Deutschland zittert sich ins Finale

Der erlösende Abpfiff: Deutschland ringt Ungarn nieder und steht im Endspiel. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Der erlösende Abpfiff: Deutschland ringt Ungarn nieder und steht im Endspiel. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Das Finale ist gebucht! Nach nervösem Start findet Deutschland gut ins Halbfinale gegen Ungarn und führt nach zwei Dritteln 5:1. Doch im Schlussabschnitt flattern die Nerven wieder, sodass Ungarn bis auf ein Tor herankommt – Erinnerungen an 2011 kommen auf. Letztlich gelingt jedoch die Revanche für die Halbfinal-Niederlage vor zwei Jahren.

Vor eigenem Publikum hatte Deutschland 2011 in Weißenfels gegen Ungarn eine bittere 5:6-Niederlage nach Verlängerung kassiert. Und musste ins Bronzespiel. Zwei Jahre später wartete an gleicher Stelle in Hamburg der selbe Gegner. Deutschland hatte tags zuvor, bereits als Gruppensieger feststehend, gegen Kanada nach einer schwachen Leistung 3:7 unterlegen. Ungarn hatte in seinem abschließenden Vorrundenspiel mit Australien hingegen keine Probleme und sicherte sich mit einem deutlichen 11:3 seinen Platz im Halbfinale.

Die Vorzeichen waren klar: Deutschland wollte nicht nur ins Finale, sondern auch Revanche für 2011 üben. Das Duell gegen Ungarn beginnt zerfahren, in der Defensive leistet sich Deutschland, wie schon in den Partien zuvor, viele unnötige Fehler und bringt Goalie Hallerstede schnell in Handlungszwang. Der Lilienthaler pariert jedoch bravorös und entschärft sogar eine 2-gegen-0 Situation spektakulär im Liegen mit dem Bein. Zuvor hatte Schlevoigt vor dem eigenen Tor einem Ungarn den Ball direkt in die Kelle gespielt. Die Nervösität ist jedoch nicht nur dem Weißenfelser Defender, der ansonsten robust und gut agiert, sondern dem gesamten Team deutlich anzumerken. Vielen Spielern zittert vor lautstarker Kulisse beim Passen merklich der Schläger.

Führung bringt Deutschland Sicherheit

Nach einer überstandenen Unterzahl (Strafe gegen Bier) kann Wenning im Gegenangriff nur mit einem Stockschlag am Abschluss gehindert werden. Bier vergibt zunächst den fälligen Penalty, doch im anschließenden Überzahlspiel findet Zwirner den frei stehenden Wenning im Slot. Der hämmert den Ball zur deutschen Führung in die Maschen (15.). Dank Hallerstede, der in den ersten 20 Minuten insgesamt 14 Paraden sammelt, nimmt Deutschland diese knappe 1:0-Führung mit in die Kabine.

Wenning wühlt im ungarischen Slot und prüft Schlussmann Tóth. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Wenning wühlt im ungarischen Slot und prüft Schlussmann Tóth. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Im zweiten Abschnitt bleibt Ungarn zwar gefährlich, doch die Führung bringt Deutschland endlich Sicherheit. In der 23. Minute trägt ein Pressing Wennings Früchte, als der Stürmer dem ungarischen Defender an der linken Bande den Ball abnimmt und Burmeister vor dem Tor mustergültig bedient. Fünf Minuten darauf lanciert Ungarn einen seiner schnellen Konter. Heinel macht den Passweg nicht zu und so hat Hallerstede gegen Petenyis Direktabschluss keine Chance.

Deutschland lässt sich aber nicht verunsichern, im Gegenteil. Hoffmann sorgt mit einem scharfen, verdeckten Schlenzer vom Point in Überzahl für die erneute Zwei-Tore-Führung (33.). Inzwischen sind auch die anderen beiden deutschen Linien im Spiel angekommen und sorgen für Gefahr. Während der zweite Block noch mit dem Abschluss hadert, agiert der dritte eiskalt. So kann Kuch in der 33. und 38. Minute jeweils einen Abpraller verwerten und sorgt damit für eine klare 5:1-Führung zur zweiten Pause. Deutschland ist in diesem Drittel extrem effektiv, macht aus sieben Schüssen vier Tore.

Ungarn macht es spannend

Nur 38 Sekunden nach Wiederanpfiff führt ein Ballverlust im Aufbau zu einem Konter für Ungarn. Petenyi lässt Hallerstede keine Chance und trifft zum 2:5. Auch in den nächsten Minuten wird der Goalie mehrfach gefordert, pariert jedoch grandios. Pantzar stellt in der Folge seine Reihen um, Deutschland erspielt sich daraufhin eine Reihe von Großchancen. Kuch trifft nur die Latte (49.), Wenning und Hoffmann scheitern wenig später an Ungarns immer besser werdenden Goalie Tóth.

Video: Halbfinale Deutschland – Ungarn

In den Schlussminuten schafft Deutschland es nicht, seinen Drei-Tore-Vorsprung adäquat zu sichern. Vielmehr läuft das Team trotz Führung immer wieder in Konter. Einen solchen kann Zwirner nur lösen, in dem er einen ungarischen Angreifer ungeschickt mit dem Körper abräumt. Den fälligen Penalty verwandelt Pfeiszli sehenswert per Zorro-Trick (56.). Eine Minute später, die Deutschen schwimmen nun nur noch, eskortieren drei Verteidiger Ungarns Simon durch den Slot, ohne ihn anzugreifen. Der bedankt sich mit einem Schlenzer aus der Drehung, mit dem er Hallerstede in der kurzen Ecke erwischt.

Deja-vú in den Schlussminuten

Mir ist in dem Moment schon das Spiel von vor zwei Jahren durch den Kopf gegangen“, sagt Hallerstede nach der Partie. Der Goalie war damals auch in Weißenfels dabei, als sein Team eine vermeintlich beruhigende Führung gegen eben jene Ungarn verspielte und noch in der Overtime verlor. Diesmal wiederholt sich die Geschichte jedoch nicht. Mit Herz und Kampf beißt sich Deutschland durch die letzten Minuten und feiert am Ende den ersehnten Finaleinzug.

Dort wird die Mannschaft morgen früh, 10 Uhr, auf Polen treffen. Fehler im Aufbau und Defensivverhalten, wie sie gegen Ungarn einmal mehr zu häufig auftraten, dürfen im Endspiel nicht passieren. „Manchmal fehlt uns der hundertprozentige Fokus, vielleicht ist es auch Nervosität, wenn wir unter Druck geraten“, sucht Hallerstede nach Gründen für die Aussetzer. Die Polen indes sind ein bekannter Gegner, der in der Vorbereitung einmal 9:6 geschlagen werden konnte. „Wir werden in dem Spiel eine konstante Leistung über alle drei Drittel brauchen“, prognostiziert Hallerstede.

>Statistik
>Bildergalerie