Deutschland schießt Estland ab

Blitzstart nach 18 Sekunden: Joel Wenning trifft zur schnellen Führung. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Blitzstart nach 18 Sekunden: Joel Wenning trifft zur schnellen Führung. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Dank einer grandiosen Leistungsteigerung in der zweiten Spielhälfte überrollt Deutschland vor über 700 Zuschauern Estland mit 11:3. Damit steht das Team von Iivo Pantzar bereits nach zwei Spielen als Gruppensieger im Halbfinale der B-Division. Ein 7:0-Lauf in den letzten 25 Spielminuten sorgte für den letztlichen verdienten Kantersieg.

Das Spiel beginnt mit einem deutschen Blitzstart. Wenning nach nur 18 Sekunden und Bier vier Minuten später stellen auf 2:0. Doch Estland findet in der Folge, mit deutscher Unterstützung, ins Spiel hinein. Abwehrfehler und einfache Ballverluste tragen dazu bei, dass die Esten in der 9. Minute binnen 37 Sekunden den Ausgleich erzielen können. „In dieser Phase haben wir große Fehler gemacht und hatten irgendwie nicht die richtige Einstellung“, sagt Cheftrainer Iivo Pantzar. Kurz nach dem 2:2 verhindert der später zum „Best Player“ gewählte Goalie Nils Hallerstede mit einem entschärften Penalty die estische Führung.

Zum Ende der folgenden Unterzahl bricht Wenning durch und kann ebenfalls nur auf Kosten eines Penalties gestoppt werden. Zunächst scheitert Kay Bier mit einem Lupfer an Tölp im estischen Kasten, schnappt sich jedoch nach wenigen Sekunden in Überzahl den Ball und nagelt ihn von der Mittellinie in den linken Winkel. „Ich hatte ein sehr gutes Gefühl. Es war nach einem Ballgewinn, ich sah die Lücke und zog ab“, erklärt Bier sein Traumtor. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Zürcher Defender keinesfalls. Die erneute Führung bringt Deutschland dennoch keine Sicherheit: 30 Sekunden vor der ersten Pause schenkt ein unnötiger Ballverlust in der eigenen Hälfte den Esten den Ausgleich.

Starker Rückhalt: Nils Hallerstede wurde mit 26 Paraden verdient zum „Best Player“ gewählt. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Starker Rückhalt: Nils Hallerstede wurde mit 26 Paraden verdient zum „Best Player“ gewählt. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Kuchs Shorthander als Knackpunkt

„In der Kabine habe ich den Jungs gesagt, dass sie sich auf die Basics konzentrieren sollen. Selbstbewusst mit dem Ball und clever im Eins gegen Eins“, rekapituliert Pantzar seine Pausenansprache. Im zweiten Drittel sorgt Zwirner für das schnelle 4:3. Danach kassiert Deutschland drei Zwei-Minuten-Strafen, übersteht sie jedoch dank guter Blockarbeit und einem starken Hallerstede komplett unbeschadet. Zum Ende der letzten Strafe trifft Kuch in Unterzahl gar zum 5:3 – der Knackpunkt. „Die Phase Mitte des zweiten Drittels war unser härtester Moment des Spiels“, sagt Pantzar.

Nach Kuchs Treffer brechen alle Dämme, vor allem die erste Linie um Hoffmann, Burmeister, Wenning, Bier und Ackermann spielt sich fast in einen Rausch. Burmeisters Auge für die Pässe, Wennings brachiale Kraft oder Biers peitschende Distanzschüsse: Die Paradelinie des deutschen Teams bringt ein sehr starkes und viel versprechendes Niveau aufs Feld. „In den fünf Trainings, die wir vor der WM hatten, ist es nie gelaufen. Wir haben uns gesagt, im Spiel wird es laufen“, erinnert sich Kay Bier. Und wie es läuft: Hoffmann, Bier und Ackermann stellen zwischen der 38. und 44. Minute von 5:3 auf 8:3.

Video: Deutschland vs. Estland

Deutschland ist Gruppensieger

Die letzten zehn Minuten zeigt sich Deutschland mit großer Spielfreude gegen inzwischen lustlose Esten, die in der 49. Minute noch eine 5-Minuten-Strafe kassieren. Schlevoigt nutzt diese sieben Minuten vor Ende zum 9:3, kurz darauf macht Bröker es zweistellig. Für Estland fast schon ein symptomatisches Gegentor: Ein estischer Defender schlägt den Ball gegen die Bande hinterm Tor, von dort springt er in den Slot, wo Bröker mit Rückhand vollendet. Den Schlusspunkt setzt in der 59. Minute mit Joel Wenning der Spieler, der auch das erste deutsche Tor erzielte.

Der 11:3-Sieg fiel letztlich vielleicht etwas zu hoch aus, dennoch konnte das deutsche Team über weite Strecken spielerisch absolut überzeugen und gewann völlig verdient sein mutmaßliches Schlüsselspiel. Dank des 3:3-Unentschiedens zwischen Slowenien und Kanada im Parallelspiel steht Deutschland bereits nach zwei Spielen als Sieger Gruppe C fest und kann fürs Halbfinale der B-Division am Samstag Abend planen.

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