Vergleiche mit Topnationen sind gewollt

Thomas Berger gibt seit diesen Sommer bei der deutschen U19 den Ton an. /Foto: Dietmar Bartels

Thomas Berger gibt seit diesen Sommer bei der deutschen U19 den Ton an. /Foto: Dietmar Bartels

Für seine Erfolge mit der Schweizer U19 bei der letzten WM wurde Thomas Berger von Swiss Olympic, dem eidgenössischen Pendant des DOSB, gestern zum Nachwuchstrainer des Jahres gekürt. Am Wochende zuvor war er zum zweiten Mal als Deutscher U19-Trainer im Einsatz und gewann neue Erkenntnisse.

Floorballmagazin: Thomas Berger, ihr hattet als Startschuss zum Trainingslager ein Testspiel gegen den Bundesligisten Döbeln, welches 6:6 ausging. Welche Erkenntnisse konntest Du aus diesem Härtetest ziehen?

Thomas Berger: Ein Unentschieden gegen einen, wenn auch dezimiert angetretenen, Bundesligisten ist für eine U19 sicher kein schlechtes Resultat. Wir waren aber nicht ganz zufrieden mit unserem Auftritt. Einiges, was wir uns im Sichtungslehrgang in Kiel (Mitte September, Anm. d. Red.) erarbeitet haben, hat in Döbeln nicht geklappt. Die Mannschaft hat aber wunschgemäß guten Einsatz gezeigt. Es war für die nicht weniger als acht neuen Spieler nicht einfach, praktische ohne Vorbereitungszeit direkt die Vorgaben umzusetzen. Dies hat dann auch zu einigen Abstimmungsproblemen in den Linien geführt.

Wo lag bei dem Camp der Fokus und was ergaben die Physistests?

Wir versuchen an jedem Lehrgang möglichst viele Bereiche weiter zu entwickeln. So haben wir unseren Fokus auf die Technik, die Taktik aber auch auf die physischen Aspekte gelenkt. Der zweite Physistest hat bei einigen Spieler Verbesserungen ergeben. Aber leider insgesamt sicher zu geringe und auch nicht einmal bei allen Spielern. Eine genaue Analyse muss aber erst noch erstellt werden.

Respektable Vorstellung - Gegen Döbeln gab es für die U19 ein 6:6. /Foto: Dietmar Bartels

Respektable Vorstellung – Gegen Döbeln gab es für die U19 ein 6:6. /Foto: Dietmar Bartels

Sicher ist der Vergleich nicht ganz zulässig und dennoch drängt sich die Frage aufgrund Deiner Vergangenheit als Schweizer U19-Trainer auf: In welchen Bereichen haben die Junioren im Vergleich zu ihren Schweizer Altersgenossen den größten Nachholbedarf?

Wir wollen uns für eine nachhaltige und langfristige Entwicklung an den Besseren messen. Deshalb ist ein solcher Vergleich nicht zur zulässig sondern auch gewollt. Wir stellen in allen Bereichen große bis sehr große Differenzen fest. Die größten Baustellen sehen wir aber sicher in der Basistechnik und in der Physis. Hier müssen die Spieler aber auch die Vereine in Zukunft deutlich mehr investieren.

Bei Basistechnik und Physis müssen Spieler aber auch Vereine deutlich mehr investieren.

Inwiefern?

In einer Sportart, welche immer schneller und wo die physischen Ansprüche immer höher werden, muss diesen Bereichen eine entsprechend große Trainingsbedeutung beigemessen werden. Auch können wir in den Auswahlen diese Bereiche nicht genügend abdecken. Hier ist die tägliche Arbeit von entscheidender Wichtigkeit.

Abschließend: Du hast mit Urs Ambühl einen alten Bekannten angefragt, die U17-Nationalmannschaft zu übernehmen. Am Wochenende hattet Ihr nun den ersten gemeinsamen Einsatz. Was versprichst Du Dir von der Zusammenarbeit?

Urs und ich kennen uns nun schon einige Jahre und haben in einer ähnlichen Konstellation bereits in der Schweiz zusammen gearbeitet. Wir haben eine ähnliche Floorball- und Trainerphilosophie und wissen, was es braucht, damit die Spieler auf dem Weg in die Nationalmannschaft der Herren optimal ausgebildet werden. Durch die enge Zusammenarbeit und die gleiche Ausrichtung der beiden Nachwuchsnationalteams können wir die Ausbildung stufengerecht und schrittweise aufteilen. Der Übertritt der Spieler von Team zu Team wird so deutlich vereinfacht und die Spieler kennen die Arbeitsweise und die Anforderungen bereits früh.

Anmerkung: Einzelne Zitate aus diesem Interview erschienen bereits am Montag im Bericht zu dem U19-Trainingslager.