„Der Weltspitze annähern“

Die Deutsche U19 bekommt mit Thomas Berger einen der profiliertesten Trainer der Welt. /Foto: Matthias Kuch, floorball-pics.de

Die Deutsche U19 bekommt mit Thomas Berger einen der profiliertesten Trainer der Welt. /Foto: Matthias Kuch, floorball-pics.de

Thomas Berger ist neuer Trainer der U19-Nationalmannschaft. Bereits während der U19-WM in Hamburg gab es erste Gespräche zwischen dem Schweizer und den Verantwortlichen von Floorball Deutschland. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir die gleichen Ziele haben und die Chemie stimmt“, sagt Berger im Interview. Darin erklärt er auch, wohin es mit der deutschen U19 gehen soll.

Floorballmagazin: Thomas Berger, in Deutschland sind Sie nur wenigen Experten bekannt, dafür kennt Sie in der Schweiz jeder halbwegs Floorball-Interessierte. Schließlich waren Sie unter anderem vielfacher Meistertrainer von Wiler-Ersigen und bis vor kurzem auch Coach der Schweizer U19-Nationalmannschaft. Das Engagement in Deutschland scheint folglich doch recht überraschend. Können Sie kurz ausführen, wie es dazu kam?

Thomas Berger: Das Amt als U19-Nationaltrainer der Schweiz hatte ich seit 1996 inne. Im Februar 2013 hat mir der nationale Verband meinen weiterlaufenden Vertrag zu Ende Mai gekündigt. Da ich das Amt als Nationaltrainer als eine große Ehre und als große aber auch positive Herausforderung ansehe, wollte ich weiterhin in dieser Funktion tätig sein. Bereits bei der U19-WM in Hamburg und sofort danach bin ich ins Gespräch mit den Verantwortlichen von Floorball Deutschland gekommen.

Wir haben schnell gemerkt, dass wir die gleichen Ziele haben und die Chemie für eine Zusammenarbeit stimmt. Dann ist eigentlich alles recht schnell gegangen. Nun bin ich offiziell im Amt und danke Floorball Deutschland für die Chance, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Als Trainer und Geschäftsstellenleiter von Chur Unihockey, einem Spitzenklub der Schweizer Nationalliga A, sind Sie bereits stark gefordert. Andererseits kennen Sie diese Doppelbelastung Nationaltrainer – Vereinstrainer vielen Jahren nur zu gut. Freie Wochenenden kennen Sie doch fast nur vom Hörensagen, oder?

Ich bin nun schon seit 1987 in dieser Sportart tätig. Und eigentlich kenne ich gar nichts anderes als dieses Doppelmandat. Im Juli habe ich jeweils ein bis zwei freie Wochenenden, dann ist wieder bis Mai jedes Weekend an mindestens einem Tag belegt. Wenn man etwas gerne macht, dann ist das aber auch kein Problem.

Ich kenne gar nichts anderes als das Doppelmandat Nationaltrainer – Vereinstrainer.

Was verbinden Sie mit dem deutschen Floorball, konnten Sie die Entwicklung hier in den letzten Jahren verfolgen?

Als Floorballinteressierter und als Nachbar habe ich natürlich immer auch die Entwicklung in Deutschland mitverfolgt. Auch konnte ich einige Spiele gegen die Deutsche U19-Nationalmannschaft bestreiten und kenne durch die Spiele in der Schweiz auch die Entwicklung der Deutschen U17. Floorball hat sich in Deutschland kontinuierlich, wenn auch nicht so schnell entwickelt.

Will die Deutsche U19 in die A-Division führen und näher an die Weltspitze bringen - Thomas Berger. /Foto: Matthias Kuch, floorball-pics.de

Will die Deutsche U19 in die A-Division führen und näher an die Weltspitze bringen – Thomas Berger. /Foto: Matthias Kuch, floorball-pics.de

Welche Ziele haben Sie mit der deutschen U19-Nationalmannschaft perspektivisch?

Das Ziel und der Anspruch kann für Floorball Deutschland nur sein, zu den Top-Nationen im Floorball zu gehören. Dies muss durch eine weiter verbesserte Arbeit in den Vereinen und den Auswahlteams angestrebt werden. Die U19 soll in einem ersten Schritt in die A-Division aufsteigen und sich in einem weiteren Schritt der Weltspitze annähern. Natürlich darf der Traum eines Weltmeistertitels für Floorball Deutschland nicht fehlen.

Das Ziel für Floorball Deutschland kann nur sein, zu den Top-Nationen zu gehören.

Was werden Sie von den Spielern fordern, auf welche Attribute legen Sie in deren Entwicklung wert?

Mit liegt es sehr am Herzen, dass sich jeder Spieler in seiner Zeit in der U19 persönlich in jedem Bereich entwickeln kann. Dabei wird die Leistungsbereitschaft der Spieler ein wichtiges Kriterium für deren Auswahl und Förderung sein. Da wir uns nicht so viel sehen werden, ist die Selbstdisziplin und die Motivation zur Arbeit ein weiteres wichtiges Attribut.

Steht schon fest, wann es den ersten Zusammenzug geben wird?

Geplant ist ein erster Sichtungslehrgang vom 12. bis 15. September. Doch leider haben wir noch keinen Trainingsort gefunden. Ich hoffe nun sehr, dass wir nicht einen Lehrgang streichen müssen, weil wir keinen geeigneten Trainingsort zur Verfügung haben.

Die U17-Auswahlen sind ein unverzichtbares Gerüst für die Auswahlstruktur.

Deutschland hat sich von der Schweiz das Konzept mit den U17-Regionalauswahlen abgeschaut. Dieses hat bereits Früchte getragen, viele Talente bei der letzten U19-WM sind den Weg über diese Auswahlen gegangen. Neben der U19 übernehmen Sie auch die Leitung des U17-Bereichs. Was versprechen Sie sich von der U17-Nationalmannschaft und wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den dortigen Trainern vor?

Damit möglichst viele geeignete Floorballspieler den Weg in die Nationalmannschaft der Männer finden, brauchen wir eine flächendeckende Sichtung und Förderung. Die U17-Auswahlen in den Regionen bilden darum das unverzichtbare Gerüst für die Auswahlstruktur. Ich strebe eine möglichst enge Zusammenarbeit mit den U17-Auswahlen Regional wie National an. Je enger wir zusammen arbeiten können, desto grösser ist die Chance, dass wir die geeignetsten Floorballspieler auch finden und optimal fördern können.