Die Rote Zora: Tag 5

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Her mit den Hämatomen! Kreativbolzen und Nati-Center Laura Neumann bloggt exklusiv von der Damen-WM in Tschechien. Mitten aus dem Herzen der deutschen Auswahl erzählt sie in ihrem Tagebuch vom unvergesslichen Alltag der Nationalmannschaft am Turnier der besten Floorball-Teams der Welt.

Zora-Popora meine Liebe,

Gruppensieg! Die warme Phase ist vorbei, ab jetzt wird es heiß!

Doch langsam und damit du verstehst wovon ich spreche, will ich von vorn starten.

Mein Schönheitsschlaf hatte in der letzten Nacht ein passables Ausmaß angenommen, sodass ich weniger Arbeit in mein äußeres Erscheinungsbild investieren musste.
Also startete ich äußerst schön eine Etage tiefer in den Frühstückssaal und musterte meine Spielkameradinnen. Wunderschön, alle samt. Der Schlaf tat uns gut und es herrschte rege Konversation. Das frühmorgendliche Hüngerchen wurde gestillt und Traumland-Kuriositäten geteilt. Im Anschluss statten wir dem kleinen Dörfchen unseres Verbleibs einen Kontrollrundgang ab. Grau blieb grau und Tante Ludmilla sprach noch immer keine Sprache meines Verständnisschatzes.

Als wir genügend Sauerstoff getankt hatten, bestand die Möglichkeit den Vormittag mit dem Wälzen von Universitäts-Lektüre, oder der Studie von Bravo-Heftchen und Analyse des tschechischen Fernsehprogramms zu verbringen. Gewiss entschloss ich mich für ersteres, bevor mich ein kleiner Mann unter Schlafsand verschüttete und ich willenlos die Lider schließen musste.

Erholt und entspannt sammelten wir unser sportives Grüppchen in einer Theorieeinheit, die uns die Gegnerinnen näher bringen sollte. Zora, für uns ist Dänemark eine alte Bekannte, eine Stieftante 5. Grades, die man auf Familienfeiern antrifft, sie aber nie anruft. Man kennt sich, doch man schenkt sich nichts. Dank unzähliger Testspiele gegen die Nordlichter, wussten wir sehr genau was uns erwarten würde und konnten die Videoaufzeichnungen bestens nutzen.

Ach, Zora, bis dahin hatte ich keinen Zweifel, dass wir Dänemark nicht schlagen könnten! Ich fühlte mich gut gestärkt und selbstbewusst.

Leider startete ich ganz und gar nicht hochmütig in das Spiel, nein, ich startete mit Fehlpässen und Unsicherheit. Was war nur los? Es dauerte einige Zeit, mich in das Spiel und auf meiner neuen Position der Verteidigerin einzufinden, doch schlussendlich gelang es mir. Ein Glück, Zora, sonst hättest du dir aber was anhören dürfen!

Die Mannschaftsleistung überzeugte. Doch auch in diesem Spiel hatten wir uns die Hände schmutzig machen müssen und einen Acker zu bewirtschaften. Natürlich will ich den Gerflor nicht als Agrarlandschaft beleidigen, allerdings sprießte überall Unkraut in Form der gemeinen Dänischen-Schützin und der gewöhnlichen Dänischen-Druckoffensiven. Wir haben alles abgesenst. Sauber. Den Stein, der uns von den Herzen plumpste, hörten wahrscheinlich auch die daheimgebliebenen Fans.

Das war sie nun, die erste Gruppenphase. Das morgige Spiel wird das Letzte, hier in Brünn, sein, denn bereits morgen Abend werden wir, hoffentlich mit einem Sieg im Übergepäck, in Ostrava einreiten.

Meine Zora, Morgen heißt es Revanche. Das letzte Spiel gegen Russland ging verloren, vor ziemlich genau zwei Jahren. Meine Waffe ist geölt und ich bin natürlich auch schon neun Uhr bereit für jeden Kampf!

Her mit den Hämatomen, hier bin ich, ihr Kratzspuren, mehr von diesen Ballabdrücken auf meiner Haut! Zora, wie du siehst kann nichts mehr schief gehen!

Ich träume von dir, Liebchen,

Deine Laura

Foto: Iris Müller