Die rote Zora: Tag 1

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Zora wird geboren. Kreativbolzen und Center Laura Neumann ist zurück im digitalen Äther und bloggt exklusiv von der Damen-WM in Tschechien. Mitten aus dem Herzen der deutschen Auswahl erzählt sie in ihrem Tagebuch vom unvergesslichen Alltag der Nationalmannschaft am Turnier der besten Floorball-Teams der Welt.

Liebe Zora,

ich musste sehr tief Luft holen, um den angesammelten Staub vom Antlitz deiner ehrwürdigen Seiten zu pusten. Lange habe ich Dich in den Tiefen der Ausmaße meiner Konsumlust (Kleiderschrank) versteckt gehalten, um den heutigen Abend zu zelebrieren.

Einst nannte ich dich Heidi. Deine damalige Namensgebung begründete sich in der Ansässigkeit der Floorball-WM 2011 in St.Gallen in der eidgenössischen Schweiz.
Nun befinden wir uns in Brno (Brünn) in den Tiefen der Tschechischen Republik und dein Name musste geändert werden. Anpassung ist alles und Zora war geboren.

Meine Reise startete bereits am gestrigen Mittwoch gen Tieftschechien. Tieftschechien liegt sehr tief in Tschechien und wird nur selten vom gemeinen Touristen heimgesucht. Auch in die Arme dieser WM wollte ich über die Gleise der Deutschen Bahn gelangen – klappte nur semi-gut, dank ersatzlos gestrichenen Zügen und einer gewissen Unvorbereitung meinerseits.

Angekommen bin ich trotzdem und nach der abendlichen Begrüßungsorgie in unserer überraschend modernen Pension direkt ins Bettchen getiegert.

Neue Gesichter weit und breit, faltenfreie Gesichter. Plötzlich gehöre ich zu den „Alten Hasen“ im Geschäft und kann mit meiner WM-Erfahrung glänzen.
Zora, in mir brodeln ganz neue Emotionen zu einer Gefühlssuppe heran. Ich trage die unsichtbare Tätowierung der Verantwortung auf meiner Haut und es fühlt sich gut an. Das Kribbeln im Bauch ist wieder da, aber es hat sich verändert.

Der heutige Tag stand unter dem Sternenbild „Teambuilding“. In Gruppen geteilt und vom Zwinger der Kreativlosigkeit befreit, starteten wir eine Hetzjagd auf das Motto „Herzschlag“.

Es wurde über mehrere Stunden fleißig Filmmaterial gesammelt, geschnitten, geplappert und sogar gebacken. Das Ergebnis überzeugte und die Stimmung erhielt das Prädikat prächtig.

Natürlich stand für unsere Gruppierung aus Sportskanonen auch eine Runde Floorball auf dem Plan. So starteten wir im Reisebus mit sehr fragwürdiger Routenkenntnis des Busfahrers direkt nach Brünn-City, um der, mit Gerflor-Imitat ausgelegten Trainings-Halle, einen Besuch abzustatten. Es wurde geschwitzt.

Jetzt schleicht sie sich auf leisen Sohlen an, die Aufregung, das WM-Feeling. Spätestens morgen, wenn ich erstmalig den heiligen Gerflor der Spiel-Halle in Brünn mit über 3.000 Zuschauerplätzen betrete und die trockene Turnhallenluft inhalieren werde, wird es mich überkommen. Dieses breite Grinsen, was sich von langer Hand anbahnt und nicht zu unterdrücken ist. Ich spüre es schon jetzt, hier in meinem stahlfedergekernten Bett.

Zora, ich bin angekommen. Der Eingang ins Traumland ist zum Greifen nah.

Es ist schön, dich wieder an meiner Seite zu wissen, du hast mir gefehlt!

Jetzt will ich für uns beide noch enthusiastisch den Schuhputzlappen schwingen, damit das nicht wieder so in die Hose geht, wie damals in St.Gallen!

Träum süß, Zora!

Deine Laura

Foto: Iris Müller