„Wir sollten nach vorn sehen“

Ungewohntes Erlebnis - Böttcher bekommt von Verbandspräsident Stoll die Silber-Medaille umgehangen. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Ungewohntes Erlebnis – Böttcher bekommt von Verbandspräsident Stoll die Silber-Medaille umgehangen. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Im zweiten Finalspiel übernahm Tim Böttcher nach Robert Blankes Verletzung die Weißenfelser Kapitänsbinde. Und musste nach der bitteren Niederlage als Erster die Silber-Medaille entgegen nehmen. Doch der Nationalspieler blickt bereits nach vorne: „Der Hunger nach Titeln ist bei mir durch diese titellose Saison so groß wie seit Jahren nicht mehr.“

Tim Böttcher nahm mit acht Jahren in der Schul-AG erstmals den Schläger in der Hand und landete bald darauf beim UHC Weißenfels. Dort reifte der inzwischen 21-jährige Verteidiger zum Nationalspieler und besonnenen Leitwolf. Eine titellose Saison hat er mit seinem Klub noch nicht erlebt. Das gab es zuletzt vor elf Jahren, damals spielte nicht nur Böttcher, sondern ein Großteil der jetzigen Mannschaft noch in den unteren Jugendstufen.

Zum ersten Mal steht Böttcher also mit leeren Händen da. Von Resignation aber keine Spur, im Gegenteil. Der Verteidiger kann der Saison viel Positives abgewinnen und sieht sein Team auf den richtigen Weg. Zudem prognostiziert er: „Dieser zweite Platz wird uns nur mehr Motivation und Anreiz für die nächste Saison geben.“

Floorballmagazin: Hier habt in der Bundesliga eine nahezu perfekte Saison ohne Niederlage gespielt, ausgerechnet im Finale setzte es dann aber zwei Pleiten am Stück. Was für ein Fazit zieht man nach so einer Spielzeit?

Es war lange nichts alles schlecht in dieser Saison. Wir waren die jüngste Mannschaft der ganzen Liga und haben jedes Spiel mit drei Linien gespielt, sodass jeder seine Spielzeit bekommen hat und Erfahrungen sammeln konnte. Aus dieser Sicht war es für die weitere Entwicklung der Mannschaft sehr erfolgreich. Sicher wäre es schön gewesen, wenn wir Meister geworden wären, aber ich denke, dass uns dieser zweite Platz nur mehr Motivation und Anreiz für die nächste Saison geben wird. Ändern kann man es eh nicht mehr, von daher sollte man nach vorn sehen und versuchen, eben im nächsten Anlauf den Titel zurückzuholen.

Wo siehst Du die Gründe für die beiden Niederlagen gegen Leipzig?

Die beiden Spiele waren recht unterschiedlich. Im ersten war Leipzig besser als wir. Wir hatten zwar viel mehr Ballbesitz, aber durch eine starke Verteidigung und gute Konter hat uns Leipzig einfach das Leben schwer gemacht. Das zweite Spiel war echt ausgeglichen. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, denke ich, aber ein großer Unterschied war für mich die fehlende Cleverness. Wir konnten uns trotz viel Ballbesitz nie absetzen, Leipzig hat immer wieder ausgeglichen oder vorgelegt. Es war ein Riesenkampf und das Tor in der Verlängerung war einfach unglücklich. Leipzig hatte mit ihren Gastspielern eine wirklich starke Mannschaft und uns das Leben schwer gemacht. Ich glaube übrigens, dass durch solche Spieler auch die Liga selbst besser wird.

Seit 2002 habt Ihr jede Saison immer mindestens einen Titel geholt. Dieses Jahr geht Ihr erstmals wieder leer aus. Du selbst und die allermeisten Spieler im Kader haben eine solche, titellose Spielzeit ja noch nicht erlebt. Kannst Du kurz Einblick in Dein Innenleben geben? 

Das ist eine gute Frage. Titellos in einer Saison zu sein habe ich wirklich noch nicht erlebt. Und sicher hätte ich mir wenigstens einen Titel gewünscht. Aber wie schon gesagt, die Eingliederungen der jungen Spieler ist definitiv ein großer Erfolg und auf lange Sicht bringt uns das vielleicht auch mehr als ein Titel. Und es ist ja nicht so, dass wir im Pokal schon in der ersten Runde ausgeschieden wären oder in der Liga schon im Viertelfinale. Also kam jeder auch auf seine Spiele.

An welchen Schrauben müsst Ihr, Deiner Meinung nach, drehen, damit es nächste Saison wieder Trophäen gibt?

Für kommende Saison hilft uns die gesammelte Erfahrung, die die ganze Mannschaft bekommen hat. Egal ob es die erste Saison war, wo man erstmal rein kommen musste, oder ob man schon länger spielt und einfach mehr Verantwortung zu tragen hatte: Jeder hat viel für die folgenden Spielzeiten mitgenommen. Der Hunger nach Titeln ist durch diese titellose Saison, zumindest bei mir, so groß wie schon seit Jahren nicht mehr. Wir sollten unseren Weg weitergehen, weil das, meiner Meinung nach, automatisch und langfristig Erfolg bringt. Ich jedenfalls freue mich jetzt schon auf die nächste Saison.