„Das beste Level erreicht“

Dominant: Die erste Linie um Hoffmann (mi.) und Burmeister (li.) sorgte mit Abstand für die meisten Tore. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Dominant: Die erste Linie um Hoffmann (mi.) und Burmeister (li.) sorgte mit Abstand für die meisten Tore. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Seit anderthalb Jahren ist der Finne Iivo Pantzar Cheftrainer der Deutschen U19-Nationalmannschaft. Letztes Wochenende musste er mit seinem Team bei der Heim-WM in Hamburg die bittere Finalniederlage gegen Polen verkraften. Der erstrebte Aufstieg in die A-Division wurde damit verpasst, dennoch sagt Pantzar: „Ich bin stolz auf die Jungs.“

Floorballmagazin: Nach der 2:3-Overtimeniederlage im Endspiel gegen Polen hast Du das Team in der Umkleide versammelt. Es muss wohl sehr emotional zugegangen sein. Welche Worte hast Du in dem Moment gefunden, um das Team aufzubauen?

Iivo Pantzar: Ja, es war ein sehr emotionaler Moment mit viel Tränen. Ich sagte den Jungs, dass wir den Traum hatten, erstmals für Deutschland Gold in der B-Division zu gewinnen. Und dass es knapp war, wir jedoch mit dem Resultat leben können. Ich sagte, dass es viel schwerer zu akzeptieren sei, dass das gemeinsame Projekt nun vorbei ist und das Trainerteam diese Mannschaft verabschieden muss.

Im Endspiel war die Chancenverwertungn ein großes Problem, es gelangen nur zwei Tore. Siehst Du darin den Hauptgrund für die Niederlage oder fallen Dir noch andere Punkte ein?

Wir hatten Schwierigkeiten mit unserem Spiel in den ersten zehn Minuten. Dann fanden wir unser Level und spielten in den besten Momenten des Endspiels großartiges Floorball. In der Defensive zeigten wir die beste Leistung der letzten anderthalb Jahre. Ich sehe es aber exakt so wie Du: Der markanteste Grund für unsere Niederlage lag darin, dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Unser einziges Problem in jenem Match war das Scoren.

Unser einziges Problem im Finale war das Scoren.

Betrachtet man das Turnier als Ganzes wird ziemlich deutlich, dass die Mannschaft stark von der Performance der ersten Linie abhing. Die Angreifer der beiden anderen Linien schossen in fünf Spielen nur fünf Tore, obwohl sie, wie beispielsweise von Pritzbuer, Bröker und Tsiakas, wirklich gut kombinierten. Denkst Du, dass die Zusammenstellung der Linien falsch war oder war es schlicht unglücklich, dass der zweite und dritte Block so wenig gescort haben?

Unsere erste Linie war ohne Zweifel großartig. Als Trainer ist es eine wichtige Sache, einen Block zu finden, der Verantwortung fürs Scoren übernehmen kann. Die zweite Linie hat ebenso richtig gut gearbeitet, aber nicht so viele Tore gemacht. Tsiakas und Bröker hatten in den Spielen vor der WM sehr viele Treffer gemacht und von Pritzbuer war der perfekte Junge für diesen Block. Bei ihnen hat im Turnier nahezu alles funktioniert, nur am Toreschießen hat es gehapert.

Großartige Arbeit als Block, leider nur wenig Ertrag: In der zweiten Reihe gelang von den drei Angreifern nur Bröker (vorn) ein Tor. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Großartige Arbeit als Block, leider nur wenig Ertrag: In der zweiten Reihe gelang von den drei Angreifern nur Bröker (vorn) ein Tor. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Ein anderes Muster, das während der Endrunde immer wieder auftrat, waren die Fehler im Spielaufbau. Diese gaben den Gegnern leichte Angriffe. Wo siehst Du die Gründe dafür?

Es gab diese Fehler, das stimmt. In einigen Spielen war es eindeutig die Nervosität im ersten Drittel. Wir waren in der B-Division einer der Turnierfavoriten und spielten vor heimischen Publikum. Für junge Sportler ist das eine große Herausforderung. Unser Ziel war es, mutiges Floorball im Angriff sowie im Aufbau zu spielen.

Wie zufrieden bist Du mit dem Auftritt Deiner Mannschaft über das gesamte Turnier gesehen?

Unser Traum war der Gewinn der B-WM, am Ende wurden wir jedoch Zweiter. Das ist keine schlechte Platzierung, aber es ist natürlich hart, darüber nun glücklich zu sein. Wichtiger ist für mich, wie wir das ganze Turnier über als Sportler gearbeitet haben. Neben den Spielen haben wir uns absolut professionell verhalten und darauf bin ich stolz! Ich muss auch einen großen Dank an unseren Teammanager Stefan Erkelenz aussprechen, der uns perfekte Bedingungen organisiert hat.

Es ist natürlich hart, über den zweiten Platz glücklich zu sein.

Wenn Du auf die letzten anderthalb Jahre zurückblickst: Wie beurteilst Du die Entwicklung des Teams und hat diese bei der WM ihren Höhepunkt erreicht?

Es macht es wirklich einfacher, die bittere Finalniederlage zu akzeptieren, wenn ich an die gesamte Entwicklung des Team während unseres Projektes denke! Wir haben große Schritte gemacht und haben während der Endrunde als Mannschaft unser bestes Level erreicht.

Will gerne als U19-Trainer weitermachen: Iivo Pantzar, hier im Gespräch mit Flügel Joel Wenning. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Will gerne als U19-Trainer weitermachen: Iivo Pantzar, hier im Gespräch mit Flügel Joel Wenning. /Foto: IFF/Matthias Kuch, floorball-pics.de

Abschließend – wirst Du als Cheftrainer weitermachen und die nächste U19-Generation für die WM 2015 entwickeln?

Aktuell kann ich nur sagen, dass es gut möglich ist, dass ich weitermache. Ich bin sehr zufrieden mit den Spielern und der Arbeit im Hintergrund. Floorball ist in Deutschland auf dem richtigen Weg und es wäre großartig, in den kommenden Jahren Teil der weiteren Entwicklung zu sein. Eigentlich habe ich sogar darüber nachgedacht, mein Leben so zu organisieren, dass ich vielleicht in Deutschland leben könnte. Das ist eine Option, aber auch ohne Umzug ist es möglich, dass ich als Trainer des U19-Teams weitermache.