An einem Tag im Oktober

Santtu Manner, der vermutlich torgefährlichste Scharfschütze der finnischen Floorball-Geschichte, muss kurz vor Beginn der neuen Saison die Kelle an den Nagel hängen. Das Knie will nicht mehr. Wir blicken zurück auf einen großen Tag im Oktober 2009.

Die Vorzeichen des Euro Floorball Cups 2009 konnten schlimmer nicht sein. Die schwedischen Eliteklubs boykottierten das Event, zu teuer und sportlich irrelevant sei es geworden. Die Zuschauerzahlen im dänischen Fredrikshaven waren jenseits von gut, eher bei böse. Das finnische Endspiel zwischen Helsinki und dem Qualifikanten Erä besuchten gerade mal weniger als 600 Seelen. Dabei sollte es doch den größten Auftritt eines Mannes bedeuten, der nun, drei Jahre später, „Näkemiin!“ sagt.

In der vierten Spielminute steht Manner im Powerplay goldrichtig, Järvi legt ab, Direktabnahme aus der Mitte und Helsinki führt. In der Gruppenphase hatte der damals 30-Jährige dem deutschen Meister Weißenfels viermal einschenken können. Doch der Großverein bricht plötzlich ein – 1:1, 1:2, 1:3, zu Beginn des zweiten Drittels sogar 1:4. Manners Mannen stehen weit weg vom Gegner, werden bei schnellen Kombinationen zu Statisten degradiert und kommen aus dem Sog lange nicht heraus – bis die Nummer 52 eingreift.

Manner tankt sich von der rechten Bande in den Slot und verkürzt. Im Powerplay ist es erneut Järvi, der Manner zuspielt, kurz vor Drittelende fällt sogar noch das 3:4. Zu Beginn des Schlussabschnitts schwindet die Hoffnung aber wieder. Ballverlust Helsinki, Rissanen zieht durch die Mitte, legt zur linken Bande ab, Helenius netzt ein – 3:5.

In der 54. Spielminute lupft Järvi den Ball aus der Ecke in den Slot, Manner muss seine Kelle nur noch in den Weg halten, 4:5. Bei Erä lassen nun die Kräfte nach, das Tempo war mörderisch und nicht bis Spielende auszuhalten. Wieder zieht Järvi aus den eigenen Abwehrreihen an der linken Bande durch, passt unscheinbar quer vors Tor von Naumannen und Manner gleicht aus – in der 55. Spielminute, mit seinem fünften Tor des Spiels.

Die Verlängerung lässt Nervenstränge reißen. Beide Mannschaft wollen Fehler vermeiden, die verschwundenen Kräfte lassen ein kontrolliertes Spiel aber kaum mehr zu. In der 68. Spielminute schickt Toivonen einen vermeintlich blinden Querpass auf die gegenüberliegende Spielfeldseite. Vielleicht könnte er ja dort stehen. So wie er immer richtig stand. Manner nimmt an, Manner schießt, Manner feiert.

Helsinki gewinnt 6:5 nach Verlängerung und Saantu Manner erzielt jedes einzelne Tor der „Wikinger“. Und Zahlen waren schon immer sein Ding. In 13 Salibandy-Saisons erzielt er 331 Tore und 248 Vorlagen. Sieben Mal wird Manner finnischer Meister, zweimal erobert der SSV mit ihm den Europacup. 2008 und 2010 kommt der Weltmeistertitel noch dazu. Wo er jetzt richtig stehen wird, weiß nur… Järvi.