„Weißenfels ist schlagbar“

Stanislav Kanta (#4) schafft sich Platz zum Abschluss. / Foto: Stefanie Dabrowski, unihockey-portal.de, PM MFBC Leipzig

Stanislav Kanta (#4) schafft sich Platz zum Abschluss. / Foto: Stefanie Dabrowski, unihockey-portal.de, PM MFBC Leipzig

Am 11. November wurde Leipzig vom Weißenfelser Erzfeind mit 4:17 demontiert. Ein Tiefpunkt. Die Playoffs zum ersten Mal seit Jahren in Gefahr. Stanislav Kanta wurde in der letzten Spielminute sogar noch mit einer roten Karte vom Platz geschickt. Fünf Monate später stehen Kanta und seine Löwen im Finale. Gegen Weißenfels.

Der Transfer von Carlsson und Ericsson-Hallen bescherte dem MFBC nicht nur zwei kaltschnäuzige Scharfschützen für die bis dahin träge Offensive. An der Seite der Schweden blühten auch die tschechischen Verstärkungen endlich auf, die Leipzig im Sommer in die Bundesliga geholt hatte.

Tomas Novotny bewies sich von nun an als schussgewaltiger Verteidiger, der über die Spielmitte den Aufbau lenkt und entweder die gegnerischen Torhüter mit scharfen Projektilen zuschüttet oder seine Mitspieler mit präzisen Pässen an den Flanken versorgt. Wie etwa seinen Landsmann Stanislav Kanta.

Der hält als robuster Center nicht nur Carlsson und Ericsson-Hallen den Rücken frei, sondern sucht nun immer häufiger auch seine eigenen Chancen. In der Scorertabelle der diesjährigen Playoffs besetzt Kanta Platz ein, hinter ihm vier weitere Leipziger. Sechs Tore und sechs Vorlagen aus vier Partien hat Kanta angehäuft – das letzte Tor, das Golden Goal gegen Wernigerode, war aber mit Abstand das wichtigste.

Floorballmagazin: In der zweiten Minute der Verlängerung wurdest du zum „goldenen“ Schützen. Wie ist das Tor aus deiner Sicht entstanden?

Stanislav Kanta: Um ehrlich zu sein, ich habe den Ball kaum gesehen. Die wernigeroder Abwehrspieler haben sich die ganze Zeit um unsere zwei Schweden gekümmert also hatte ich über das ganze Spiel hinweg viel Platz. Dann kam der Pass von Tomas (Novotny, Anm. d. Red.) und ich musste ihn nur noch aufs Tor schicken. Mein Schuss war recht kompromisslos und plötzlich wackelte das Netz. Dann ist es mit mir durchgegangen, dass wir gewonnen haben und dass wir im Finale stehen. Stark.

Im letzten Aufeinandertreffen der Ligaphase hattet ihr deutlich gewonnen. Was hat den Unterschied in der Serie gemacht?

Ich denke, wir waren irgendwie motivierter. Mir kam es so vor, als hätte Wernigerode keine Lust am Spiel. Vielleicht lag es auch am Stress oder es war ihre Taktik. Sie schickten immer nur lange hohe Bälle über die Mittellinie, wir holten uns den Ball und hatten unsere Chancen. Daraus schossen wir trotzdem viel zu wenig Tore. Das zweite Spiel hatten wir eigentlich unter Kontrolle, dann gab es ein paar seltsame Schiri-Entscheidungen und es wurde nochmal spannend. Am Ende ging aber alles gut.

Jetzt erwartet euch Weißenfels. Gegen den UHC hattet ihr in dieser Saison bislang recht wenig Erfolg. Wie lässt sich der UHC knacken? Was müsst ihr im Gegensatz zu den vorhergegangenen Partien ändern?

Weißenfels ist ein schwerer Gegner, aber ein schlagbarer. Das Rezept ist einfach – die Abwehr muss stehen und wir müssen unsere Chancen nutzen. So wie Bonn im Pokal. Wir müssen außerdem resoluter in unseren Zweikämpfen werden, schneller spielen und unnötige Ballverluste vermeiden – die können uns den Sieg kosten.

Du hast fast eine ganze Bundesliga-Saison hinter dir. Womit hat dich der Wettbewerb überrascht?

Wo soll ich anfangen? Es gibt hier viele ausländische Spieler, das macht den Wettbewerb interessanter und abwechslungsreicher. Auch die Professionalität vieler Vereine ist bemerkenswert und kommt an die tschechischer Extraligisten heran. Die Zuschauerzahlen haben mich auch überrascht, die sind wirklich fantastisch. Schwierig finde ich das Niveau der Schiedsrichter, das ist milde gesagt eine Katastrophe. Ich war früher selbst Schiedsrichter und ich weiß, dass es nicht einfach ist. Aber die meisten Schiris hier spielen ihre Überlegenheit an lächerlichen Kleinigkeiten aus und was wirklich wichtig ist, übergehen sie. Das tut der Entwicklung der Sportart mit Sicherheit nicht gut. Was mich noch stört, sind die Hallen in denen hier gespielt wird. Diese rutschigen alten Parkett- oder Linoleum-Böden sind eine Zumutung. Aber wie gesagt, sonst ziehe ich meinen Hut, was hier geleistet wird.