Die Rote Zora: Tag 2

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Risotto legt Schmetterlinge lahm. Kreativbolzen und Nati-Center Laura Neumann ist zurück im digitalen Äther und bloggt exklusiv von der Damen-WM in Tschechien. Mitten aus dem Herzen der deutschen Auswahl erzählt sie in ihrem Tagebuch vom unvergesslichen Alltag der Nationalmannschaft am Turnier der besten Floorball-Teams der Welt.

Hallo Zora, Liebes,

das nächtliche Schrubben und salben meines Schuhwerks hat sich vollends gelohnt!

Aus meinem, eigens für den Nikolaus eingesackten Schuh in Größe 47, schüttelte ich heute Morgen einen Schoko-Weihnachtsmann, der just im Anschluss seinen Kopf verlor. Er wurde frech und ich musste ihn bestrafen! Du musst du dich also nicht um ein Absinken meines vorweihnachtlich hohen Blutzuckerspiegels sorgen.

Nachdem jede festgestellt hat, dass sie alle Schokoladenreste aus ihrem Schuh gekratzt hatte, wurde zum Frühstück geläutet. Natürlich reihen sich hier allmorgendlich die tschechischen Weißbrot-Hörnchen vor uns auf. Dank des Automatenkaffees stellen sich diese in meinem Magen allerdings wenig später quer. An meiner individuellen Zusammenstellung des Vespers muss ich also noch schrauben.

Im Anschluss wurde erneut auf „Beamerchen“ (er verdient seinen Namen, der Mini-Beamer) aufgetafelt und ich durfte ordentlich Theorie naschen. Nun, wenigstens setzt das maximal an der Großhirnrinde an. Das Denkknäul wurde mehrfach verworren und wenn der Gegner da noch durchschaut, dann halte ich ihn für einen Neurochirurgen.
Die Laura-Zentrale durfte dann kurz ihre Basis chillen und ich machte einen Abstecher in den Tante-Ludmilla-Laden des kleinen Örtchens unseres Verbleibs.
Vorbei an der Hörnchen-Armee huschte ich ganz der Nase nach gen Wursttheke und gönnte mir einen adretten Fettschlauch (Wiener-Würstchen). Köstlich.
Mich überkam nur kurz der Gedanke meine Gelüste zu überdenken und mich zumindest theoretisch mit der Materie „Gesunde Ernährung“ auseinander zu setzen, schließlich wollten wir in Kürze der MSH Vodova Brno ein Training entlocken.

Natürlich taten wir das. Doch leider, Zora, zu meiner Ernüchterung. Die Sporthalle besticht weder durch Modernität, noch durch rosigen Duft und erst recht nicht mit ihren Supi-Dupi-Wohlfühl-Dusch-Wellness-Spa-Arealen.

Eine abgesportete Turnhalle die wenigstens ordentlich Platz für tobende Fanmassen bietet und zu meiner Freude mit dem heiligen Gerflor ausgelegt ist. Dieses giftige Grün, das Gefühl man müsse das Passen und Schießen vom Neuen erlernen. Großartig. Ich wette meine Sehapparate funkelten wie die Chistbaumkugeln des eigens drapierten Deko-Baumes im Foyer der Halle. Wie du weißt begeisterte mich während der letzten WM das kompromisslose Pink des St.Gallener Deko-Konzepts. Die Schlichtheit Brünns lässt leider nur Raum für ein Farbspektrum zwischen grün und grau. Hauptsache ich glitzere, besser meine Äuglein und dieses Grinsen, von dem ich dir erzählt habe. Der Boden wurde jedenfalls fleißig von uns beackert und Positionen um Feinheiten justiert.

Da konnte der Abend seinen krönenden Abschluss im Dinner finden. Heute im hauseigenen Restaurant: Risotto mit Kalbsstreifen umarmt von Pilzen und frischem Salat mit Parmesan-Garnitur. Die Schmetterlinge in meinem Bauch sind vorerst lahmgelegt.

Uns, meine Liebe erwartet nun die Nacht vor dem ersten Spiel der Weltmeisterschaft. Morgen gilt es Kanada zu schlagen! Die Eishockey-Urnation wird nicht zimperlich mit uns umgehen, gut dass ich heute noch zehn Liegestütze gemacht habe und vor Kraft strotze!

Zora, es kann losgehen! Ich bin bereit, komme wer wolle. Manchmal glaube ich, dass ich die ganze Floorball-Welt besiegen kann…oder träume ich schon???

Schlaf gut Zora,

Deine Laura

Foto: Iris Müller