Gute Trainer, schlechte Trainer III

Ludwigs knappes Credo: Bälle sind Waffen. /Foto: Andreas Schulz

Auf der Suche nach dem perfekten Coach begab sich Trainingsblogger Marco Galle in seinem letzten Beiträgen ins Feldexperiment. Er fand Ludwig und Jeffi, zwei Typen wie Jekyll und Hyde. Der eine: verkappter Hippie. Der andere: verkappter General. Diesmal gibt es die Fortsetzung von Galles Besuch in den Trainingsstätten der Coaches, inklusive Floor-Paintball und „Hau-Mich-Blau“.

Seit meinem ersten Bericht von den Besuchen in den Trainingsstätten von Jeffi und Ludwig ist, zugegebenermaßen, einige Zeit vergangen. Aber die damaligen Erlebnisse haben mich so sehr geschockt, dass ich ein paar Wochen brauchte, um das Erlebte zu verarbeiten. Doch jetzt konnte ich mich zusammenraufen und wieder in die Tasten hauen.

Ludwigs harte Zuckerbrot- und Peitsche-Pädagogik

Sauberkeit, Ordnung und Größenwahn: Drei Schlagwörter, mit denen ich Ludwigs Wirkungsstätte treffend beschreiben kann. Ich stand im Eingang und hörte plötzlich einen lauten Knall und Schreie. … (An dieser Stelle trat besagter Schock ein und endete mein letzter Beitrag.)

Bestürzt suche ich den Eingang in die richtige Halle. Gar nicht so einfach bei drei abgetrennten Großfeldern. Als ich endlich nach zehn Minuten auf dem richtigen Feld stehe, wird mir einiges klar. Ludwig probiert gerade seine neuen Trainingsmethoden aus. Im Interview sagt er mir, das HIT oder HIIT nur noch Schnee von gestern sind. Seine neue Methode HIIIT (High Intensity Interval Idioten Training) ist die Kombination von beiden gängigen Trainingskonzepten und vereint zudem noch ein einfaches pädagogisches Prinzip. Jenes von Zuckerbrot und Peitsche.

Ludwigs Prinzip geht so: Auf dem Feld sind verschiedene Posten im Kreis aufgebaut. Abwechselnd absolvieren die Spieler einen hochintensiven Posten und einen ruhigen Posten, bei dem sie sich erholen können. In der Mitte des Kreises stehen zwei Stühle. Ludwig sucht sich nun in jedem 30-sekündigen Durchgang zwei Spieler aus, die nach seiner Meinung nicht gut trainiert haben. Diese müssen sich beim nächsten Durchgang auf die beiden Stühle setzen und „Hau-Mich-Blau“ spielen. Dabei schlagen sich die Spieler solange gegenseitig auf die gleiche Stelle am Oberschenkel, bis dieser in sämtlichen Farben erblüht.

Die restlichen Spieler haben das Zuckerbrot erwischt und dürfen einen Posten weiter gehen.

Jeffis Party

In Jeffis Halle war ich bereits um 15 Uhr eingeladen worden. Pünktlich – ist schließlich eine Tugend – stand ich im Aufenthaltsraum. Doch Jeffi war noch nicht da. Ich vertrieb mir die Zeit damit, den hämmernden Bässen aus der Garderobe zu lauschen und mir die bunte Wanddekoration anzuschauen.

15:32 Uhr: Jeffi ist immer noch nicht da. Ich entschließe mich, in die Halle hinauf zu gehen und einmal zu schauen, was dort so passiert.

15:45 Uhr: Mittlerweile kenne ich alle Spieler, Co-Trainer und Funktionäre. Die Spieler trainieren in spielerischer Form ihre Schusstechnik. Verschiedene Hindernisse (Schwedenkasten, Hochsprungmatten etc.) sind im Feld wild zerstreut. Es ist ähnlich wie Paintball, nur mit Stock und Ball. Wer am Ende die meisten Treffer landet, hat gewonnen. Ein herrlicher Spaß, bei dem sehr viel gelacht wird.

16:30 Uhr: Offizieller Trainingsbeginn. Dreiviertel der Mannschaft spielen jetzt das oben beschriebene Spiel. Von Jeffi fehlt immer noch jede Spur.

16:45 Uhr: Da ist er ja! Jeffi wagt zögerlich den ersten Schritt in die Halle und prompt ertönt ein euphorischer Jubelschrei von jedem Spieler. Wahnsinn, diese Bindung zwischen Spieler und Trainer zu spüren! Das Floorball-Paintball-Spiel ist nun vorbei. Jeffi erklärt mir noch kurz – er braucht geschlagene zehn Minuten dafür – warum er zu spät ist. Auf dem Weg in die Halle traf er eine alte Dame, die neben der Trainingshalle wohnt und sich regelmäßig Spiele anschaut. Sie hat Jeffi zu einem Kaffee eingeladen und da konnte er einfach nicht nein sagen.

Fortsetzung

Nach diesem ersten Eindruck werde ich im nächsten Beitrag von dem Interview mit beiden Trainern berichten. Was verstehen sie unter Taktik und wie sind ihre Lehrmethoden?

Die ersten beiden Folgen „Gute Trainer, Schlechte Trainer“ zum Nachlesen: Teil I, Teil II.

Marco Galle ist als Floorballspieler und -trainer in der Schweiz aktiv, spielte dort u.a. bei GC Zürich. Der gebürtige Sachse (stammt aus Hoyerswerda) studiert in Zürich Erziehungswissenschaften und Psychologie. Weil ihm der trainingswissenschaftliche Aspekt im Floorball nicht ausreichend abgedeckt schien, startete er im Mai 2011 das Projekt Unihockeyuebung.blogsport.de, ein Blog rund ums Floorballtraining. Inzwischen hat er auch ein Buch zu diesem Thema geschrieben. Als “Trainingsblogger” veröffentlicht Galle regelmäßig Beiträge im Floorballmagazin.