Ehr(ungs)sache

Corpus Delicti - Der Meisterpokal der Herren beim Endspiel 2013 (re. im Bild). /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Corpus Delicti – Der Meisterpokal der Herren (re. im Bild) beim Endspiel 2013. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Ein Mini-Pokal, gar kein Pokal oder fehlende Medaillen – Die Siegerehrungen der Bundesligen brachten diese Saison eine fast schon kuriose Häufung an Irritationen. Wenngleich manche Auswüchse der Possen, wie der Bartstreik von gleich zwei Spielern, zum Schmunzeln waren: Die Thematik an sich ist es nicht.

Will shave for Medals!“ Mit traurigem Blick und vollem Barthaar appellierte BAT-Center Ismael Hallbäck an den Dachverband. Der Schwede hatte mit seinen Berliner Kollegen im Bronze-Spiel der 1. Bundesliga überraschend Wernigerode niedergerungen. Dafür gab es im Anschluss zwar einen Pokal, jedoch keine Medaillen.

Größer, glänzender, repräsentativer - der Original-Pokal für den Deutschen Herren-Meister. Hier im Jahr 2012. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Größer, glänzender, repräsentativer – der Original-Pokal für den Deutschen Herren-Meister. Hier im Jahr 2012. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Im Meisterschaftsfinale zwischen Leipzig und Weißenfels gab es derer wiederum genug, dafür fehlte eine andere, wichtige Trophäe – der Meisterpokal. Anstelle des großen Potts bekam der neue Meister MFBC einen Pokal überreicht, der in Sachen Repräsentanz und Größe wie ein Zwilling des Silberpokals daher kam.

Nach dem Finale gab es aus Leipzig wütende Wortmeldungen, von Unsportlichkeit war die Rede und dass Titelverteidiger Weißenfels den Pott bewusst zurückgehalten habe. Die Vorwürfe selbst sind nicht haltbar, viel eher lag wohl schlichtweg ein Missverständnis vor. Fakt ist, die große Meistertrophäe ist ein Wanderpokal. Dass war jedoch nicht allen Beteiligten bewusst, wie Verbandspräsident Oliver Stoll aufklärt: „In Weißenfels ging man davon aus, dass der Pokal dort verbleiben kann.“ Nach der Aufklärung der Situation sei der Pokal umgehend nach Leipzig gegeben wurden. In Weißenfels lässt man sich nun einen eigenen Meisterpokal als Ersatz anfertigen.

Berlin-Center Ismael Hallbäck mit seinem Bart-Appell nach Bronze-Medaillen. /Foto: batberlin.de

Berlin-Center Ismael Hallbäck mit seinem Bart-Appell nach Bronze-Medaillen. /Foto: batberlin.de

Obgleich die Pokal-Posse damit gelöst wurde: Im höchsten deutschen Spielbetrieb, dem Aushängeschild einer jungen Sportart, die sich gegenüber Medien, Fans und Sponsoren bestmöglich präsentieren will, sind solche Fauxpas in den entscheidenden Spielen der Saison ein unnötiges Ärgernis. Natürlich genügt auch die Durchführung vieler Spieltage in der Bundesliga – teilweise ohne Catering, Starting Six und vielem mehr – weiterhin keinesfalls dem Anspruch einer ambitionierten Randsportart, die Floorball in Deutschland noch immer ist. In den Finalspielen aber, der größten Bühne des Wettbewerbs mit dem höchsten Medieninteresse, müssen solche organisatorischen Unzulänglichkeiten wie mit dem Meisterpokal vermieden werden.

Wichtiger Ausdruck der Wertschätzung

Natürlich sind Pokale nur ein ganz kleiner Teil der Verbandsarbeit. Und dennoch: Sie sind ein wichtiger Ausdruck der Wertschätzung für sportliche Leistungen. Auf die Sensibilität der Klubs bei dieser Thematik muss deshalb Rücksicht genommen werden. Beim Dachverband wurde die Ehr(ungs)sache in der letzten Vorstandssitzung, im Nachgang der Endspiele, intensiv diskutiert. An Selbstkritik soll dabei nicht gespart worden sein, heißt es. Doch es gab auch Ergebnisse: „Ab dem kommenden Jahr gibt es neben dem Wanderpokal deutlich größere und repräsentativere Pokale und Auszeichnungen“, verspricht Verbandspräsident Stoll. Dies habe der Vorstand einstimmig beschlossen.

Kaufering-Defender Martin Klöck geht wie Hallbäck ebenfalls in den Bartstreik. In bayrischer Mundart fordert er einen Pokal für die Zweitliga-Meisterschaft. /Foto: redhocks.de

Kaufering-Defender Martin Klöck geht wie Hallbäck ebenfalls in den Bartstreik. In bayrischer Mundart fordert er einen Pokal für die Zweitliga-Meisterschaft. /Foto: redhocks.de

Hallbäcks Bartstreik fand indes einen Nachahmer in Bayern. Weil Kaufering für den Gewinn der Zweitliga-Meisterschaft keine Trophäe erhielt, entschied sich deren Verteidiger Martin Klöck ebenfalls zu einem haarigen Protest. Ob dieser Appell Wirkung zeigt, ist aber fraglich, denn in der zweiten Liga gibt es seit zwei Jahren keine Ehrungen mehr. Berlins Hallbäck darf hingegen schon einmal den Rasierer bereit legen. Am Samstag werden die Bronze-Medaillen bei der U19-WM an zwei dort anwesende BAT-Spieler überreicht.

Kommentare

  1. Wird nicht schon seit drei Jahren der gleiche dicke Pokal vergeben? Ich glaub die „Nicht-Gewusst“-Mär von Weissenfels nicht…

    Der Logistikaufwand für die ganze Medaillen- und Pokalvergabe ist nicht zu unterschätzen. Schliesslich finden mehr als ein Dutzend Entscheidungen (inkl. Jugendligen) statt während dem Saisonfinale. Dies muss nebst dem Tagesgeschäft erledigt werden und jeder will die Medaille vom ehrenamtlichen Präsi erhalten… Aber der für Medienbilder wichtigste Pokal der Herren-Bundesliga sollte halt schon da sein…

    Shit happens, nicht nur in den Vereinen, auch im Verband.