Eine Frage des Geldes

Würde sich über Unterstützung freuen - Jonas Hoffmann. / Foto: Tim Fuhrmann

Würde sich über Unterstützung freuen – Jonas Hoffmann. / Foto: Tim Fuhrmann

Mit einem Crowdfunding-Aufruf will Nils Knothe die marode Kasse der deutschen Nationalmannschaft füllen. Noch droht jedem nominierten Spieler eine Selbstbeteiligung von mindestens 1.200 €. Die engagierte Maßnahme birgt Chancen, aber auch zahlreiche Tücken.

Bisher gehe man alleine für Übernachtung und Verpflegung vor Ort von über 600 € aus, kalkuliert Stefan Erkelenz, Ressortleiter „Sport“ bei Floorball Deutschland vor. Hinzu kämen noch die individuellen Anreisekosten sowie das Vorbereitungswochenende im November und das Abschluss-Camp in Weißenfels. „Wir haben schon viele Ideen aufgrund der Finanzen streichen müssen, um den Druck etwas reduzieren zu können,“ erklärt Erkelenz. Insgesamt würde sich die Last pro Spieler vermutlich auf 1.200 bis 1.500 € hochschrauben.

Sparen lässt sich aber nicht wirklich. Das sieht auch die Leipziger Offensivkraft Nils Knothe so: „Wie es der Trainerstab geplant hat, sind die Kosten minimal gehalten und auf der anderen Seite wird eine professionelle Basis geschaffen.“ Im Gegenzug muss also die Kasse aufgefüllt werden. Erkelenz bedauert aber, dass man den Spielern als Verband leider nicht wirklich unter die Arme greifen könne, da man einfach keine zusätzlichen Finanzmittel für eine WM frei habe. Allein die Kosten für den Staff erreichten schon die Grenzen des aktuell möglichen.

Eben aus diesem Grund seien alle Spieler eifrig dabei, Unterstützer aus ihrem Bekanntenkreis zu gewinnen, damit die enormen Kosten abgefedert werden können. Einen alternativen Weg hat Nils Knothe eingeschlagen und will nun über die Crowdfunding-Plattform visionbakery.com von Freiwilligen aus der gesamten Floorball-Szene und darüberhinaus kleinere und größere Spenden einsammeln – ein Prozess, über den diverse Startups, gemeinnützige Organisationen oder einzelne Kreative bereits massives Kapital einnehmen konnten.

Ein entsprechend dargestelltes Projekt, wie in diesem Fall die Teilnahme der deutschen Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in der Schweiz, kann nun über Soziale Medien schnell gestreut werden, ermöglicht Spendern einfache Zahlungsabläufe und lässt symbolische Gegenleistungen anbieten – wie Wimpel, signierte Trikots oder Werbeflächen.

Doch der Modus hat auch seine Schwächen. So beansprucht der Anbieter der Plattform 10 % der Einnahmen für sich und auch der Bezahldienst Paypal will etwas vom Kuchen abhaben. Außerdem gibt eine die Spender vermeintlich schützende und bei Crowfunding-Plattformen verbreitete Regel vor, dass der Bittsteller nur dann die Spenden erhält, wenn das anvisierte Zahlungsziel zur Gänze erreicht wird. Ansonsten werden alle getätigten Spenden zurücküberwiesen.

Knothe legte den Bedarf auf 11.190 € fest, ein hoher, vielleicht zu hoher Betrag. „Ich habe ein Pilotprojekt gestartet,“ fasst der Leipziger zusammen. „Wie jedes dieser Wagnisse enthält es ein gewisses Risiko und bedarf einer Vielzahl von Unterstützern, doch bin ich der Meinung, dass viel Potenzial in unserer Floorball-Gemeinde steckt und damit meine ich auch Bekannte, Verwandte und Freunde.“ So müsste man nicht nur 10.000 Floorballsportler ansprechen, sondern beispielsweise via Facebook eine ganze Reihe von „unbefleckten Personen“, welche via Klick plötzlich erfahren, dass dieses Jahr die deutsche Nationalmannschaft an der WM in der Schweiz mitspielt.

Klappt das Crowdfunding-Projekt, soll der Eigenanteil eines jeden Spielers auf die Hälfte, etwa 650 € sinken können. Die Aktion ist auch vom Verband abgesegnet. „Beim letzten Camp in Dresden hat sich eine Gruppe aus Spielern und Trainern gebildet, welche sofort Aktionen umsetzen wollte,“ beschreibt Erkelenz das Engagement der Equipe. „Dies ist eine dieser Aktionen. Nils hat mich in vollem Umfang über das Projekt informiert und ich habe dies in Rücksprache mit den restlichen Vorstandsmitgliedern unterstützt.“

Nun lassen sich auch darüberhinaus weitere Punkte monieren – wie etwa die formell günstigere Abwicklung einer derartigen Spendensammlung über den Dachverband, der dann zur Verfügung stehende Zugriff auf wirkungsvollere Crowdfunding-Plattformen wie betterplace.org, mögliche Interessenkonflikte durch teilnehmende Konkurrenten der Verbandspartner oder die fehlende Alternative einer Direktüberweisung – am Sinn und Zweck der Aktion ändert dies aber wenig.

Wer also der Nationalmannschaft helfen möchte, mit ihrem gesamten Potenzial an der WM in der Schweiz aufzulaufen und sich sowie ganz Floorball-Deutschland damit für harte Arbeit zu belohnen, der findet unter http://www.visionbakery.com/vision/552 den vorgestellten Spendenaufruf. „Schweinevogel TOTAL-O-RAMA 2“ und „Tanzklub Drushba“ sind bereits im fünfstelligen Bereich – das lässt sich jedenfalls toppen.