Probleme mit hohem Tempo

Landet Russland zum zweiten Mal in der WM-Geschichte hinter dem deutschen Team? /Foto: IFF

Die Russen landeten bei jeder WM, außer 2002, vor dem deutschen Team. Gegen die Sbornaja wird es für Deutschland im letzten Gruppenspiel am 5. Dezember wohl um den Einzug ins Viertelfinale gehen. Glaubt man der Analyse des russischen Experten Mochalov im zweiten Teil unserer Miniserie über Deutschlands Gruppengegner, stehen die deutschen Chancen gut.

Denn die Russen plagen, laut Mochalov, verschiedene Probleme: Anders als das verjüngte deutsche Team fehlte in Russland die Konkurrenz aus dem Nachwuchsbereich. Die Folge ist eine alte, aber dadurch sehr erfahrene Mannschaft. Doch physisch sind viele Spieler über ihren Zenit hinaus. Dazu kommt, dass die Mannschaft im Vorfeld der WM nicht einmal gemeinsam trainieren konnte.

von Valeriy Mochalov, Chefrainer der russischen Damen-Nationalmannschaft 2001 – 2010

Das russische Team baut vor allem auf Erfahrung. Die Mannschaft ist ziemlich alt: Zwei Drittel der Spieler sind mittlerweile über 30 Jahre. Gleich neun Akteure stammen vom Club „Pomor“ aus Archangelsk, andere Vereine stellen im Schnitt zwei bis drei Spieler.

Vor der WM hat die russische Nationalmannschaft nicht ein einziges Mal zusammen trainieren können (siehe auch Interview mit Pavel Semenov). Das Gesamtniveau des Teams ist zwar hoch, ein Problem liegt aber darin, dass die Spieler konditionell nicht auf dem selben Level sind. Diese Tatsache wird natürlich die Spiele der russischen Mannschaft bei der WM beeinträchtigen.

Eine zweite Problematik liegt im Tempobereich. Die russischen Spieler sind zwar erfahren, aber nicht mehr die Schnellsten. Es fehlt an Konkurrenz aus dem Nachwuchsbereich. Deswegen kann ein Spiel mit hohem Tempo Russland zum Verhängnis werrden.

Dazu kommt noch, dass es, statistisch gesehen, das sogenannte „Problem des dritten Drittels“ gibt. Häufig bekommen die Russen ausgerechnet im letzten Spielabschnitt wesentlich mehr Strafen, besonders wenn man gegen stärkere oder ebenbürtige Gegner spielt. Die fehlende Physis führt dazu, dass bei den Russen gegen Ende des Spiels die Kraft nachlässt.

Vorsicht vor dem Deutschland-Schreck

Die Leader des Teams sind die Stürmer Roman Druzhininskiy und Aleksander Taldonow. Ersterer ist den Deutschen von der WM 2006 noch in unangenehmer Erinnerung. Damals schoß der Zorro-Künstler Deutschland mit fünf Toren fast im Alleingang in die B-Division. Sehr gut und erfahren sind die Angreifer Waleri Maslow und Estland-Legionär Pawel Semenov. Grundsätzlich ist die russische Stürmerreihe interessanter und variabler als die Verteidigung.

Im Vergleich zur letzten WM in Finnland hat Team Russland keine klare Nummer 1 mehr. 2010 verfügte Russland über zwei sehr starke Torhüter, Pornjakow und Michalkin. Beide sind nicht mehr im Kader. Diesmal kann die Wahl des richtigen Torhüters für die russische Nationalmannschaft also zu einer Art Lotterie werden.

Übersetzung: Dimitri Sendetski

Basisinfo
Verbandsgründung: 1992
Aufnahme in IFF: 1993
Verbandschef: Maksim Chernov
Vereine: 80
Lizensierte Spieler: 3.000
Website: www.ffrus.ru
Leistungsträger: Roman Druzhininskiy (Arena Gatchina, rus), Aleksander Taldonow (Pomor Arhangelsk, rus), Pawel Semenov (Jogeva Tähe, est)

WM-Platzierungen
1996: Sechster
1998: Siebter
2000: Achter
2002: Neunter
2004: Siebter
2006: Neunter
2008: Siebter
2010: Achter

Kader
1- Zabuga Evgeny – Goalkeeper
3 – Yuryev Sergey – Forward
4 – Shutikhin Alexander – Defender
5 – Karkumbaev Arman – Forward
7 – Taldonov Alexander – Forward
8 – Olin Artem – Forward
9 – Kurach Dmitry – Forward
10 – Polyakov Dmitry – Forward
11 – Azov Sergey – Defender
12 – Gotsulyak Viacheslav – Defender
14 – Kuchin Igor – Forward
15 – Druzhininskiy Roman – Forward
16 – Garevskikh Vladimir – Defender
17 – Uglanov Dmitry – Defender
18 – Morev Konstantin – Forward
19 – Latukhin Alexander – Forward
21 – Bykov Anatolii – Defender
30 – Ponomarev Ivan – Goalkeeper
58 – Maslov Valery – Forward
79 – Semenov Pavel – Forward

Staff
Taldonov Sergey – Cheftrainer
Bogdanyuk Andrey – Co-Trainer
Ragulin Mikhail – Co-Trainer
Kazikov Alexander – Teamarzt
Zhukovskiy Konstantin – Delegationsleiter
Chernov Maksim – Offizieller

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