Kanada bremst deutsche Euphorie

Bild mit Symbolcharakter: Kanada jubelt, Wenning im Hintergrund schaut konsterniert. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Bild mit Symbolcharakter: Kanada jubelt, Wenning im Hintergrund schaut konsterniert. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Gegen Kanada kassiert Deutschland die erste Niederlage bei der Heim-WM in Hamburg. Vor der Partie hatte das Team von Iivo Pantzar bereits als Gruppensieger festgestanden und konnte vermeintlich frei aufspielen. Doch die junge Equipe verkrampfte zu häufig und fand nicht zu ihrem gewohnten Spielfluss. So siegten die Kanadier deutlich 7:3.

Nach zwei sehr überzeugenden Siegen – 8:1 gegen Slowenien und 11:3 gegen Estland – stand Gastgeber Deutschland bereits vor der Partie gegen Kanada als Sieger der Gruppe C fest. Für die Nordamerikaner ging es noch um die Halbfinal-Qualifikation, sie brauchten zwei Punkte und einen Ausrutscher der Esten in deren Parallelspiel gegen Slowenien.

Von Beginn weg spielt Kanada aggressiv in der Deckung und lauert auf schnelle Konter, Deutschland versucht sich hingegen am kontrollierten Spielaufbau. Vermeidbare Fehler in der Defensive bringen den Kanadiern ein Chancenplus, die meisten Bälle flattern jedoch am Kasten von Jannik Krüger, der den Vorzug vor Nils Hallerstede erhielt, vorbei. In der 9. Minute ist Krüger chancenlos, als Ridgewell zu unbedrängt von links hereinziehen und in den kurzen Winkel abschließen kann. Sechs Minuten später findet Burmeister Linienkollege Wenning im Slot. Der kann sich unbedrängt drehen und schießt links unten ein. Dennoch, das deutsche Spiel hakt weiter, Spielfluss wie in den beiden Partien zuvor kommt kaum zustande.

Gedanken schon beim Halbfinale

Unsere Motivation für das heutige Spiel war nicht so stark wie in den anderen beiden Partien, obwohl wir versucht haben, uns für das Spiel zu motivieren“, wird Kapitän Jason Tsiakas nach dem Duell mit Kanada erklären. Die Gedanken seien aber schon zu sehr beim Halbfinale gewesen, so Tsiakas.

Fand wie der Rest des Teams nicht zur Bestform: Mannschaftskapitän Jason Tsiakas. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Fand wie der Rest des Teams nicht zur Bestform: Mannschaftskapitän Jason Tsiakas. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Er bietet damit einen Erklärungsansatz für das zweite Drittel der deutschen Mannschaft. Denn statt frei aufzuspielen und die sich immer wieder bietenden Räume spielerisch zu nutzen, lässt sich die Equipe von Iivo Pantzar auf das hektische Hoch und Runter der Kanadier ein und läuft ins Messer. Foster, Ridgewell und Brandström (in Überzahl) sorgen bis zur 37. Minute für die 4:1-Führung der Kanadier. Deutschland hadert in dieser Zeit in der Offensive mit seinen Abschlüssen, allein Tsiakas trifft dreimal nur Kanadas Torhüter Shipp. Wenning, nach dem Spiel zurecht zum „Best Player“ gewählt, sorgt zehn Sekunden vor der zweiten Pause noch einmal für Hoffnung, als er in Unterzahl das 2:4 macht.

Deutschland läuft ins Messer

Im dritten Abschnitt scheinen die deutschen Junioren endlich am Drücker. Vier Minuten nach Wiederanpfiff wird ein geduldig gespielter Angriff belohnt, als Burmeister im Slot zum Anschluss abstaubt. Doch wer unter den 800 Zuschauern nun auf ein Comeback der Gastgeber hofft, sieht sich getäuscht. In der Folge passt sich Deutschland wieder zu sehr dem kanadischen Spiel an und versäumt es, der Partie den eigenen Stempel aufzudrücken. Dazu kommen Unkonzentriertheiten in der Defensive, sowohl beim Aufbau als auch im Abwehrverhalten. Die Folge: Batrynchuk und zweimal Foster sorgen in den letzten zehn Minuten für klare Verhältnisse und sichern Kanada den 7:3-Sieg. Da aber Estland im Parallelspiel Slowenien 8:5 schlägt, bleibt den Nordamerikanern trotz des Erfolgs nur das Spiel um Platz 13 gegen Japan.

Für Deutschland geht die WM hingegen nun in die heiße Phase. „Uns hat heute in vielen Situationen etwas der Mut gefehlt“, analysiert Kapitän Tsiakas. Doch auch wenn das Ergebnis nicht wie gewünscht sei, gelte der Blick nun dem morgigen Halbfinale gegen Ungarn (19.30 Uhr, Sporthalle). Gegen diese Mannschaft war man 2011 in Weißenfels an gleicher Stelle unglücklich mit 5:6 nach Verlängerung gescheitert. Das soll diesmal anders werden. „Ich bin guter Dinge“, sagt Tsiakas. Und auch sein Trainer Iivo Pantzar ist, Zitat, „nicht besorgt“. „Jeder Spieler hat in diesem Turnier schon besser gespielt als heute gegen Kanada“, sagt der finnische Headcoach. Morgen gegen Ungarn muss seine Mannschaft wieder ihre beste Leistung abrufen, damit es mit dem ersehnten Endspiel vor eigener Kulisse klappt.

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