Damen starten mit Turbulenzen

Bekommen Konkurrenz aus dem Westen - Weißenfels und Grimma. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Bekommen Konkurrenz aus dem Westen – Weißenfels und Grimma. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Die Damen-Bundesliga scheint reanimiert zu sein. Neun Vereine in zwei Staffeln sollen den Deutschen Meister ermitteln. Jedoch ohne die Beteiligung der Nordteams, mit Schiri-Frust im Osten und einem schwerwiegenden Personalproblem.

Als Philipp Mertens, Geschäftsführer von Floorball Deutschland, beim final4 im Mai ein neues Konzept für die Umgestaltung des bundesweiten Damen-Spielbetriebs vorstellte, gab es zwar den einen oder anderen Korrekturwunsch, insgesamt war sich die Runde zahlreicher Vereinsvertreter und Entwickler aber einig – in die Richtung dürfe es gehen.

In Wirklichkeit gab es kaum Alternativen. Der Pokal hatte für eine spannende Konkurrenz gesorgt, stand aber durch diverse Absagen vor dem Zerfall. Und mit einer Mini-Bundesliga, die aus drei Mannschaften bestand und bestenfalls noch eine vierte aufnehmen würde, wollte man nicht weiterverfahren. Fünf Monate später hat der neue Wettbewerb bereits seine ersten Spieltage hinter sich, muss sich aber mit scheinbar unnötigen Turbulenzen herumschlagen.

Meisterschaft ohne Nord-Teams

„Warum der Norden nicht teilnimmt, ist mir bis heute nicht begreiflich,“ bedauert Mertens. „Ich finde es schade, dass diese Chance nicht genutzt wurde, gemeinsam das Projekt zu starten.“ Man habe die „Abmeldung“ des Nordens zur Kenntnis genommen, erklärt Stefan Erkelenz, Ressortleister Sport beim Dachverband: „Die Vereine haben jetzt eine Saison Zeit, sich den Betrieb aus der Distanz anzuschauen. Wenn sie nächstes Jahr mitspielen wollen, dann stehen ihnen alle Türen offen. Mehr als vor dieser Saison konnten wir auf die Teams nicht zugehen, von unserer Seite ist kein Spielraum mehr für die Senkung der Anforderungen übrig.“

Elke Scholz, engagierte Entwicklerin im Norden, kontert, dass wo nichts sei, auch keine Bundesliga gespielt werden könne und fasst die Entscheidungsgrundlage zusammen: „Bremen hat zwar festgestellt, dass man genug Spielerinnen gehabt hätte, war aber unter anderem mit der Terminflut überfordert. Frauen brauchen mehr Planungssicherheit. Der ETV Hamburg hat noch nicht genug eigene Spielerinnen und der TSV Bordesholm würde mit aktuell sechs Aktiven an den Start gehen können. Den Rest hätten wir aus ganz Schleswig-Holstein zusammentrommeln müssen.“

Aber man gäbe nicht auf. Die Damen aus Schleswig-Holstein würden in gemeinsamen Trainings mit den ETV-Spielerinnen am stabilen Aufbau von mindestens zwei Teams arbeiten, die hoffentlich auch Bestand haben und wachsen könnten. Das sei dann auch ein bisschen Einstellungssache der Verantwortlichen. Aber man stünde in ständigem Dialog. Außerdem würde man einen alternativen Wettbewerb bieten: „Wir werden in dieser Saison im Norden eine Art Challenge spielen, mit drei oder vier Spieltagen. Wir bleiben auch bei 3×15 Minuten Spielzeit. Die Idee der Pokalrunde damals war gar nicht schlecht. Um einen Einstieg zu finden ist das eine gute Lösung. Mit dieser lockeren Turnierrunde wollen wir auch ’schlafende‘ Teams im Raum Braunschweig/Hannover wieder hervorlocken. Mal sehen, ob uns das gelingt.“

Auf die Frage, wie der Dachverband die Region unterstützen könne, reagiert Scholz verhalten: „Schwierige Frage, kann er das überhaupt? Mir fehlt ganz oft einfach nur der Dialog, die Absprache. Niemand fragt nach dem Ist-Zustand. Die Verantwortlichen schauen lediglich auf die Lizenzlisten von U11 und U13 und sagen, da sind doch Mädchen oder Damen, also lasst sie alle Bundesliga spielen.“ Der richtige Ansatz müsse viel früher kommen – Entwicklungs-Arbeitsgruppen, realistische Konzepte, Stabilität. Die Ausbildung von Trainern fände praktisch gar nicht statt. Aber gerade in deren Köpfen müsse man den Bedarf verankern, Mädchen und Damen zu fördern. „Ich habe hier in Schleswig-Holstein eine kleine Botschafterin für diese Aufgabe ‚entdeckt‘. Die hat ihre Arbeit bereits aufgenommen. Das läuft,“ schließt Scholz ab.

Schiri-Zwist im Osten

„Einerseits möchte man eine Damen-Bundesliga, um in die Breite zu entwickeln, andererseits möchte sich niemand darum kümmern,“ moniert Antonia Oelke, Teamleiterin der SG Berlin, die fehlende Unterstützung seitens des Dachverbandes. Nicht nur der einst in Aussicht gestellte, später angeblich ohne Absprache abgesagte Pokal als Parallelveranstaltung stoßt Oelke sauer auf, auch müsse man sich selbst um die Schiedsrichter kümmern. Nicht selten hätten bereits Spiele kurz vor einer Absage gestanden, weil die notwendigen Unparteiischen fehlten.

Georg Jahn, Mitarbeiter der RSK des Dachverbandes, erinnert aber an die Absprache, die Ligaphase läge in regionaler Zuständigkeit. „Verantwortlich für die Ansetzungen ist in der normalen Spielrunde die jeweilige regionale RSK. In diesem Fall, beim Zusammenschluss mehrerer Landesverbände, vermutlich die SBK Ost beziehungsweise deren Vertreter. Dies wurde sowohl von der SBK und auch den Teams in der Vorbesprechung gewünscht, um die Kosten so gering wie möglich zu halten.“

Da außerdem seitens der Vereine keine Kontingentschiedsrichter zu stellen seien, was ebenfalls eine Bedingung der Teams bei der Absprache vor der Saison gewesen sei, könne die RSK des Dachverbandes rein organisatorisch keine Schiedsrichter stellen, da es keine Sperrtermine gäbe. Die regionale RSK müsse also wie vorgesehen bei den lizenzierten Schiedsrichtern in der Umgebung nachfragen. Da keine Fahrtkosten gezahlt werden, könne diese Spiele auch nur die regionale Kommission ansetzen.

Im Westen, wo sich die RSK von Nordrhein-Westfalen zusammen mit LV-Präsident Torsten Brasch um diese Aufgabe kümmere, laufe dies übrigens völlig unproblematisch. Bis auf einen strauchelnden Ergebnisdienst. „Damit bin ich auch nicht zufrieden,“ beteuert Mertens. Er glaube aber, dass es dem kurzfristigen Start und dem damit verbundenen späten Spielplan geschuldet sei. Das Ergebnis des ersten Spiels sei bis heute nicht eingetragen. Mertens wisse warum, fände es aber falsch. Denn selbst wenn es später eine andere Entscheidung geben sollte, stünde zunächst das Ergebnis so wie es ist.

Zwei offene Punkte, die wesentlich seien und dringend geklärt werden müssten, spricht der Geschäftsführer des Dachverbandes aber noch an: „Was ist mit dem vierten Playoff-Platz, der eigentlich dem Norden zustünde, und wie sieht es dann mit den zusätzlichen Schiedsrichter-Kosten aus?“ In den Playoffs sollen externe Schiedsrichter von Floorball Deutschland angesetzt werden. Die Kosten würden Mertens nach die Teams durch eine einmalige Pauschale tragen, so sei es jedenfalls vorgesehen gewesen.

Koordinatorin gesucht

Im Endeffekt läuft alles auf den personellen Bedarf und die in diesen Belangen knappen Ressourcen des Verbandes hinaus. Bereits am final4 hatte Mertens bekräftigt, dass man nur dann langfristig einen gesunden bundesweiten Damen-Wettbewerb aufbauen könne, wenn es eine verantwortliche, im besten Falle weibliche Fachkraft gäbe, die als Koordinatorin für den Dachverband aktiv sei. Erfahrene Entwicklerinnen wie Kerstin Neumann, Antonia Oelke, Jennifer Thomas oder Elke Scholz verwiesen aber auf ihr bereits massives Arbeitspensum und lehnten ab.

Erkelenz bestätigt, dass man eine solche Fachkraft noch nicht gefunden habe. Bei der Suche müsse man sich mit unterschiedlichen Dingen herumschlagen. „Jeder in diesem Sport hält bereits eine Vielzahl von Aufgaben inne und wenn der Posten seine Funktion erfüllen soll, müsste sich diese Person verstärkt auf dieses Projekt fokussieren können.“ Außerdem werde jemand gesucht, der alle Vereine vertreten und die Entwicklung in diesem Bereich mit gewisser Weitsicht betreiben könne. Es nütze dem Damen-Floorball nichts, wenn lediglich aus der Sicht einer Region oder gar eines Vereins gearbeitet werde.

Doch was sind die Anforderungen an eine derartige Schlüsselposition? „Zu den Aufgaben würde sicherlich die Festigung und die Ausweitung des Großfeld-Spielbetriebs der Damen gehören. Hinzu kommt die Herausforderung, die Teams mit Nachdruck zu motivieren, sich um Jugendarbeit zu bemühen. Außerdem wollen wir mittelfristig wieder einen pokalähnlichen Wettbewerb installieren,“ zählt Erkelenz auf. Bis dahin müsse man die Turbulenzen gemeinsam überstehen und gebündelten Kräften nach einer derartigen Koordinatorin suchen.

Kommentare

  1. Übrigens stößt es mir nicht sauer auf, mich für Heimspiele um Schiedsrichter zu kümmern – das ist so abgesprochen.
    Nur Donnerstag Abend zu erfahren, dass wenn wir keine Schiedsrichter zu einem Auswärtspiel am Wochendene mitbringen, das dann ausfällt, das ist nicht so optimal…
    Hier hat vor Saisonstart die Kommunikation gefehlt – die Frage nach der Organisation der Schiedsrichter wurde rechtzeitig gestellt, nur Antworten kamen spärlich, sodass eine einheitliche Regelung im Vorfeld fehlte.