Deutschland schafft Sensation und ist im WM-Halbfinale!

Manuel Mucha erhöht auf 2:0 und schickt Deutschland auf die Siegesspur. / Foto: Gregor Meier/ gmpx@gmx.ch / wfc 2012

Manuel Mucha erhöht auf 2:0 und schickt Deutschland auf die Siegesspur. / Foto: Gregor Meier/ gmpx@gmx.ch / wfc 2012

Undenkbar, famos, magisch – „Das Wunder von Zürich“. Soutters Mannen ringen Lettland mit 4:2 nieder, ziehen ins WM-Halbfinale ein und schaffen die größte Sensation der Floorball-Geschichte. Am Samstag wartet im Zürcher Hallenstadion Schweden.

Irgendwo zwischen traumtrunken und ekstatisch lassen sich die Gefühle der deutschen Spieler in den Minuten nach dem Abpfiff wiederfinden. Niemand kann glauben, dass eine deutsche Nationalmannschaft gerade das Halbfinale einer Floorball-WM erreicht hat. Lettland, Tschechien, Norwegen, sie alle sind gescheitert – nicht aber der deutsche Underdog. Der Weg zum Unfassbaren konnte spannender nicht sein.

Traumstart für Deutschland

Die ersten Überraschungen gelingen Philippe Soutter schon bei der Aufstellung. Dietz startet im Tor. Böttcher und Ibold, die gegen Russland nur sporadisch zum Einsatz kamen, rücken in die Abwehr auf. Die ledierten Hühler und Gysin stehen ebenfalls auf dem Feld. Auf Änderungen bei den Offensivreihen Mucha-Bernieck-Mucha und Holtz-Holtz-Borth verzichtet Soutter und vertraut wieder auf zwei Blöcke. Lettland soll Deutschland zu höherem Tempo zwingen, was sich aber keineswegs als Nachteil herausstellen wird.

Klare Chancen lassen auf sich aber warten. In der 12. Spielminute tankt sich dann Fredrik Holtz zur rechten Flanke durch und schlenzt den Lochball scharf und präzise zum entfernten Pfosten – 1:0. Nur kurze Zeit später lässt Silins Hühlers Distanzschuss nur vor sich abtropfen, Manuel Mucha staubt ab – 2:0. Vor Drittelende gelingt es Lettland aber noch zu verkürzen – die deutsche Abwehr bekommt ihren Slot nicht sauber, der Ball landet glücklich bei Kostusevs, der ihn ins Netz drischt.

Kampf und Krampf

Und auch der Beginn des zweiten Spielabschnitts verläuft zugunsten der Balten. Eine aufgeschobene Strafzeit lässt sechs lettische Spieler auflaufen, Laivins bedient Raitums am rechten Flügel, der schickt den Ball mit einer harten Direktabnahme unhaltbar ins obere Ecke. Das deutsche Team wirkt zwischenzeitlich konsterniert, schlägt aber zurück. Manuel Mucha prescht an der rechten Flanke vor, bedient mit einem Lupfer seinen in den Slot einlaufenden Bruder Dominic, der lenkt geschickt zum Pfosten – 3:2.

Die Partie wird nun nervöser und verfällt in ein spielerisches Loch. Beide Teams sticheln, beide Teams monieren. Seltene Torchancen sind überwiegend Zufallsprodukte. Lettland bemüht sich des Öfteren aus mittlerer Distanz, Dietz pariert. Die Muchas wirbeln unermüdlich wie Duracell-Häschen durch die gegnerische Abwehr, gute Abschlussmöglichkeiten gibt es bis zum Drittelende aber keine mehr.

Wenn Dämme brechen - Deutschland zieht ins Halbfinale ein. / Foto: Elke Scholz

Wenn Dämme brechen – Deutschland zieht ins Halbfinale ein. / Foto: Elke Scholz

Starker Schlussakt

Zu Beginn des Schlussabschnitts wirkt die deutsche Mannschaft deutlich passiver, vielleicht zu vorsichtig. Lettland darf den Ball führen und drückt, zu klaren Abschlüssen reicht es aber kaum und wenn, dann ist Dietz zur Stelle. Deutschland verzichtet auf unnötige Offensivaktionen und versucht das Rennen mit der Zeit zu gewinnen – erfolgreich. Lettland kann auch zu sechst wenig ausrichten und als in den Schlusssekunden ein langer Abschlag von Fredrik Holtz bei Dominic Mucha landet und der ins leere Tor einnetzt ist alles entschieden – Deutschland ist im Halbfinale.

Weil Soutter alles richtig machte, sein Team Disziplin, Nerven und nicht zuletzt Können bewies, stellt die deutsche Auswahl nun die Floorball-Welt auf den Kopf. Noch nie war einer Außenseitermannschaft an einem WM-Turnier jeglicher Kategorie eine derartige Überraschung gelungen. Am Samstag darf das Team von Kapitän Hühler zur Krönung im ehrwürdigen Zürcher Hallenstadion gegen Schweden auflaufen. Für die Skandinavier müsste diese Ansetzung einen glatten Durchmarsch bedeuten – aber woran darf man jetzt noch glauben?

Infos zum Spiel
Spielstatistik
Bildergalerie „Floorball Deutschland“
Bildergalerie „IFF“

Kommentare

  1. ganz starke leistung….samstag wird es wohl nichts zu holen geben. aber in einem atemzug mit den TOP-NATIONEN genannt zu werden ist schon klasse!!!! weiter so!!!!

  2. Pessimistenschweine:
    http://www.floorballmagazin.de/2012/11/30/floorball-wm-startet-in-der-schweiz/

    Schweden? Die können nix!

    Das verrückte ist ja, dass die Jungs das Spiel durchaus verdient gewonnen haben… taktisch, technisch, mental … es ist wirklich „glückliche Fügung“, dass dieser Sieg gegen die Letten die Halbfinalquali mit sich bringt, aber es ist ok! Die Letten (wie auch die Esten) sind seit Jahren nahe dran an den Tschechen (unt auch an den Schweizern) und wer diese Letten besiegt darf an einem guten Tag mit Rückenwind und Fortuna mit gutem Gewissen unter den besten vier Nationen stehen. Sich dort zu etablieren braucht noch Zeit, Geld, Talente und Glück.

    Wahnsinn.
    Gratulation von ganzem Herzen!!!

  3. … und nun verliert Tschechien auch noch gegen Norwegen und dass Deutschland zuletzt gegen Norwegen gewann (und wie…), ist wohl noch in all unserer Erinnerung. Langsam aber sicher glaube ich doch nicht mehr an eine Sensation.