„Der einzige echte Gradmesser“

Raubte zuletzt in Leipzig einen Punkt und schielt mit Bremen weiterhin nach den Playoffs - Andreas Kasche. / Foto: unihockey-bremen.de

Raubte zuletzt in Leipzig einen Punkt und schielt mit Bremen weiterhin nach den Playoffs – Andreas Kasche. / Foto: unihockey-bremen.de

Nach der Rückkehr in die Königsklasse überwintert Eiche Horn Bremen knapp unterm Playoff-Strich, hat aber noch eine Partie gut. Coach Andreas Kasche ist zufrieden. Die Liga und die Nationalmannschaft müssten aber vorsichtig sein, den echten Erfolg nicht aus den Augen zu verlieren.

Floorballmagazin: Das Jahr 2012 beendet Bremen außerhalb der Playoff-Ränge. Für einen Aufsteiger sind die zwar keine Selbstverständlichkeit, aus der Relegationszone wolltet ihr euch aber eigentlich raushalten. Bist du dennoch zufrieden?
Andreas Kasche: Es ist für uns unwichtig, auf welchem Platz wir Silvester stehen. Wichtiger ist die Platzierung nach der Rückrunde. Als Aufsteiger darf man aber wohl sehr zufrieden sein mit den momentanen Ergebnissen. Unsere Mannschaft muss sich halt an die Bundesliga erst einmal wieder gewöhnen und kleine Erfolge anpeilen und Misserfolge, die ja leider auch dazu gehören, als Lernansatz wahrnehmen. Wir sind auf einem guten Weg.

Der Punkt in Leipzig war nach der Heimniederlage im Hinspiel eher ein Erfolg. Woran muss man in Bremen in der gefühlten Winterpause noch feilen?
Es war ein Erfolg, vor allem wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen wir in Leipzig angetreten sind und wie sich das Spiel zu Beginn entwickelte. Wir werden in der kurzen Winterpause tief durchatmen. Bei uns mangelt es noch an der Konstanz in unseren Leistungen. Wenn die Rahmenbedingungen nicht optimal sind, spielen wir gerne mal schlechter, obwohl wir es nicht müssten. Wir arbeiten also an einer positiveren Herangehensweise bei aufkommenden Problemen, quasi nach dem Motto – „Problem ist nur ein anderes Wort für Herausforderung“.

Die Bremer Teams Eiche Horn und Lilienthal sind im Augenblick die einzigen Bundesligavereine ohne ausländische Verstärkungen. Tut es der Liga im Augenblick noch gut, dass das Niveau auf diese Weise steigt und auch deutsche Talente fordert oder verzerrt es das Erfolgsbild einiger Vereine?
Beides. Ich denke, dass die Legionäre, die dauerhaft im Vereinsalltag dabei sind, positiv auf die Entwicklung junger Spieler wirken, wenn sie aber nur zu den Spieltagen anreisen, dann verzerren sie die Entwicklung des Vereins. Entscheidend ist und bleibt die Jugendarbeit und die langfristige nachhaltige Integration dieser Jungsspunde. Dies ist der einzige echte Gradmesser für die Entwicklung eines Vereins und nicht der momentane Erfolg. Das wird leider zu oft vergessen. Wenn wir bei Eiche die Möglichkeiten hätten, einen Legionär an Land zu ziehen, würden wir es vermutlich auch tun. Aber die geringen finanziellen Mittel bei uns reichen dafür nicht aus, folglich stellt sich diese Frage für uns nicht.

Als ehemaliger Co-Trainer der Nationalmannschaft hattest du das deutsche Team an der WM in der Schweiz besonders im Blick. Wie interpretierst du den Erfolg von Soutte’s Equipe und was bedeutet er für die nahe Zukunft?
Es hat mich sehr gefreut, dass die Mannschaft so erfolgreich die WM bestritten hat. Bei der Interpretation dieses Ergebnisses muss man vorsichtig sein, in wie weit es sich hierbei wirklich um einen Meilenstein der innerdeutschen Entwicklung handelt. Die Dänen haben ja auch vor einigen Jahren für eine dicke WM Überraschung gesorgt. Damals spielten viele schwedische Dänen in der Nationalmannschaft. Heute dümpeln sie ihren Erfolgen vergangener Jahre hinterher. Diese mögliche Gefahr sehe ich für Deutschland leider auch, vor allem wenn man an die Zeiten nach Holtz/Holtz und Mucha/Mucha denkt. Zu unserem Glück erscheinen mir die Rahmenbedingungen innerhalb der Nationalmannschaft im Vergleich zur WM 2010 deutlich verbessert. Der Betreuerstab zum Beispiel ist ja merklich angewachsen, was sich nur positiv auswirken kann. Wenn wir jetzt in den Vereinen und vor allem beim Verband die Graswurzelarbeit vor diesem schillernden Erfolg nicht aus den Augen verlieren, dann können wir die wichtigen Meilensteine angehen.

Was sind deine Vorsätze fürs neue Jahr als Trainer von Eiche Horn?
Wenn alle Spieler wieder fit sind, wieder ein Spiel mit drei Blöcken beginnen und endlich unser halbfertiges Playbook vollenden.