Die Rote Zora: Tag 8

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Kaugummis und Emotionskorsetts. Kreativbolzen und Nati-Center Laura Neumann bloggt exklusiv von der Damen-WM in Tschechien. Mitten aus dem Herzen der deutschen Auswahl erzählt sie in ihrem Tagebuch vom unvergesslichen Alltag der Nationalmannschaft am Turnier der besten Floorball-Teams der Welt.

Guten Abend, Zora,

Mein Prinzessinnen-Schlaf endete zum neunten Glockenton. Pünktlich postierte ich mich am Frühstückstisch, um meine Energie-Reserven randvoll aufzustocken.

Kugelrund starteten wir direkt im Anschluss in ein Taktik-Training in eine der ansehnlichen Sporthallen versteckt im paradiesischen Ostrava. Über uns war die Sonne nur zu erahnen, denn eine dicke Kumuluswolke, bestehend aus Feinstaub und grauen Farbpartikeln, türmte sich auf.

Strategisch gut eingestellt, kam in mir eine gewisse Hibbeligkeit auf, die mich zu einem Nervenbündel werden ließ und ich begann meinen werten Mitspielerinnen auf den Sack zu gehen. Zora, da kann ich von Glück reden, dass jede Humor im Gepäck hat!

Nach dem Mittagssnack wurde fleißig massiert, regeneriert und vorberitten.

Meine Wenigkeit testete die Frisösen-Qualität Maddi Heiskanens, die mein Haupt mit Fingerspitzengefühl herrichtete.

Die Zeit bis hin zur Abfahrt in die ČEZ Aréna zog sich wie ein geschmackloser Kaugummi. Igitt.

Doch dann endlich, die letzte Einstimmung. Geschwängert von Ton-, Bild- und Videomaterial, bereitete uns Coach Brechbühler emotional und mental auf die anstehende Viertelfinal-Partie vor. Es waren seine Eidgenossinnen, die uns spätestens nach dem Spiel in schlechter Erinnerung halten sollten. Wir wollten blaue Flecken gratis verteilen und das Aufbauspiel der Schweizerinnen verhindern.

Meine Aufregung ließ sich mein Emotionskorsett weiten, gewiss nur so weit, dass die etwa 20 Kameras in der Arena, dies nicht einfangen können.

Tja, Zora, zeitweise konnten wir unsere Vorhaben gut verwirklichen, doch die spielerische und auch taktische Überlegenheit der Nachbarländerinnen, wurde deutlich. Ich hätte uns wirklich ein Törchen gegönnt, aber leider wollte der Torgott nicht uns sein.

Jede von uns ging trotzdem mit einem Lächeln vom grünen Boden und die stolze Brust wölbte sich. Es war das beste Ergebnis, was wir gemeinsam gegen die Schweizerinnen erreicht hatten.
Erleichtert und müde klatschte ich mit meiner Ziehfamilie und meinem Clan ab und teilte eifrig meine Seelenlage mit.

Der nächste Gegner steht fest: Norwegen.

Zora, ich bin mir sicher, die werden es schwer haben gegen uns! Ich für meinen Teil, habe noch kein Spiel gegen die Fjordländerinnen bestreiten können, befinde mich aber in bester Verfassung, um meinen Kampfgeist und Siegeswillen zur Schau zu stellen!

Die positive Grundstimmung überwiegt an dieser WM ganz klar und es macht riesig Spaß in die freudig strahlenden Gesichter der jungen Damen zu lächeln und ein Spiel nach dem Anderen zu genießen!

Der restliche Abend stand im Zeichen der Körperpflege und nächtlicher Nahrungsaufnahme, sofort steigt mir die Verdauungswärme zu Kopf und die Bettschwere in meine Glieder. Der morgige Tag wird genügend Zeit bieten, um zu regenerieren und den Gegner zu studieren.

Aber jetzt, meine Zora, Zähne putzen und ab ins Bett!

Ich drücke dich.

Deine Laura

Coverfoto: Iris Müller / Artikelfoto: IFF