WM-Favoriten unter der Lupe

Schwedens Quist schnürt Tschechien ein. / Foto: Krieger / Addix

Schwedens Quist schnürt Tschechien ein. / Foto: Krieger / Addix

Die Floorball Weltmeisterschaft in Bern und Zürich steht vor der Tür. Der letzte echte Härtetest fand vergangenes Wochenende in der südschwedischen Kleinstadt Växjö statt. Unsere rasenden Reporter Sören Krieger und Martin Addix waren im Norden unterwegs und nahmen die WM-Favoriten vor Ort unter die Lupe.

von Sören Krieger und Martin Addix

Die Herren A- und U-19 Nationalmannschaften aus Schweden, Finnland, Tschechien und der Schweiz standen sich in Växjö zu einer der letzten scharfen Generalproben gegenüber. Als Spielstätte diente die kurz zuvor eingeweihte Halle, des Lokalteams Växjö Vipers. Die Fortnox Arena bietet knapp 1.200 Zuschauern Platz und wurde eigens fürs Floorball errichtet. Dabei stellte sich die entscheidende Frage, welches Team die Favoritenrolle einnimmt.

Finnland
Finnland hat keine überzeugende Leistung abgegeben, so ist man nicht über zwei Unentschieden gegen die Schweiz und Tschechien hinaus gekommen. Die Mannschaft hat phasenweise gutes Kombinationsspiel geboten, verstand es jedoch nicht diese Leistung über die gesamte Spieldauer durchzuhalten. Das Powerplay der Finnen war wie gewohnt stark. Für viele Zuschauer überraschend spielte Mika Kohonen im ersten Spiel gegen die Schweiz als Verteidiger. Dort kam sein gefährliches Passspiel jedoch kaum zum Einsatz. Im Interview erzählte er uns, dass Petri Kettunen, Finnlands Cheftrainer, ihn dort gerne einsetzt, um das Aufbauspiel der Finnen zu forcieren. Im zweiten Spiel kehrte der mittlerweile 35-Jährige auf seine angestammte Position als Center zurück.

Beim Spitzenspiel gegen die Schweden lag Finnland lange im Rückstand. Erst im letzten Drittel fand man zum eigenen Spiel und konnte sich auf die schwedische Spielweise einstellen. Auf die Frage nach der plötzlichen Leistungssteigerung begründete Kapitän Kohonen, sie hätten die Handbremse endlich lösen können, die sie das gesamte Wochenende über blockiert hatte. Finnland präsentierte sich somit mit zwei Gesichtern. Vom Potenzial her können sie zweifelsohne erneut Weltmeister werden, müssen jedoch dieses kontinuierlicher abrufen als an der abgelaufenen World Challenge. Die U19-Auswahl wird in kommenden Jahren den etablierten Herrenspielern Konkurrenz machen. Besonders der erste Block gefiel mit gelungenen Kombinationen. Derzeit ist er wohl die beste Jugend-Reihe der Welt.

Tschechische Republik
Ebenso wie die Finnen spielten auch die Tschechen nicht konstant. In den Spielen gegen Finnland (4:4) und die Schweiz (5:3) sahen die Zuschauer eine überzeugende Vorstellung der Tschechen. Gegen die Gastgeber waren sie jedoch in allen Belangen unterlegen, dies konnte auch der gute tschechische Torhüter Kafka nicht verhindern. Taktisch sind Defizite vorhanden, so konnte kaum ein Powerplay genutzt werden. Die Abwehr lässt sich oft über längere Phasen in der eigenen Hälfte einschnüren. Erwähnenswert ist jedoch, dass die Tschechen über außerordentliche Ausdauer und Kampfgeist verfügen. Bei hohen Rückständen hat die Mannschaft nicht aufgesteckt und bis zum Spielende Paroli geboten. Die U19-Auswahl der Tschechen hatte gegen die Teams aus Skandinavien keine reelle Chance. Es bleibt der Vergleich mit der Schweiz, den sie nach einer engagierten Aufholjagd knapp verlor. Genauso wie die Herren die Junioren ihr Powerplay zu selten in Zählbares ummünzen.

Finnlands Mauer konnte Schweden in der Fortnox-Arena nicht aufhalten. / Foto: Krieger / Addix

Finnlands Mauer konnte Schweden in der Fortnox-Arena nicht aufhalten. / Foto: Krieger / Addix

Schweden
Schweden hat in den letzten Jahren einen Umbruch vollzogen, viele junge Spieler sind neu ins Team gerückt. Im Interview mit Karl-Johan Nilsson, sprach dieser über den hohen Druck den junge Spieler auf die Etablierten ausüben. Der sympathische Schwede ist sich folglich noch nicht sicher, ob er zu seiner vierten WM nominiert wird. Mit Siegen über Tschechien (11:3), Schweiz (8:1) und Finnland (7:6) wurde deutlich gezeigt, dass das Team nach erfolglosen Weltmeisterschaften wieder einen Titel erringen kann. Mit Sicherheit sind die guten Ergebnisse auch auf den Heimvorteil zurückzuführen, aber die Art und Weise wie die Schweden ihre Spiele dominiert haben, lässt keinen Zweifel an ihrer Favoritenrolle. Das Spiel gegen die Finnen schien nach dem zweiten Drittel (6:2) bereits entschieden. Das letzte Drittel ging jedoch klar an die Finnen. Im Gespräch mit Jan-Erik Vaara (Cheftrainer Schweden) erklärte er den Leistungsabfall mit konditionellen Problemen aufgrund des harten Trainingspensums der letzten Tage. Darüber hinaus stellte er klar, dass die Fitness seiner Spieler der ausschlaggebende Faktor in der Schweiz sein wird.

Die Verteidigung der Schweden war am vergangenen Wochenende der Grundstein für die Siege. Man überraschte mit sehr variablem Abwehrspiel. Situationsbedingt wird der Gegner in der eigenen Hälfte unter Druck gesetzt oder kommen gelassen. Die gegnerischen Mannschaften haben es nicht verstanden sich darauf einzustellen und haben die Spielkontrolle zunehmend verloren. Bei eigenem Ballbesitz wurde der Angriff schnell ausgelöst und versucht den Gegner zu überraschen, bevor er sich organisieren konnte. War der Gegner bereits aufgestellt, wurde ein schnelles Passspiel aufgezogen und das Ziel verfolgt, sich in der gegnerischen Hälfte festzusetzen. Ebenso wie die Herren konnte die Jugend den Turniersieg feiern. Die individuell sehr starken Spieler nutzten ihre Chancen eiskalt. Einzig die Finnen traten als ernster Gegner auf.

Schweiz
Die Gastgeber der kommende WM fahren mit einem Unentschieden und zwei Niederlagen im Gepäck nach Hause. Die Eidgenossen konnten jedoch grundsätzlich mit ihrem Auftreten zufrieden sein. Vor dem Tor hat es an Glück sowie Durchsetzungsvermögen gemangelt. Mit der Unterstützung der heimischen Kulisse und einem konsequenteren Auftreten, könnten sie zu einem Mitfavoriten avancieren. Die Junioren riefen jeweils in den ersten beiden Dritteln ihre Leistung ab. In den Schlussphasen gaben sie ihre Spiele aber aus der Hand. So wurde aus einer komfortablen Führung gegen die Tschechen ein knapp errungener Sieg. Die anderen beiden Spiele wurden aus diesem Grund verloren.

Derby: Schweden – Finnland 7:6
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Resultate

EFT Männer Växjö (Schweden)
Schweiz – Finnland 5:5
Schweden – Tschechien 11:3
Schweden – Schweiz 8:1
Finnland – Tschechien 4:4
Schweden – Finnland 7:6
Tschechien – Schweiz 5:3

EFT Frauen Zürich (Schweiz)
Tschechien – Schweden 2:9
Schweiz – Finnland 0:4
Finnland – Tschechien 5:3
Schweiz – Schweden 2:9
Schweden – Finnland 3:2
Schweiz – Tschechien 3:2

EFT Männer U19 Växjö (Schweden)
Schweiz – Finnland 7:11
Schweden – Tschechien 11:6
Finnland – Tschechien 6:3
Schweden – Schweiz 11:7
Tschechien – Schweiz 6:7
Schweden – Finnland 8:7

EFT Frauen U19 Zürich (Schweiz)
Tschechien – Schweden 2:14
Schweiz – Finnland 3:5
Finnland – Tschechien 9:1
Schweiz – Schweden 2:6
Schweden – Finnland 8:3
Schweiz – Tschechien 4:6