ansah, hörte ich plötzlich einen lauten Knall. Danach Schreie …

Fortsetzung folgt.

Im nächsten Monat werde ich beide Trainer über ihre Trainingsvorbereitungen ausfragen.

Marco Galle ist als Floorballspieler und -trainer in der Schweiz aktiv, spielte dort u.a. bei GC Zürich. Der gebürtige Sachse (stammt aus Hoyerswerda) studiert in Zürich Erziehungswissenschaften und Psychologie. Weil ihm der trainingswissenschaftliche Aspekt im Floorball nicht ausreichend abgedeckt schien, startete er im Mai 2011 das Projekt Unihockeyuebung.blogsport.de, ein Blog rund ums Floorballtraining. Inzwischen hat er auch ein Buch zu diesem Thema geschrieben. Als „Trainingsblogger“ veröffentlicht Galle regelmäßig Beiträge im Floorballmagazin.