Brechbühler: „Wir wollen noch einen Großen schlagen.“

Headset, Schweißbänder, Schal, allwettertaugliche Friese - Simon Brechbühler ist auf der Bank bestens ausgerüstet. / Foto: IFF

Headset, Schweißbänder, Schal, allwettertaugliche Friese – Simon Brechbühler ist auf der Bank bestens ausgerüstet. / Foto: IFF

Nach dem Russland-Spiel gibt sich Bundestrainer überraschend selbstkritisch, will im Laufe des Turniers aber noch mindestens einem Großen das Bein stellen. Am Donnerstag trifft er mit der deutschen Auswahl auf sein Heimatland Schweiz. „Mein Herz wird für Deutschland schlagen“, sagt Brechbühler.

Floorballmagazin: Du hattest gegenüber der IFF gesagt, dass Russland das bessere Team war. Gewonnen hat aber Deutschland, also muss man etwas „richtiger“ gemacht haben, oder?

Simon Brechbühler: Ich denke heute hat nicht das bessere, sondern das glücklichere Team gewonnen. Wir haben die ersten zwanzig Minuten sehr gut gespielt. In der Pause habe ich das Team auf die zweiten zwanzig Minuten schlecht eingestellt. Dies wäre uns beinahe zum Verhängnis geworden. Uns hat heute der letzte Tick in der Offensive gefehlt und defensiv hätten wir beinahe zu lange für die Umstellung gebraucht. Schlussendlich wurde das Glück des Tüchtigeren belohnt. Ich denke, wir haben wie Löwen gekämpft. Nun hat’s zum Glück gereicht.

Drei Tore binnen 50 Sekunden, davor und danach nix. Hielt man sich gegenseitig in Schach?

Wir haben zu Beginn das Spiel zwar kontrolliert. Richtig gefährlich wurden wir aber nie. Wir spielen defensiv sehr stak in diesem Turnier. Kontrollieren das Spiel. Wir nutzten die Unachtsamkeit nach dem Führungstreffer Russlands eiskalt aus.

Vier Spiele in Folge. Ein solches Pensum geht in die Knochen. Wie sieht die Rehabilitation aus?

Ja, das ist anstrengend. Aber es ist für alle Teams die selbe Voraussetzung. Wir haben immer mindestens 15 verschiedene Spielerinnen eingesetzt. Deshalb hatten wir in allen Spielen bis zum Schluss Kraft. Es kann sein, dass dies in den letzten zwei Spielen den entscheidenden Unterschied ausgemacht hat.

Geschafft - Deutschland rutscht unter die Top 8 der Welt. / Foto: Tim Fuhrmann, Floorball Deutschland

Geschafft – Deutschland rutscht unter die Top 8 der Welt. / Foto: Tim Fuhrmann, Floorball Deutschland

Gegen die Schweiz kann eigentlich nichts schiefgehen, oder? Zu verlieren hat man nichts.

Die Schweiz bekundete Mühe gegen schwächere Gegner. Für uns wird es ein einfaches Spiel. Die Schweiz kann nur verlieren. Das Resultat ist sekundär. Wir zeigen den Schweizern, wie man mit Herz spielt. Wir wollen die Zuschauer für uns gewinnen. Wir identifizieren uns mit jedem Volounteer an diesem Turnier. Wir sind ein Teil von den Helfern. Wir haben keine Profi-Spielerinnen, wir haben kein Geld. Wir werden mit viel Leidenschaft spielen. Die Schweiz soll sich noch lange an dieses Spiel erinnern.

Wie ist es aber für dich an einer WM gegen dein Heimatland zu coachen?

Für mich ist es sehr speziell. Ich kenne alle Spielerinnen. Einige auch persönlich. Die Spielerinnen kennen mich. Ich weiß, dass wir der krasse Aussenseiter sein werden. Und persönlich wünsche ich der Schweiz nur das Beste im Verlauf des Turniers. Aber am Donnerstag werden wir Gegner sein für mindestens 60 Minuten und da wird mein Herz für Deutschland schlagen. Zudem habe ich einen Wunsch für dieses Spiel. Ich wünsche mir Respekt für meine Spielerinnen. Es wissen die wenigstens Personen, was unsere Girls in den letzten Monaten durchgemacht haben. Vor der Leistung kann man nur den Hut ziehen. Jede einzelne Spielerin hat es verdient an diesem Tag auf dem Feld zu stehen. Es wird ein „David gegen Goliath“-Spiel und ich werde alles geben, damit David dem Riesen ein Bein stellen kann.

Das Spiel gegen die Schweiz wird aber mit Sicherheit nicht das letzte am Turnier sein. Was sind aus jetziger Sicht die sportlichen Ziele?

Wir haben jetzt bereits zwei größere Teams aus dem Turnier „geworfen“. Wir werden nun dreimal auf die Bühne zurück kommen und unsere Zugaben genießen. Ab jetzt sollen alle profitieren können. Wir wollen noch einen Großen schlagen. Norwegen, Lettland und auch Polen sind alle deutlich besser als wir. Wir werden versuchen das letzte Spiel zu gewinnen, egal gegen wen. Aber es wird nicht einfach.

Wie bewertest du die Organisation des Turniers. Hat dich etwas besonders überrascht? Die Besucherzahlen scheinen großartig zu sein – das in allen Gruppen.

Es ist einfach genial hier. Alles läuft super. Die Organisatoren machen einen super Job. Wir haben einen super Teamguide und wir finden beste Bedingungen vor. Es ist toll hier zu sein.