„Das Superfinale ist ein Thema“

Superfinale in der Max-Schmeling-Halle? Am Bundesliga Summit soll auch ein neuer Spielmodus für die Bundesliga diskutiert werden. / Foto: Velomax PR

Superfinale in der Max-Schmeling-Halle? Am Bundesliga Summit soll auch ein neuer Spielmodus für die Bundesliga diskutiert werden. / Foto: Velomax PR

Am 2. November findet in Berlin der erste Bundesliga Summit statt. Der Verband will gemeinsam mit den Vereinen der 1. und 2. Bundesliga die Organisation des Wettbewerbs voranbringen und auch das Superfinale spielt eine Rolle. Jan Kratochvil, Initiator und Event-Manager bei Floorball Deutschland, wechselt die Seiten und muss nun statt Fragen selbst Antworten liefern.

Floorballmagazin: Vor einigen Wochen erhielten alle deutschen Bundesligisten eine Einladung zum ersten „Bundesliga Summit“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Jan Kratochvil: Es ist ein übliches Prozedere in sämtlichen Spitzenligen etablierter Sportarten, dass sich Vertreter teilnehmender Vereine mindestens einmal jährlich zu einer Konferenz treffen, um wesentliche Schritte der Entwicklung ihres Wettbewerbs zu besprechen. Die Floorball Bundesliga muss diesen Anspruch ebenfalls haben, der Bedarf ist jedenfalls ohne Zweifel da. Telefonkonferenzen werden zwar des Öfteren abgehalten, können aber aufgrund ihres Formats keineswegs zentrale Fragen klären, geschweige denn offene Diskussionen ermöglichen. Der persönliche Umgang ist unverzichtbar.

Warum jetzt und warum in Berlin?

In Zukunft wird das Event im Sommer stattfinden. Um aber bereits zur Saison 14/15 erste Maßnahmen umzusetzen, diese vielleicht schon in den diesjährigen Playoffs testen zu können, galt es einen Termin schon in diesem Herbst zu finden. Zieht man die freien IFF-Wochenenden in Betracht, war Anfang November die sinnvollste Zeit. Es ist auch geplant, die Veranstaltung in Zukunft reisen zu lassen, um dann etwa dem Westen und Süden geografisch näher zu kommen. Berlin wurde diesmal aber deshalb ausgewählt, weil die Max-Schmeling-Halle, in der unser Summit stattfindet, eine zentrale Rolle im neuen Bundesliga-Konzept spielt, das wir den Vereinen vorstellen und mit ihnen diskutieren möchten.

Kannst du etwas mehr über das Konzept verraten?

Erstmal bewusst nicht. Wir werden es umfassend mit den Vereinen diskutieren, aber gemeinsam und zielgerichtet am Summit. Natürlich ist es willkommen, dass sich alle Vereine bereits vorab Gedanken darüber machen, wie sich die Bundesliga als Wettbewerb weiterentwickeln lässt und wie sie dazu beitragen können.

Die Bundesliga hat großes Potenzial, das liegt in vielen Bereichen aber brach und verkümmert.

Was fehlt der Bundesliga denn, wo besteht noch Verbesserungsbedarf?

Naja, wo soll ich anfangen? Die Bundesliga hat sehr großes Potenzial, das liegt in vielen Bereichen aber brach und verkümmert. Ihre Aufgabe ist einerseits der sportliche Wettbewerb selbst, andererseits aber die Vermarktung und Repräsentation der Sportart nach außen. Dabei muss man in einigen Belangen beides getrennt betrachten, anderswo greifen die Felder hingegen ineinander, etwa wenn es um den Spielmodus geht, der einerseits Einfluss auf den sportlichen Wettbewerb, andererseits aber auch auf die Attraktivität der Liga für Zuschauer, Medien, Sponsoren oder Aktive hat. Das birgt auch einen wichtigen indentitätsstiftenden Charakter für die Sportart und ihre Szene selbst.

Gut, und konkret, wo sind denn die Baustellen?

Ja, dazu komme ich noch. Man muss erstmal die Arbeitsbereiche abstecken. Das Thema ist ja recht komplex. Wenn wir über Attraktivität sprechen, geht es darum die Bundesliga für alle greifbarer zu machen. Der Wettbewerb muss zu einer wertigen Marke werden, bei der Teilnehmer, Zuschauer oder Partner der Vereine sowie auch des Verbandes wissen, was sie kriegen. Dazu gehört beispielsweise ein überwiegend einheitliches Niveau der Ausrichtung von Spieltagen, mit klaren Regeln, ebenso auch die Kommunikation des Wettbewerbs, klassisch sowie auch mittels multimedialer und viraler Inhalte. Man darf auch Details nicht unterschätzen wie etwa einen stimmigen visuellen Auftritt oder Absprachen zwischen Vereinen und Verband bezüglich Exklusivitäten für Werber. Auch der Wettbewerbs-Modus selbst darf in Frage gestellt werden sowie daraus folgende Bedürfnisse für den Pokal. Es ist also ein ganzes Paket, das den Möglichkeiten aller Vereine entsprechend besser ineinandergreifen muss. Es gibt vieles, über das man sich austauschen muss und egal wer mit wem welche Konflikte in der Vergangenheit hatte, der Summit ist eine Art Neustart und ich hoffe, alle machen mit.

„Möglichkeiten“ ist ein gutes Stichwort. Jeder Verein kann unterschiedliches leisten, bremst man mit einheitlichen Vorgaben dann nicht die erfolgreichen Vereine? Oder überfordert die schwächeren?

Nein, das soll und darf auch nicht passieren. Vereine in kleineren Städten hatten vielleicht eine einfachere Ausgangslage, um sich schneller zu professionalisieren, weil die lokale Unterstützung zugänglicher war und es bis heute ist. Großstädte bieten unangenehme Konkurrenz aber wiederum auch großartige Ressourcen und Netzwerke, an die man rankommen will und kann. Die Bedingungen sind also tatsächlich unterschiedlich und das muss auch bei einer solchen Reform berücksichtigt werden. Wenn es darum geht Anforderung zu stellen, wird man zu Beginn schrittweise und mehrgleisig verfahren und geduldig sein müssen. Die Einheitlichkeit des Wettbewerbs muss aber gewahrt bleiben. Außerdem bin ich der Meinung, dass man sich für die Bundesliga nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch qualifizieren muss.

Es ist ein sehr wichtiger Termin für die Entwicklung des deutschen Floorballs.

Wenn die Max-Schmeling-Halle eine Rolle im Konzept spielt, steht dann auch die Einführung eines Superfinals zur Diskussion?

Ja, das tut es. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Freund dieses Modells bin, weil es hilft, öffentliches Interesse an der Sportart zu ballen, und dem Wettbewerb eine ganz neue Wertigkeit verpasst. Es funktioniert überall, wo es eingeführt wurde und sogar Sportarten wie Handball und Basketball führen mittlerweile eine intensive Diskussion darüber. Fest steht, dass ein Superfinale unter deutschen Bedingungen aber nur dann zünden wird, wenn die Vereine freiwillig hinter diesem Projekt stehen und es selber wollen. Für manche erfordert es ein komplettes Umdenken, weg vom eigenen Häufchen hin zum gemeinschaftlichen Projekt. Unter welchen Umständen konkret ein Bundesliga-Superfinale möglich und sinnvoll ist, werden wir Anfang November diskutieren. Aber vorab – das Superfinale wäre erst der zwanzigste Schritt, davor stehen neunzehn andere an, die für den täglichen Spielbetrieb wichtiger sind.

Wie soll man sich jetzt die Funktion des Summits vorstellen? Wird dort über das Superfinale abgestimmt, ein neues Logo vorgestellt oder über die Regeln für Bundesliga-Spieltage diskutiert?

Wir haben über die Möglichkeiten der Vereine gesprochen. Man muss dabei auch die Möglichkeiten des Verbandes berücksichtigen. Unsere Sportart befindet sich in der schwierigsten denkbaren Entwicklungsphase. Die Ansprüche sind sehr hoch, die Mittel, die uns zur Verfügung stehen aber lächerlich klein. Dennoch, wenn alle kompromisbereit und unvorbelastet an einem Strang ziehen, lassen sich Maßnahmen umsetzen, die man davor nicht für möglich gehalten hätte. Davon bin ich überzeugt. Am Summit stellen wir diese Maßnahmen vor und lassen sie in Workshops diskutieren, hinterfragen und ggf. gemeinsam verbessern. Abstimmungen sind wichtig und formulieren die Meinung der Vereine, die finale Entscheidung muss dennoch der Verband fällen, da er die Verantwortung trägt. Aber ein solcher Dialog ist unverzichtbar, damit wir wissen, was die Vereine wünschen, was sie erwarten und was sie beitragen und stemmen können.

Wie sieht das Programm der Veranstaltung konkret aus?

Eingeladen sind Vertreter aller Erst- und Zweitligisten sowie Verantwortliche der Damen-Oststaffel, die ebenfalls als Bundesliga geführt wird. Wir treffen uns am Samstagvormittag in den Räumlichkeiten der Max-Schmeling-Halle. Nach einer speziellen Einleitung stehen zwei Themenblöcke an, in denen jeweils der Ist-Zustand beschrieben, ein neues Konzept vorgestellt und dieses dann in kleinen Arbeitsgruppen diskutiert wird. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse, werden im Anschluss präsentiert und sollen in die finalen Maßnahmen miteinfließen können. Es ist ein sehr wichtiger Termin für die Entwicklung des deutschen Floorballs.